"Wir haben viele Einzelkämpfer vereint"

Fachgruppe Botanik vereint seit 40 Jahren Pflanzen-Experten der Region - Vorsitzender Jens Nixdorf blickt beim Jubiläum zurück und voraus

Pockau-Lengefeld.

Mit vielen weiteren Mitgliedern hat Jens Nixdorf am Samstag in Pockau-Lengefeld das 40-jährige Bestehen der Fachgruppe Botanik Erzgebirge gefeiert. Über die Entwicklung der Gruppe hat sich der Vorsitzende mit Andreas Bauer unterhalten. Außerdem sprach der 57-jährige Scharfensteiner, der als Revierförster arbeitet, über das Vereinsleben und den Klimawandel.

Freie Presse: Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum Ihrer Fachgruppe. Seit wann gehören Sie eigentlich dazu?

Jens Nixdorf: Seit etwa 25 Jahren. Ich war zunächst häufig mit Erhard Seifert exkursieren, der auch in Scharfenstein wohnt. Ihm ging es vor allem um Moose, mir um Flechten. Doch wir wussten, dass es auch die Fachgruppe Pockau gibt.

Und der haben Sie sich dann angeschlossen?

Für uns alle ist das ein Hobby. Es ist einfach schön, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Wie wir waren viele andere erst für sich allein unterwegs, um die Natur zu erforschen. Aber gemeinsam ist es interessanter und bringt noch mehr Erkenntnisse.

Also ist die Fachgruppe im Laufe der Zeit gewachsen?

Ja. Das hat vor allem damit zu tun, dass wir 2010, als ich die Leitung übernahm, aus der Pockauer Gruppe die Fachgruppe Botanik Erzgebirge gemacht haben. Alle Mitglieder waren für diese Umwidmung, denn neben den vielleicht 20 Personen, die aus Pockau und Umgebung kamen, gab es ja noch die Experten aus der Zschopauer Region. Und sogar Annaberger sind jetzt dabei. Wir haben viele Einzelkämpfer zu einer großen Gruppe vereint, die jetzt an die 50 Mitglieder zählt.

Und wie kam es dazu, dass Sie den Vorsitz übernahmen?

Mein Vorgänger Kurt Baldauf, der gerade 90 Jahre alt geworden ist, wollte das Zepter 2010 mit Blick auf die Zukunft weiterreichen. Und ich war damals mit 47 Jahren nun mal der Jüngste in der Gruppe.

Ist der hohe Altersdurchschnitt ein Problem?

Wirklich Sorgen machen wir uns deswegen nicht. Es ist nun mal so, dass sich viele erst in gereifterem Alter diesem Thema widmen. Interesse lässt sich nicht erzwingen. Und in unserer Region fehlen nun einmal Fachhochschulen, die sich mit naturwissenschaftlichen Themen befassen. In Leipzig haben die Botaniker zum Beispiel bessere Karten. Dort sind oft auch Studenten bei den Unternehmungen dabei.

Wie sieht denn das Vereinsleben Ihrer Gruppe aus?

Neben unserer Jahresversammlung gibt es sieben bis acht Exkursionen pro Jahr. Meistens umfassen die einen Nachmittag, mitunter auch einen ganzen Tag. Dabei befassen wir uns mit der Region, blicken aber auch über den Tellerrand hinaus. Zum Beispiel waren wir schon in Thüringen und unternehmen auch viel mit tschechischen Botanikern.

Und was wird dabei genau gemacht?

Die Ausflüge sagen uns viel über die Pflanzenwelt. Wir nehmen auf, welche Arten es gibt - auch solche, die schwer zuzuordnen sind. Oft müssen wir sie zuhause nachbestimmen. Unsere Kenntnisse nutzen wir dann für Kartierungen, die wir der AG Sächsische Botaniker für Standardwerke oder mitunter auch dem Landesamt für Umwelt und Geologie zwecks übergeordneter Sonderpublikationen zuarbeiten.

Liefern Ihnen die Untersuchungen auch Aufschlüsse zum Klimawandel, über den derzeit so viel diskutiert wird?

Die Ausbreitung wärmeliebender Pflanzen ist als Entwicklung festzuhalten. Es ist schon so, dass ozeanisch verbreitete Arten jetzt teils im kontinentalen Binnenland zu finden sind. Aber besorgniserregend ist das nicht, denn klimabedingte Verschiebungen sind normal.


Drei Jubilare geehrt

Kurt Baldauf: Der Pockauer zählte zu den Gründungsmitgliedern der Fachgruppe und leitete sie drei Jahrzehnte lang. "Botanik generell war schon immer interessant für mich", sagt Baldauf, der sich hauptsächlich mit Moosen und Flechten beschäftigte. Das tut er auch jetzt mit 90 Jahren noch: "Ich besuche interessante Gebiete, sammle und stelle fest, was es für Pflanzen dort gibt." (anr)

Siegfried Biedermann: Erst gehörte der Lauterbacher zu den Ornithologen, dann widmete er sich den Pflanzen. Als Mitglied der ersten Stunde spezialisierte er sich auf Moose. "Ich kenne über 600 Arten im Erzgebirge", sagt der 80-Jährige. Er wird fast überall fündig. Auch auf den Skipisten am Fichtelberg, wo Bodenverwundung und Pflege den Moosen nützen. (anr)

Erhard Seifert: Schon seine Arbeit fürs Staatsexamen widmete der Lehrer den Moosen. "Dann habe ich das Thema jedoch ruhen lassen, weil es für Schulkinder nicht so interessant ist", sagt der heute 80-Jährige. Kurz vor der Rente wurde seine Leidenschaft aber wieder geweckt. Ein Grund dafür war sicherlich, dass er in den 1990er-Jahren zur Fachgruppe Botanik stieß. (anr)

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...