Ein Mann, eine Frau - zwei Kümmerer

Die "Freie Presse" sucht den Mittelsachsen des Jahres 2020. Heute: Volkmar Herklotz, der sich seit Jahrzehnten in Sayda ehrenamtlich engagiert und Hortleiterin Annette Wüchner aus Hainichen, die einen besonderen Einkaufsmarkt durch die Pandemie gesteuert hat.

Volkmar Herklotz aus Sayda hat sich in seinen 71 Lebensjahren in mehr Vereinen organisiert als vermutlich manch einer Schuhe besitzt. Mit zwölf Jahren hat er sich dem Volleyballsport verschrieben. Zunächst als Spieler, später als Trainer. In Sayda und Seiffen war er als Übungsleiter und Abteilungsvorsitzender im Einsatz. 30 Jahre lang leitete er die Abteilung Volleyball des SSV 1863 Sayda e. V. und trainierte zahlreiche Volleyball-Teams. Aktuell ist er Trainer der Damenmannschaft, bietet ein schulisches Angebot im Volleyball an und spielt auch selbst regelmäßig Volleyball.

Als Vorsitzender des Stadtvereins Sayda ist der 71-Jährige an der Organisation und Durchführung der Feste in Sayda beteiligt: Bergfest, Erntefest und Weihnachtsmarkt. 2003 nahm Herklotz seine Arbeit als Vereinsvorsitzender auf. Mitglied ist er jedoch schon seit der Vereinsgründung vor knapp 20 Jahren. Der Stadtverein, der 34 Mitglieder zählt, richtet nicht nur im Auftrag der Stadt Feste aus, sondern organisiert auch die Städtepartnerschaften.

Da sich der Mittelsachse auch für die Historie seiner Heimat interessiert, engagiert er sich mit zwei Mitstreitern für das Heimatmuseum Sayda. Das Engagement des 71-Jährigen für so zahlreiche Vereine ist nicht nur seiner Leidenschaft geschuldet, auch seine berufliche Tätigkeit sei ausschlaggebend gewesen: "Es war für mich eine Verpflichtung als Hauptamtsleiter der Stadtverwaltung dabei zu sein." Mehrere Jahre war er zudem als Friedensrichter und Vorstandsmitglied der Jagdgenossenschaft Sayda tätig.

Wie verlief das Jahr 2020 für jemanden, der sich intensiv der Vereinsarbeit verschrieben hat? "Anstrengend, sowohl persönlich als auch für den Verein", sagt Volkmar Herklotz. Ende Oktober erkrankten er und seine Frau an Corona. Beide litten unter den Symptomen, sind mittlerweile aber wieder wohlauf. Das Erntedankfest und das Bergfest konnten trotz der Pandemie stattfinden, den Weihnachtsmarkt mussten die Stadt und der Verein absagen. Trotz der coronabedingten Rückschläge freut sich Volkmar Herklotz darüber, dass der Verein in diesem anstrengenden Jahr zusammengeblieben ist, keiner abgesprungen ist und unter erschwerten Bedingungen die Feste organisiert werden konnten. Im neuen Jahr freut er sich auf das 50. Jubiläum des Bergfestes. "Ich hoffe auf ein gutes Ausklingen dieser Pandemie.."

Annette Wüchner aus Hainichen: Zeit für Hobbys? Keine. Überstunden? Nicht mehr zu zählen. Freie Wochenenden? Eher die Ausnahme. Zufrieden im Beruf? Jeden Tag aufs Neue. Annette Wüchner leitet seit 2013 in Hainichen den Schulhort "AlberTina", der in Trägerschaft des DRK ist. Bereits den Bau hat sie mit koordiniert, noch größer sieht sie jedoch die Aufgabe, die im Vorjahr zu bewältigen war. Sie hat den Hort durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen geführt. "Für alle Erzieher und Leiter war das eine enorme Anstrengung, und das ist es immer noch", sagt die 52-Jährige, die in Hainichen wohnt. Sie hat selbst zwei Kinder und zwei Enkel. "Die größte Herausforderung ist es für uns, den Kindern das Leben so normal wie möglich zu machen", erklärt Wüchner, die als gelernte Erzieherin berufsbegleitend studiert hat. In ihrem integrativem Hort mit sprachlichem Profil geht es um 266 Mädchen und Jungen. In der Notbetreuung sind jetzt nur etwa 10 Prozent der Kinder da. Weniger Arbeit bedeutet das aber nicht.

Für die Chefin waren alle neuen Verordnungen immer mit schlaflosen Nächten verbunden, oft mit viel Arbeit am Wochenende: "Wenn es erst Freitag eine neue Anordnung vom Land gibt, die dann ab Montag gilt, ist das für uns ganz schwer umzusetzen." Ihr Chef Jörg Hirschel, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Döbeln-Hainichen, weiß ihren Einsatz zu schätzen: "Annette Wüchner hat 2020 nahezu ihre gesamte Freizeit geopfert." Hirschel lobt ihr Engagement beim Aufbau des CAP-Markt in Waldheim. Dies ist ein Einkaufsmarkt, in dem ausschließlich Menschen mit Behinderung arbeiten. Der Aufbau war Wüchners Masterarbeit für ihr Wirtschaftsstudium. Mittlerweile ist sie Geschäftsführerin.

"In schwierigen Phasen hat sie einen klaren Kopf behalten" sagt Hirschel. "Sie ist wesentlich daran beteiligt, dass wir die Arbeitsplätze und den Markt in Waldheim erhalten konnten." Der Cap-Markt muss sich selbst tragen, das gelang bisher. Dabei konnten viele Ideen wie das begleitete Einkaufen gar nicht umgesetzt werden. Dafür wurde ein Lieferdienst installiert. "Das Projekt liegt mit sehr am Herzen", so Annette Wüchner.

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