Fürs Positivdenken wird sie auch belächelt

Rita Mittmann erhält Sächsischen Verdienstorden - Ihr Verein betreut rund 350 Kinder und ist für 47 Frauen und drei Männer Arbeitgeber

Berthelsdorf/Weißenborn.

Rita Mittmann aus Berthelsdorf hat den Verdienstorden des Freistaates Sachsen erhalten. Die 55-Jährige ist Geschäftsführerin des Vereins Kinderland, den sie 1993 gegründet hat. Heute leitet sie drei Kindereinrichtungen. Wie sie zu der Ehrung steht und ihr 50-köpfiges Team motiviert, darüber sprach Cornelia Schönberg mit ihr.

Freie Presse: Einen Orden bekommt man nicht alle Tage. Was machen Sie damit?


Rita Mittmann: Der kommt zu Hause an einen besonderen Ort.

Was bedeutet er Ihnen?

Damit gerechnet habe ich nicht. Ich fühle mich zu meiner Arbeit voll berufen. Dafür braucht es keine Auszeichnung. Aber es ist eine große Wertschätzung, das freut mich.

Zur Verleihung sind Sie nach Dresden gefahren.

Ja, ins Residenzschloss. Das war ein erhebendes Gefühl, wenn man dasitzt, aufgerufen wird und der Ministerpräsident fünf Minuten lang über einen spricht. Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so berührt.

Vor 26 Jahren haben Sie den Verein gegründet. Da waren Sie 29. Was war das für eine Zeit?

Ich bin gelernte Erzieherin aus DDR-Zeiten, wurde mit der Wende entlassen. Nach meiner Umschulung zum fremdsprachlichen Wirtschaftsassistenten habe ich aber gemerkt, dass Erzieher der Beruf ist, der für mich am meisten zählt. Und im Berthelsdorfer Kindergarten wusste keiner, wie es weitergeht.

Dann gründeten sie den Verein?

Ich habe den Mut gefasst, den Erzieherberuf und die Verwaltungsaufgaben zu koppeln, ja, und mich in den alten Bundesländern informiert, bin zu Behörden gegangen. Danach bin ich an den damaligen Gemeinderat herangetreten und fragte, ob der Verein den Kindergarten übernehmen kann. So begann das Experiment. Ich denke, wir gehören im Landkreis mit zu den ersten, die als freier Träger einen Kindergarten führen.

Wie veränderte sich die Arbeit?

Es ist alles viel komplexer geworden. Das Kita-Gesetz wurde erneuert. Wir haben viel mehr Kinder als früher. Angefangen haben wir mit 30 Kindern, heute sind es rund 350 in drei Einrichtungen.

Haben sich Kinder und Eltern verändert?

Wir haben offene Eltern. Schon immer. Die Kinder, die schon im Kinderland waren, sind heute die Eltern, die ihre Kinder bringen. Das ist unser Vorteil gegenüber der Stadt.

Was heißt moderne Erziehung für Sie?

Klare Regeln und Normen, die den Kindern zeigen, wo sie ihre Leitlinie haben. Wo sie sich nach links und rechts austoben können und trotzdem ihren Weg nach vorn finden. Auch mal Nein zu sagen, gehört dazu. Lernen, bei Grenzüberschreitung Konsequenzen zu ertragen.

Das galt auch früher schon.

A und O ist, dass Kinder gern kommen. Jeden Tag begrüßen wir sie mit Freude, sodass sie sich den ganzen Tag bei uns wohlfühlen und Eltern mit Ruhe, Zufriedenheit und ohne schlechtes Gewissen ihrer Arbeit nachgehen können. Ein Kind liebevoll zu betreuen, daraus lernt es viel.

Eines Ihrer Anliegen ist es, Erzieher, Eltern und Kinder zu befähigen, in der Gesellschaft integrativ zu wirken. Was heißt das?

Ich bin Positivdenker und Macher. Mein Motto: die Kollegen mitreißen und dafür zu begeistern, sich zu integrieren, dabei zu sein, Dinge auch mal außerhalb der Arbeitszeit zu tun. Bei uns ist alles freiwillig, und wir haben immer Leute, die sich bereit erklären, mitzuhelfen. Beim Sommerfasching laufen wir zum Beispiel mit zwei Bildern beim Umzug mit. Da haben auch die Eltern bei den Vorbereitungen geholfen.

In Freiberg wird derzeit eine Kita nach der anderen gebaut. Wie halten Sie Ihre Mitarbeiter?

Es ist wichtig, gern auf Arbeit zu gehen und nicht nur auf das Ende des Tages zu freuen. Wir pflegen Miteinander auf Augenhöhe - gegenüber Kindern, Erziehern, Eltern, Großeltern. Wir wertschätzen einander und können miteinander lachen.

Woher nehmen Sie Ihren Schwung, Ihre Energie?

Die Energie ziehe ich daraus, weil es mir einfach Freude macht. Ich liebe meinen Beruf und Berthelsdorf. Für mein Positivdenken werde ich zwar auch belächelt, aber ich denke, dadurch bin ich so weit gekommen.

Diese Woche wird der Bund-Länder-Vertrag zur Umsetzung des "Gute-KiTa-Gesetzes" unterzeichnet. Auf Sachsen entfallen rund 269 Millionen Euro. Was wünschen Sie sich?

Für den Kindergarten wäre es schön, auf dem Arbeitsmarkt noch mehr fähige Menschen zu haben, die Lust haben, den Beruf auszuüben. Ansonsten bin ich wunschlos.

Wer bekäme von Ihnen Orden?

Mein Team, denn der Verein funktioniert nur so gut, weil das Team toll ist. Einen kleinen Orden erhielte mein Mann, weil er mit mir soviel aushalten muss. cor


Vielseitig engagiert

Seit 1994 gehört der Kindergarten Berthelsdorf zum Verein Kinderland. 1997 ist die Kita und 2005 auch der Hort in Weißenborn dazugekommen. Kürzlich hat der Verein, den Rita

Mittmann leitet, sein 25-jähriges

Bestehen gefeiert. Ehrenamtlich

sitzt Mittmann für die CDU im

Gemeinderat Weißenborn. Bei

der jüngsten Kommunalwahl im Mai

bekam sie 322 Stimmen (8,2 Prozent/vorläufiges Wahlergebnis). (cor)

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