Im Wald: Schild zerstört - Müll entsorgt

Die Auszubildenden des Forstbezirks Chemnitz hatten Unrat aus dem Wald geräumt und einen Warnhinweis aufgestellt. Unbekannte rissen ihn mit schwerem Gerät heraus und hinterließen einen Abfallberg.

Augustusburg.

Eine Brotschneidemaschine, Spraydosen, Plastiksäcke, viel Grünschnitt - die Auszubildenden des Forstbezirks Chemnitz haben bei Aufräumarbeiten im Revier Kleinolbersdorf einiges gefunden, was nicht in den Wald gehört. Zwei Tage trugen sie fünf Kubikmeter Unrat zusammen und verluden ihn zum Abtransport. Anschließend stellten sie ein Schild auf, das Bürger vor illegaler Entsorgung warnt. Wenige Tage später kehrten sie zurück - das Schild am Boden. Daneben: zwei Kubikmeter neuer Müll.

Das Warnschild wurde nicht nur umgeworfen. "Da wurde so etwas wie eine Baggerschaufel eingesetzt", sagt Daniel Freund (18), einer der Auszubildenden. Tatsächlich weisen Abdrücke und Ausrisse am Pfahl des Schildes auf schweres Gerät hin. Jemand muss demnach von oben mit einer Zange oder Baggerschaufel den Pfahl gegriffen und ihn dann aus dem Boden gerissen haben. Dass zudem erneut Müll neben dem Schild abgelegt wurde, wertet Ausbilder Jörg Zeun (52) als Signal. "Da will uns jemand sagen, dass er das Recht hat, seinen Müll abzuladen." Azubi Tristan Reinhold (18) schüttelt den Kopf: "Da fühlt man sich verarscht."

Tatsächlich ist Müll im Wald kein Einzelfall. Dass Plastik oder giftiger Bauschutt nicht in den Forst gehören, sollte klar sein, findet Ausbilder Zeun. Doch auch Grünschnitt aus dem Garten, der oft im Wald entsorgt wird, berge Gefahren. "Grünabfälle bringen Pflanzen in den Forst, die dort nicht hingehören", so Zeun. Indisches Springkraut verbreite sich schnell und verdränge heimische Arten. "So wird das ökologische Gleichgewicht des Waldes gestört." Laut dem Sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium sind manche der eingeschleppten Pflanzen sogar giftig: So führt der Saft des Riesenbärenklaus in Verbindung mit Sonneneinstrahlung zu starken Verbrennungen auf der Haut. Was also tun gegen die Verschmutzung des Waldes?

Stephan Klauß (20), ebenfalls Forstwirt in Ausbildung, erzählt von einem Projekt, das er und seine Kollegen derzeit umsetzen. "Wir wollen weiterhin Aufklärung im Wald betreiben", so Klauß. Am Lehrpfad Augustusburg/Erdmannsdorf werden sie daher weitere Schilder aufstellen, die ökologische Zusammenhänge thematisieren. "Dabei geht es auch um invasive Arten." Die jungen Männer hoffen, dass ihre Arbeit nicht erneut dem Vandalismus zum Opfer fällt, wie sie sagen.

Wie viel kostet es, Müll legal zu entsorgen? Gerold Münster (46) ist Geschäftsführer von Becker-Umweltdienste, dem Betreiber des Wertstoffhofes in Flöha. "Einen Kubikmeter Grünschnitt nehmen wir für 9,40 Euro an, Bauschutt für 30 Euro. Elektro-Altgeräte kann man bei uns kostenfrei abgeben, Verpackungsabfall gehört in die gelbe Tonne." Die Strafen für die illegale Entsorgung sind höher: Laut Sächsischem Bußgeldkatalog belaufen sie sich schnell auf mehrere Tausend Euro, jeweils abhängig von der Schwere des Vergehens.

Wer seinen Grünschnitt nahezu kostenfrei und legal verwerten möchte, dem empfehlen die angehenden Forstwirte, einen Komposthaufen im Garten anzulegen. Da sind die Wege zur Entsorgung kurz, und man erhält außerdem nährstoffreiche Erde.

3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    cmi
    27.10.2019

    Man fragt sich was falsch läuft mit solchen (Mit-)menschen.

  • 13
    1
    FromtheWastelands
    26.10.2019

    Das Problem betrifft nicht nur die Wälder, an vielen Autobahnauffahrten sieht es unmöglich aus, Kaffeebecher, Flaschen, Plastiktüten, alles wird einfach aus dem Fenster geworfen. Wo ist das Scheißproblem seinen Müll zuhause oder an der Tankstelle aus dem Auto zu nehmen und in den Mülleimer zu schmeißen?
    In den letzten Jahren hat sich eine Mir-egal-Mentalität entwickelt der man eigentlich nur mit drakonischen Strafen begegnen kann.

  • 12
    2
    Inke
    26.10.2019

    So eine Schweinerei! In Zeiten heutiger Technik sollten an solch beliebten Stellen Fotofallen angebracht werden, Anzeige erstattet und dann konsequent abgestraft werden. Solange man den Unrat immer nur wegräumt, wird man das Problem nicht in den Griff bekommen.



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