Welt aus Zinn - vom Muster bis zum Guss

Den Künstlern Kurt Wolf und Bernd Sparmann ist eine Sonderausstellung im Gelenauer Depot Pohl-Ströher gewidmet. Am Samstag können Besucher mehr als nur die Exponate bestaunen.

Gelenau.

Kurt Wolf und Bernd Sparmann kennen sich gut. Und beide schätzen die Arbeiten des anderen. Die Künstler aus Chemnitz und Schneeberg stellen nun in der Weihnachtsausstellung des Depots Pohl-Ströher in Gelenau ihre wertvollen Stücke aus Zinn aus. Obendrein sind sie auch die Protagonisten eines ganz speziellen Tags, der extra für sie geschaffen wurde. Denn am Samstag ist Zinngießertag. Sparmann und Wolf präsentieren die Arbeitsschritte - vom Modell bis zum fertigen Gussstück. Das alles begleitend zur Sonderausstellung.

Diese heißt "Zinnguss vom Muster zum fertigen Stück". Was die Sonderausstellung neben den Exponaten so spannend macht? Die unterschiedliche Herangehensweise der beiden Künstler. Der Arbeitsschritt Gießen ist zwar gleich. Entscheidend sind jedoch die Vorarbeiten und die Anfertigung der Muster. Kurt Wolf modelliert sie, baut sie quasi Schicht für Schicht auf. "Das braucht Zeit", erklärt der Chemnitzer. "So lange es braucht, braucht es halt", fügt Bernd Sparmann hinzu. Er wiederum erstellt für seine Muster eine geschnitzte Gussform.

Sparmann und Wolf sind Rentner und können nicht von ihrem gemeinsamen Hobby lassen. Sparmann, 72 Jahre, ist gelernter Tischler, hatte umgeschult zum Holzbildhauer und war Formgestalter in einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks. Der 69-jährige Wolf hatte beruflich als Bergmann bei der Wismut in Schlema begonnen und blieb nach dem Studium in Berlin. Erst 1993 kam er zurück in die Heimat und machte sich selbstständig. Wolfs und Sparmanns Figuren sind Vollplastiken. In Gelenau zu sehen sind imposante Bergmannsleuchter von Sparmann genauso wie ein nicht weniger beeindruckender Nachbau des Fürstenzugs zu Dresden von Wolf. Dort paradieren unter anderem Friedrich der Ernsthafte und Dietrich der Bedrängte auf ihren Pferden und in bunter Kleidung, wie sie auch beim Lebendigen Fürstenzug im August 2006 in Dresden zu erleben waren. Jede Figur ist handbemalt. Bei den Bergmännern legt Wolf besonderes Augenmerk auf die historisch korrekten Uniformen und Habits.

Die gesamten Zinnfiguren der beiden Künstler, die in der Sonderausstellung in Gelenau zu sehen sind, hatte Erika Pohl-Ströher selbst angekauft. "Sie war sehr interessiert an den Arbeiten und ließ sich alles genau erklären", erinnert sich Wolf. Auch bei Sparmann stand sie eines Tages unangemeldet im Geschäft und zog schwer beladenen mit einem Chauffeur wieder von dannen.

Der Zinngießertag am Samstag verspricht Spannung für alle Beteiligten - für die Protagonisten, die sonst allein im Stillen arbeiten und ihre Modelle entwerfen, formen und schnitzen, genauso wie für die Besucher. Die können zwei Künstlern genau auf die Finger schauen und die Entstehung der Zinnfiguren Schritt für Schritt miterleben.

Begleitend zur Sonderausstellung werden die Zinngießer Bernd Sparmann und Kurt Wolf am Sonnabend von 10 bis 18 Uhr Gästen die Entstehung eines Exponats von der Idee bis zum Bemalen einer Figur vorführen und erklären. Weitere Künstler und Handwerker sind ebenfalls vor Ort. Am 12. Januar folgt ein weiterer Höhepunkt. Dann ist Schokoladentag - mit Bezug zur Sonderausstellung "Historische Schokoladenformen". Die große Weihnachtsschau ist bis 27. Januar immer freitags, samstags und sonntags in der Zeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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