Der Ernst des Lebens kann Spaß machen

Abi 2018: Zwei Jahre lang hat die "Freie Presse" drei Gymnasiasten aus dem Regenbogengymnasium in Augustusburg auf ihrem Weg zum Abitur begleitet. Jetzt haben sie ihr Studium begonnen - höchste Zeit also, um nachzufragen, wie es den jungen Leuten geht.

Augustusburg.

Sie waren die ersten ihrer Art: Im Juni dieses Jahres haben erstmals junge Menschen ihr Abitur in Augustusburg geschrieben. Der Jahrgang, der das Regenbogengymnasium in diesem Sommer verlassen hat, war der allererste Abschlussjahrgang der Schule in freier Trägerschaft. 2010 war die erste Klasse überhaupt mit 15 Schülern gestartet, fast alle sind dabei geblieben und haben die Abiturprüfungen erfolgreich gemeistert. Auch Lisa-Christin Sprunk aus Grünhainichen, Robin Poneß aus Erdmannsdorf und Nathanael Hendel aus Niederwiesa gehören dazu. Die "Freie Presse" hat die drei jungen Leute auf ihrem Weg zum Abi begleitet.

Mittlerweile sind Prüfungsstress und Sommerurlaub Geschichte, für Lisa-Christin, Robin und Nathanael hat der Ernst des Lebens begonnen - in Form ihres Studiums. Am weitesten weg von der Heimat ist dabei die Dame im Bunde. Lisa-Christin Sprunk hat an der Hochschule im baden-württembergischen Schwetzingen eine Ausbildung zur Gerichtsvollzieherin begonnen - und gehört nach dem Premieren-Abi in Augustusburg schon wieder zu den ersten überhaupt, die einen solchen Abschluss anstreben. Den Bachelor-Studiengang gibt es nämlich erst seit zwei Jahren, abgeschlossen hat ihn bisher also noch keiner. "In drei Jahren werde ich fertig sein, dann gehöre ich zu den ersten Gerichtsvollzieherinnen überhaupt, die mit diesem Studiengang ausgebildet wurden", sagt die 18-Jährige.

Für das Studium an der Fachhochschule in Schwetzingen musste sich Lisa-Christin bewerben, denn viele Studenten werden dort pro Semester nicht zugelassen. "Wir sind vom ersten Tag an verbeamtet", erzählt sie. "Das bedeutet, dass wir vom Land Baden-Württemberg auch Gehalt beziehen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass während des Studiums eine strenge Anwesenheitspflicht besteht." Inhaltlich sei die Ausbildung zur Gerichtsvollzieherin noch interessanter, als sie es sich vorgestellt hatte, sagt die Grünhainichenerin. "Man muss zwar wirklich viel lernen - vor allem die Paragrafen. Aber es macht riesig Spaß, und ich habe die Entscheidung für dieses Studium zu keiner Zeit bereut", sagt sie.

Zwar habe sie sich in Baden-Württemberg schon gut eingelebt, die Wochenenden ohne Familie und Freunde seien aber doch zu langweilig, sagt Lisa-Christin. Also nimmt sie die knapp 500 Kilometer lange Fahrt regelmäßig in Kauf, um die Wochenenden in der Heimat verbringen zu können. "Und das Weihnachtsfest wird natürlich zu Hause gefeiert", sagt sie.

Das gilt auch für Robin Poneß. Wobei er die Frage, wie er vom neuen Wohnort in die alte Heimat kommt, mit einem Augenzwinkern beantwortet. "Mal sehen, ob ich eine Zugverbindung finde", sagt er - wohl wissend, dass man von Freiberg nach Erdmannsdorf recht pro-blemlos reisen kann. Der 19-Jährige hat im Oktober an der TU Bergakademie Freiberg ein Studium der Betriebswirtschaftslehre (BWL) begonnen. "Ich weiß natürlich, dass BWL den Ruf hat, dass es alle studieren, die nicht wissen, was sie später mal machen wollen", sagt er. "Ich habe mir das Studium aber ausgesucht, weil ich mich tatsächlich für Unternehmensführung interessiere." Robins Plan: Zunächst soll der Bachelor-Abschluss her, parallel dazu will er schon in der Praxis Erfahrungen sammeln. "In den kommenden Jahren soll dann konkreter werden, wohin die Reise geht", sagt er.

Auch der dritte Schüler, den die "Freie Presse" auf seinem Weg zum Abitur am Augustusburger Gymnasium begleitet hat, verbringt das Weihnachtsfest in der Heimat - wo auch sonst, denn Nathanael Hendel wohnt weiterhin bei seinen Eltern in Niederwiesa. "Ich studiere an der Berufsakademie in Glauchau Technische Informatik", sagt der 19-Jährige. "Es ist eine duale Ausbildung, mein Ausbildungsbetrieb hat seinen Stammsitz in Hohenstein-Ernstthal - die Zugverbindungen dorthin und nach Glauchau passen. Also kann ich mir den Luxus erlauben, weiterhin bei den Eltern zu wohnen."

Die Ausbildung selbst sei bisher recht anstrengend gewesen. "Die Praxis im Betrieb beginnt erst im kommenden Jahr, bisher hatten wir nur Theorie. Ich freue mich schon, wenn es endlich richtig losgeht", sagt Nathanael.

Serie Die bisher in dieser Reihe erschienenen Beiträge finden Sie im Internet. www.freiepresse.de/abi2018

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