Engelwurz trotzt Kälte

Der "Kurfürstin-Anna-Garten" und der Anna-Weg sind am Wochenende eröffnet worden. Mehrere hundert Besucher schauten sich die liebevoll gestalteten Neuheiten an.

Augustusburg.

Den Kräutern im neuen "Kurfürstin-Anna-Garten" in Augustusburg konnten die kalten Temperaturen in den vergangenen Tagen nichts anhaben, die Pflanzen trotzten Schnee und Regen. Nach der offiziellen Eröffnung des neu angelegten Kräutergartens fanden sich am Wochenende trotz des kalten und nassen Wetters mehrere hundert Besucher ein. Unterhalb des Schlosses, im früheren Schulgarten, wurde im Auftrag der Stadt in den vergangenen Monaten eine Anlage mit Kräutergarten zu Ehren der ehemaligen Kurfürstin Anna von Sachsen (1532 bis 1585) anlegt. Die einstige Landesmutter hatte sich der Kräuterkunde verschrieben. In Erinnerung an ihren Gatten, Kurfürst August von Sachsen, der sich viel mit der Kultivierung und Veredlung von Obst beschäftigte, wurden unterschiedliche Obstbäumchen entlang des neuen Anna-Weges gepflanzt. Dieser führt von der historischen Altstadt bis zum Schloss.

Aufgeteilt sind die Beete thematisch in Heil- und Küchenkräuter. Die Kurfürstin Anna höchstpersönlich, alias Schauspielerin Birgit Lehmann, lüftete am Samstag so manches Geheimnis um die Kräuterkunde aus vergangenen Tagen. So erklärte sie den Besuchern, dass sich Männer zu damaliger Zeit gern das Kraut "Liebstöckel" in den Hosenlatz steckten, "um die Leidenschaft zu fördern". "Die Kurfürstin hat schon von Kindesbeinen an viel zum Thema Kräuterheilkunde von ihrer dänischen Königsmutter übernommen", sagte Birgit Lehmann. "Damals kannten die Menschen keine Säureblocker. Man trank Kräutertees, um Magen und Darm ins Gleichgewicht zu bekommen", erzählte sie. Durch Schriftwechsel zwischen der Kurfürstin Anna und dem Schlossbaumeister Hieronymus Lotter sei dokumentiert, dass es auf Schloss Augustusburg einen Kräutergarten gegeben haben muss. "Der Kurfürst hat seiner Anna damals sogar ein Buch zum Thema Kräuter- und Blumenkunde fertigen lassen", sagte Birgit Lehmann. Ebenfalls hätten Anna und August gern ihren selbstgebrannten Aquavit aus Kräutern als Geschenk überreicht.


Esther Schramm war am Samstag als Besucherin im "Kurfürstin-Anna-Garten" unterwegs. "Der Garten ist wunderschön geworden", sagte die Augustusburgerin. Sie könne sich gut vorstellen, im Sommer öfter mal einen Spaziergang durch die neue Anlage zu machen, die eine Bereicherung für die Stadt sei "Ich habe selbst seit Jahrzehnten einen Garten mit vielen Kräutern", erzählte sie nach einer Führung entlang der Beete. Mit diesen würde sie viel kochen und auch eigene Kräuterteemischungen herstellen.

Eberhard Meyerhoff, der Gärtner der neuen Anlage, sowie Kräuterfrau Elisabeth Püschmann teilten sich in die Kräuterführungen. "Den heimischen Kräutern machen die kalten Temperaturen nichts aus", sagte Eberhard Meyerhoff, der künftig täglich etwa eine Stunde Arbeit im Anna-Garten verrichten wird, um alles in Schuss zu halten.

Mit ihrem Kräuterkörbchen schlenderte Elisabeth Püschmann zusammen mit den Besuchern durch die Anlage und erklärte, welche der 70 verschiedenen angepflanzten Kräuter gegen welches Wehwehchen helfen kann. Dazu gehören Schafgarbe als klassische Wundheilerin, Frauenmantel als wichtigste Frauenheilpflanze, Engelwurz als Seelenpflanze bei psychischen Leiden, Gänsefingerkraut als krampflösendes Mittel, der Gute Heinrich bei Eisenmangel oder auch der Echte Alant als einzige Lungenheilpflanze in der Kräuterkunde. Auf Anfrage in der Touristinformation wird Elisabeth Püschmann in Zukunft Kräuterführungen im "Kurfürstin-Anna-Garten" anbieten.

 

 

 

Bürgerfrühstück macht vielen Appetit 

In Augustusburg trafen sich 120 Einwohner, um gemeinsam zu essen - kostenlos. Und es gibt weitere Pläne. 

120 Gäste wurden beim Bürgerfrühstück in Augustusburg gezählt. Zum zweiten Mal nach 2017 fand dieses kostenlose Frühstück für die Einwohner Augustusburgs und den Ortsteilen statt. Weil Petrus den Organisatoren diesmal einen Streich spielte, entschlossen diese sich kurzfristig, das öffentliche Frühstück von draußen in das Stadthaus zu verlegen. Im Bürgersaal konnten sich die Besucher in warmer und gemütlicher Atmosphäre von einem reichlich gedeckten Buffet bedienen.

Mehrere freiwillige Helfer hatten sich gefunden, um von 9 bis 12 Uhr immer wieder für Nachschub in den Brötchenkörben zu sorgen, die Wurst- und Käseplatten aufzufüllen oder Kaffee zu kochen. "Teilweise haben wir Lebensmittel gekauft, vieles haben wir aber auch gesponsert bekommen", sagte Sabine May von der Touristinformation Augustusburg. Einige der Gäste steuerten Honig, Marmeladen, Kaffee, Kuchen oder Obst bei, andere honorierten das gemeinsame Essen mit einer kleinen Geldspende. Mitarbeiter der Kita Spatzennest kümmerten sich um die jüngsten Besucher.

Robin Poneß und Melissa Stöckel vom Regenbogen-Gymnasium Augustusburg hatten sich die Roben vom Kürfürstenpaar August und Anna übergeworfen und begrüßten die Gäste mit kurzen Episoden im Stadthaus und vor dem Anna-Garten. Draußen auf dem Naturmarkt boten Händler ihre Waren feil, und auf dem Marktplatz wurde der Maibaum aufgestellt.

"Das Bürgerfrühstück ist eine tolle Aktion. Es hat alles sehr gut geschmeckt", sagten Jacqueline Schäfer und Mathias Klotz. Die beiden waren mit Kaffee und Honig im Gepäck aus Kunnersdorf den Schellenberg hochgewandert und hatten sich zu Bekannten an den Tisch gesetzt. Auch Armin und Christine Gerlach waren zu Fuß aus Hennersdorf gekommen. "Wenn im Ort was los ist, sollte man auch hingehen", so Christine Gerlach. Ebenfalls begeistert war Christiane Hartwig. "Das Frühstück heute und vor zwei Jahren ist sehr gut bei den Bürgern angekommen. Deshalb haben wir von der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde geplant, am 22. Juni ab 19.30 Uhr ein gemütliches Beisammensein im neuen Kurfürstin-Anna-Garten zu veranstalten, um weiter die Gemeinschaft im Ort herzustellen", so Christiane Hartwig.

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