Unfall befeuert Diskussion über Raserei auf Chemnitzer Straße

Obwohl die Ursache der Dachlandung auf der Ortsdurchfahrt Gornau noch offen ist, machen Anwohner ihren Unmut über zu schnell fahrende Autos Luft - und beklagen ein aufgehobenes Tempolimit.

Gornau.

Nach einem Verkehrsunfall in der zurückliegenden Woche auf der Chemnitzer Straße in Gornau sind die Emotionen hochgekocht. Bewohner kritisierten an der Unfallstelle eine Behördenentscheidung, wonach kürzlich in dem Bereich ein Tempo-30-Limit wieder aufgehoben wurde. "Es war nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiert - hier wird nur gerast", empörte sich ein Anwohner. Über die Ursache des Unfalls kann derweil nur gemutmaßt werden. Wie es dazu kam, ist laut Polizei weiter unklar. Die Ermittlungen dauern an. Ein 77-Jähriger war mit einem Seat gegen einen am rechten Fahrbahnrand geparkten Audi A 3 gestoßen, wobei sich der Seat überschlug und der Rentner schwer verletzt wurde.

Im Sommer hatte Bürgermeister Nico Wollnitzke (CDU) zwischen den Abzweigen Eck- und Dorfstraße Tempo-30-Schilder aufstellen lassen, weil die Chemnitzer Straße dort Querrinnen aufweist. Fährt darüber ein schweres Fahrzeug, wackeln in der Wohnung von Thomas Sowade die Gläser. Weil sein Haus an der Straße inzwischen Risse aufweist, schlug er Alarm und drohte dem Straßenlastträger mit Klage. Nico Wollnitzke wollte das Problem bis zur Reparatur der Fahrbahn mit dem Tempo-Limit in den Griff bekommen. Doch das hatte nur zwei Wochen Bestand.


Auf Veranlassung der Zschopauer Verkehrsbehörde musste er die Schilder wieder wegräumen. "Keine Gefahr im Verzug", hieß es zur Begründung. Nur in diesem Fall hätte er auf eigene Kappe handeln dürfen. Ansonsten ist ein Antrag bei der Verkehrsbehörde zu stellen. Das hat Bürgermeister Wollnitzke inzwischen nachgeholt. "Vor vier oder fünf Wochen", sagt er auf Nachfrage. Passiert ist seitdem nichts. Man wolle noch bei einer höheren Instanz nachfragen, habe er mitgeteilt bekommen. Sabine Hoheisel von der Zschopauer Verkehrsbehörde nennt einen anderen Grund für die ausbleibende Entscheidung: Die Verwaltung habe nur einen Dreizeiler ohne Begründung des Tempolimits erhalten: "Das reicht nicht."

Derweil ärgern sich Anwohner weiter über Autos, die schneller als die im Ort erlaubten 50 Kilometer pro Stunde unterwegs sind. Die Fahrbahn weist die Breite einer Bundesstraße auf und verleitet Kraftfahrer offenbar dazu, aufs Gas zu treten. Vor dem Bau der Umgehungsstraße führte die B 174 direkt durch Gornau. Um die Straße enger zu machen und Kraftfahrer zum Langsamfahren zu bewegen, parkt Thomas Sowade sein Auto vor dem Haus auf der Straße. Seit dem Unfall beobachtet er allerdings, dass andere ihr Auto lieber auf dem Fußweg abstellen. Fußgänger müssen dann auf die Straße oder auf angrenzende Flächen ausweichen, ärgert er sich.

In Kürze sollen nun die Straßenbauer anrücken und die Querrinnen beseitigen. Das Geschwindigkeitsproblem wird damit wohl nicht gelöst - eher noch verschärft, befürchtet Nico Wollnitzke. Die Hoffnungen der Anwohner ruhen derweil auf dem weiteren Ausbau der Chemnitzer Straße. Die an manchen Stellen bis zu neun Meter breite Straße soll durchgängig auf 6,50 Meter Breite reduziert werden. Zudem sind Fußgängerinseln geplant, die als Verkehrsbremse wirken sollen. Allerdings steht in den Sternen, wann die letzten 500 Meter bis zum Abzweig Dittmannsdorf in Angriff genommen werden. Zunächst gilt es, im September den mittleren Abschnitt auszuschreiben. Baubeginn soll im März 2020 sein, sagt Nico Wollnitzke. (mit kenl)

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