Wie ein junges Paar dem Ladensterben im Zschopauer Zentrum trotzt

Nach ihrer Zeit als belebte Einkaufsmeile haftete der Zschopauer Würkert-Straße der Ruf als leere Gasse an. Neuerdings blüht die Straße wieder etwas auf - auch dank zweier Thailand-Fans.

Zschopau.

Ein thailändisches Fabelwesen ist das Aushängeschild des neuen Ladens an der Zschopauer Würkert-Straße. "Kinaree" heißt die Figur, halb Frau, halb Schwan, die dem Geschäft seinen Namen gibt. Sie steht für das Besondere.

"Wir haben schon immer vom eigenen Geschäft geträumt", sagt Inhaberin Alexandra Hähnel. Als die Verkäuferin nach der Geburt der heute dreijährigen Tochter in Elternzeit war, nahm ihr Mann sich frei: Drei Monate lang reiste die Familie. Besuchte Malaysia, Hongkong, Singapur, Indonesien und die Philippinen. "Besonders beeindruckt hat uns Thailand", sagt die junge Mutter. "Dort wird jeder Mensch geschätzt, man ist nicht nur eine Nummer." Und: "Viele Händler beschränken sich auf eine Produktgruppe, etwa Fisch. So hat jeder seine Nische im Markt."

Nach der Reise reifte die Geschäftsidee. Schönes aus Holz wollte das Paar anbieten: Schalen, Möbel, Dekoratives. "Es zog uns von Anfang an in die Innenstadt", sagt Robert Hähnel. Doch bevor sie ein richtiges Ladengeschäft eröffneten, wollten sie testen, ob sie genug Abnehmer finden würden. Robert Hähnel, hauptberuflich Informatiker bei der Bundeswehr, richtete einen Onlineshop ein. In der Würkert-Straße 7 entstand ein Lager.

Dann die Überraschung: Anfang des Jahres wechselte der Vermieter des Gebäudes mit der Hausnummer 1. Der neue Vermieter sprach die Hähnels an: Ob sie sich vorstellen könnten, das Erdgeschoss für einen Laden zu nutzen? Sie konnten.

Familie, Freunde und die anderen Ladenbesitzer aus der Straße packten mit an: Container ausladen, Waren einsortieren, zur Eröffnungsfeier Bier ausschenken. In den vier Räumen des Ladens finden sich unter anderem Hocker aus Akazienholz mit Elefantenkopf-förmigen Füßen, massive Waschbecken aus Marmor und Kindermöbel mit eingeschnitzten und bemalten Tierfiguren. Einen Tag nach der Eröffnung schaute auch Oberbürgermeister Arne Sigmund vorbei. "Für ihn habe ich extra Sandelholz-Räucherstäbchen aus Nepal bestellt", berichtet die 27-Jährige.

"Die Händler in der Umgebung haben sich über den Zuwachs gefreut", sagt Erika Clauß vom Herrenausstatter Conrad Schmidt. "Das wird neue Kunden in die Straße ziehen." Doch ob das Geschäft sich rechnet, muss sich noch zeigen. "Natürlich wäre es schön, wenn wir es ewig hätten", sagt Robert Hähnel. "Aber wer weiß schon, was in 20 Jahren ist?", fragt seine Frau.

Momentan zählt für beide die Gegenwart. "Wir wollen, dass die Innenstadt wieder belebt wird", so der Soldat. Die Treffen der Interessengemeinschaft Innenstadt hätten zwar noch nicht viel gebracht, sagt seine Frau. "Aber wir haben noch viele Ideen. Man muss als Händler auch etwas Geduld haben." Die Überlegungen, sagt Robert Hähnel, entstehen oft beim Abendessen. Ob sich die beiden als Impulsgeber unter den Innenstadthändlern sehen? Nein, da sind sie bescheiden. Doch: Seine Frau trage die neuen Gedanken in die Straße, so der junge Vater. Sie ergänzt: "Wir Ladeninhaber sprechen viel miteinander über die Ideen. Schließlich soll jeder am Ende damit zufrieden sein."

Eine dieser Ideen sind die neuen Blumenkübel: Im Herbst werden die Hähnels sie bei den anderen Ladenbesitzern in der Ludwig-Würkert-Straße verteilen - als Dauerleihgabe oder zum Einkaufspreis. "Das macht die Straße schöner", findet Alexandra Hähnel.

Ein weiterer Gedanke: ein neuer Versuch, gemeinsam mit anderen Innenstadt-Händlern eine Veranstaltung aufziehen. Vielleicht spiele dabei Licht in der dunklen Jahreszeit eine Rolle, sagt der junge Vater. Mehr wollen die beiden noch nicht verraten.


Wie Zschopau dem Leerstand im Zentrum begegnen will

Seit einigen Monaten laden das Innenstadt-Netzwerk "Lust auf Innenstadt" und die Interessengemeinschaft Innenstadt Zschopau regelmäßig zu Ideenwerkstätten ein.

Zu den bislang erarbeiteten Vorschlägen zählen kostenloses W-Lan in der Innenstadt und eine interimsweise Vermietung leer stehender Geschäftsräume, etwa an Vereine. Überlegt wurde auch, die Schaufenster verlassener Läden als Mini-Ausstellungsfläche etwa für Kunstprojekte von Schulen zu nutzen. Zu sehen ist in dieser Richtung noch nichts. Als vorerst gescheitert hatte Oberbürgermeister Arne Sigmund (parteilos) den Versuch im Zentrum ansässiger Händler bezeichnet, einen gemeinsamen Bio- und Frischemarkt zu gestalten.

Eine andere Idee wurde nun testweise in die Tat umgesetzt: Seit vergangenem Montag gibt es im Schloss Wildeck einen Schülertreff. (rict)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...