Der steinige Weg zum Feuerwehrdepot

Zum geplanten Neubau in Lichtenwalde haben Anwohner, Denkmal- und Naturschutz Bedenken. Auf die Kippe bringt das Projekt aber das Geld.

Lichtenwalde.

Es bleibt dabei: Bis zum 31. Dezember 2020 muss die Lichtenwalder Feuerwehr aus ihrem Quartier ausgezogen sein. Das hat eine Beratung der Gemeinde Niederwiesa mit dem Vermieter der Räumlichkeiten, dem Sächsischen Landeskontrollverband, ergeben. Bürgermeisterin Ilona Meier (parteilos) hat darüber die Mitglieder des Hauptausschusses und die zur Sitzung zahlreich erschienenen Männer und Frauen der freiwilligen Feuerwehr informiert.

Bis ein Neubau steht, in dem Fahrzeuge, Ausrüstung, Lager und Schulungsraum untergebracht werden können, ist noch vieles zu klären. Nach der Auswertung der Einwände gegen den Entwurf des Bebauungsplans spricht Meier von massiven Auflagen. "Wir sehen, dass uns Steine in den Weg gelegt werden, mit denen wir nicht gerechnet haben", sagte sie.


Das mit der Planung beauftragte Büro für Städtebau Chemnitz hat Schall-, Artenschutz- und Baugrundgutachten eingeholt und wertet aktuell die Einwände aus. Stadtplanerin Christina Heinrich hat die Stellungnahmen im Ausschuss vorgestellt. Zum Beispiel habe das Landesamt für Denkmalschutz Bedenken, dass die Sicht vom Schlosspark beeinträchtigt werden könne. Doch zwischen den Flächen liegen Gehölzstreifen, das Gebäude soll von dort kaum zu sehen sein und sich mit einem begrünten Dach später in die Landschaft einfügen. Das Planungsbüro will deshalb mit dem Landesamt einen Vor-Ort-Termin vereinbaren. Die untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises habe indes keine Einwände gehabt.

Die untere Naturschutzbehörde des Landkreises, aber auch Naturschutzvereine und -verbände sowie Anwohner fürchten die Zerstörung eines wichtigen Lebensraumes. "Jede verfügbare intakte Grünfläche sollte aus unserer Sicht erhalten und nicht gedankenlos zerstört werden", heißt es etwa in einem Schreiben der Familie Pawlik an die Gemeinde, das der "Freien Presse" vorliegt. Das für den Neubau vorgesehene Grundstück hinter den Wohnhäusern war zuletzt als Weide und gelegentlich zum Parken genutzt worden. Ein letzter grüner Fleck abseits des Lärms von der August-Bebel-Straße - das bedeutet die Wiese den direkten Anliegern. Die Feuerwehrleute regten an, als Ausgleichsmaßnahme eine Streuobstwiese anzulegen.

Die Naturschutzbehörde fordert Stadtplanerin Heinrich zufolge, dass für die Versiegelung der Fläche Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden müssen und der Birnenbaum auf der Wiese erhalten werden soll. Er könne mit seinen Hohlräumen wertvoller Lebensraum für Fledermäuse sein. Fünf Fledermausarten stehen in Sachsen unter besonderem Schutz. Laut Landesumweltamt sei die Zerstörung von QuartierenHauptursache für die Gefährdung der Arten. Deshalb hat die Behörde ein Fledermausgutachten angefordert. Das Planungsbüro habe demzufolge eine neue Variante erarbeitet, die beide Probleme löst, den Baum erhält und weniger Fläche versiegelt, indem das Gebäude etwas in Richtung Weg verrückt wird, erklärte Heinrich im Ausschuss. Für 14 Stellplätze und zum Wenden der Fahrzeuge sei trotzdem Platz. "Daraus entsteht kein Nachteil", betonte sie. Ohnehin ist als Ausgleichsmaßnahme eine Streuobstwiese geplant. Nur einzelne Bäume an der Zufahrt, die auch weiterhin als Wanderweg genutzt werden könne, müssten gefällt werden.

Zur Schallprognose habe es vom Landratsamt keine Einwände gegeben. Die Angst vor Lärm könne leicht entkräftet werden, so Wehrleiter Matthias Miesel: Das Depot sei 20 Meter von den Häusern weg, ein Wall und Hecken zwischendrin sollen als Lärmschutz dienen. "Wir wollen es für die Nachbarn so angenehm wie möglich gestalten", wird Miesel nicht müde zu betonen. Nur beim Ausrücken könne es laut werden: Das Martinshorn werde nur eingeschaltet, wenn es die Straßenverkehrsordnung fordere.

Dem Neubau im Weg steht die unklare Finanzierung: Hatte die Gemeinde auf eine 90-prozentige Förderung laut der Richtlinie Feuerwehrförderung des Freistaats gehofft, wurden ihr jedoch nur 540.000 Euro genehmigt. Bei veranschlagten Baukosten von 1,3 Millionen Euro bedeutet dies, dass Niederwiesa 760.000 statt 130.000Euro beisteuern müsste - für ein Projekt, dass die Gemeinde nicht aus freien Stücken geplant hat, sondern aufgrund der Kündigung schultern muss, wie die Bürgermeisterin betont.

Feuerwehr und Gemeinde haben bei den Behörden für zusätzliche Fördermittel getrommelt. Erst am Montag habe sie wieder im Innenministerium nachgefragt, eine Entscheidung gebe es aber noch nicht, so Meier. "Wir arbeiten trotzdem weiter", sagte sie. Wie es um den Zeitplan steht, ist nun auch vom Eintreffen des Fledermausgutachtens abhängig.

Die Kameraden der Feuerwehr verfolgen derweil gespannt, wie es weitergeht. Einen Plan B haben sie nicht. "Der Gemeinderat hat wiederholt im Brandschutzbedarfsplan festgelegt, dass Niederwiesa aufgrund seiner Infrastruktur zwei Feuerwehrstandorte braucht: Niederwiesa und Lichtenwalde", erklärt Wehrleiter Miesel. Man unterstütze sich bei Einsätzen gegenseitig.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...