Wie Karl Stülpner einst vom Fleck weg gekauft wurde

Die Weihnachtsschau im Gelenauer Depot Pohl-Ströher beherbergt auch Schnitzereien von Matthias Dietzsch. Eine Arbeit hat eine besondere Geschichte.

Gelenau.

Dieser hölzerne Karl Stülpner ist einmalig. Wenn sein Schöpfer, der Holzbildhauermeister Matthias Dietzsch aus Geyer, den Wildschützen mit Gewehr sehen will, muss er nach Gelenau in das Depot Pohl-Ströher kommen. Schließlich gibt es diese Arbeit nur einmal. "Ich habe schon ein paarmal versucht, diesen Stülpner genau so noch einmal zu schnitzen. Es will mir aber einfach nicht gelingen", erzählt Matthias Dietzsch.

Dass diese Schnitzerei ihren Weg in die Weihnachtsausstellung und überhaupt in das Depot Pohl-Ströher gefunden hat, liegt zum einen an der handwerklichen Meisterschaft ihres Schöpfers, zum anderen an Erika Pohl-Ströher persönlich. Denn die Sammlerin selbst hat die Figur in Geyer gekauft.

"Ich schnitze in meiner Werkstatt mit dem Blick nach draußen, und da sehe ich diesen dicken Mercedes direkt davor halten. Der Chauffeur hielt die Tür für eine zierliche Frau auf, die in mein Geschäft kam", erinnert sich Matthias Dietzsch ganz genau an diesen Tag. Es war Erika Pohl-Ströher, Biologin, Chemikerin, Erbin eines Teils des Wella-Imperiums und bedeutende Mäzenin. Sie habe sich in seinem Musterraum umgesehen und gefragt: "Was haben Sie nur einmal gemacht?" Matthias Dietzsch zeigte auf die Stülpnerfigur, die Erika Pohl-Ströher sogleich kaufte und die jetzt ihr Zuhause in Gelenau gefunden hat.

Ganz genau erinnert sich Matthias Dietzsch auch an die Entstehung der Schnitzerei. "Ich lege großen Wert auf Detailgenauigkeit. Ein Mann musste in genau dieser Pose Modell stehen, das Gewicht auf ein Bein verlagert, das Gewehr schussbereit", erzählt der 67-Jährige. Größte Genauigkeit galt auch dem Gewehr, einer Steinschlossflinte. Die echte hängt bei Matthias Dietzsch im Laden, die Kopie zeigt dasselbe Muster auf dem Schaft wie die echte Flinte.

Der geschnitzte Stülpner stellt einen echten Kerl dar, mit mächtigen Waden und Oberschenkeln. "So stelle ich mir eben den Karl Stülpner vor: als einen, der viel zu Fuß unterwegs war, der viel Fleisch gegessen und eine kräftige Statur besessen hat", sagt der Holzbildhauermeister aus Geyer, der selbst in jungen Jahren zum Schnitzen gekommen ist. "Das war im Kinderschnitzzirkel in Geyer. Schon damals stand für mich fest, dass das Holz mich mein Leben lang begleiten würde."

Matthias Dietzsch absolvierte eine Tischlerlehre und besuchte in seiner Freizeit die Schnitzschule Annaberg. Um auch in seinem Beruf mit dem Werkstoff Holz figürlich zu arbeiten, schloss er eine zusätzliche Ausbildung zum Facharbeiter als Bildhauer ab und bestand die Meisterprüfung an der Fachschule für angewandte Kunst Schneeberg.

www. lopesa.de

Die Weihnachtsschau im Depot-Pohl Ströher in Gelenau, Emil-Werner-Weg 96, ist noch bis zum 27. Januar zu sehen. Geöffnet ist freitags, sonnabends und sonntags in der Zeit von 10 bis 18 Uhr.

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