Premiere gelungen, Besucher begeistert

1400 Besucher haben am Wochenende die ersten zwei Konzerte der Jungen Philharmonie erlebt. Der nächste Auftritt folgt im kommenden Sommer.

Augustusburg.

Am Samstagnachmittag kurz vor 17 Uhr herrscht in der Augustusburger Stadtkirche St. Petri eine gespannte und erwartungsfrohe Stille. Dichtgedrängt haben etwa 650 Besucher im Kirchenschiff und auf der Empore Platz genommen. Vor dem Altar sitzen 47 Musikerinnen und Musiker. Sie wissen um die Bedeutung des Moments: das Gründungskonzert der Jungen Philharmonie Augustusburg.

Minutenlanger Beifall brandet auf, als Pascal und Markus Kaufmann durch den Mittelgang in die Kirche kommen. Die beiden Brüder ähneln sich sehr in Statur und Aussehen. Zu den schwarzen Anzügen und weißen Hemden haben sie eine weiße und eine schwarze Fliege gewählt. Der 26-jährige Kirchenmusiker und Gründer der Philharmonie, Pascal Kaufmann, dirigiert das junge Orchester. Sein zwei Jahre älterer Bruder Markus hat seinen Soloeinsatz als Pianist des romantischen Klavierkonzertes a-Moll von Edvard Grieg. Nach der kurzen Einführung zum Inhalt des Konzertes durch die Brüder nimmt Markus Kaufmann am Schimmel-Flügel Platz.

Mit den ersten Paukenschlägen und den unmittelbar einsetzenden a-Moll Dreiklängen des Pianos wird das Publikum in einen faszinierenden Bann gezogen. Die begeisterten Zuhörer erleben einen virtuos agierenden Markus Kaufmann im perfekten Zusammenspiel mit dem Orchester. Peter Tschaikowskys Klavierstück "Süßer Traum" verzaubert ebenso wie die Ouvertüre aus "Romeo und Julia". Mit welch einer Dynamik, Kraft und Spielfreude das Orchester in höchstem Maß harmonisch auftritt, ist ein Klangerlebnis für die Zuhörer. So wird später am Abend auch im sozialen Netzwerk Facebook der begeisterte Eintrag des Augustusburger Bürgermeisters Dirk Neubauer kommentiert.

Pascal Kaufmann dirigiert die jungen Musiker im Alter zwischen 16 und 36 Jahren professionell. "Wir haben erst seit Freitagnachmittag gemeinsam geprobt und ich bin glücklich, dass sich das intensive Arbeiten gelohnt hat", sagt er. In der Kirche sei der Platz für ein Orchester begrenzt, aber dafür sei die Akustik sehr gut, so der Kirchenmusiker nach der Aufführung, sichtlich gezeichnet von der Anstrengung des einstündigen Konzertes. Es sei für ihn eine Herausforderung gewesen, vor so einem großen Orchester zu stehen und in nur neun Stunden Probenzeit das anspruchsvolle Programm einzustudieren.

Etwa 1400 Zuschauer am Samstag und Sonntag genossen das Premierenkonzert und bedankten sich mit lang anhaltendem Applaus. Aus Zwickau waren Lothar (67) und Alruna (68) Hesse angereist und äußerten sich begeistert: "Es war ein großartiges Konzert. Es ist schön, dass junge Musiker unterstützt werden und die Chance haben, im Orchester professionell mitzuspielen." Die 56-jährige Silke Bachmann wohnt in Dresden und konnte sich dem nur anschließen. "Ich habe Griegs Klavierkonzert schon mehrfach gehört, aber noch nie in diesem fantastischen Zusammenspiel von Klavier und Orchester.

Im kommenden Jahr gibt die Junge Philharmonie Augustusburg ihre nächsten Konzerte am 6. und 7. Juni in der Stadtkirche St. Petri anlässlich der Eröffnung des zweiten Augustusburger Musiksommers.


"Ich habe sofort zugesagt"

Julia Stritzel (24) gehört zu den 47 Musikern der Jungen Philharmonie Augustusburg. Andrea Pötzscher hat mit der Musik-Studentin gesprochen.

Freie Presse: Sie wohnen in Rostock und haben damit einen der längsten Anreisewege. Was hat Sie veranlasst, in der Jungen Philharmonie Augustusburg mitzuspielen?

Julia Stritzel: Eine Kommilitonin, die auch im Orchester spielt, hat mich angesprochen und ich habe sofort zugesagt, weil es für mich eine gute Gelegenheit ist, wieder einmal nach Sachsen zu kommen. Ich stamme aus Halle und bin sehr gern in der Region. Freundschaft, Musik und Heimat verbinden einfach.

Und was verbindet Sie konkret mit der Jungen Philharmonie Augustusburg?

Ich habe bereits mehrfach in Ensembles mitgespielt, doch noch nie in solch einem großen Orchester. Das gemeinsame Musizieren mit so vielen gleichaltrigen und älteren Gleichgesinnten ist eine neue, sehr interessante und schöne Erfahrung für mich.

Wie haben Sie sich auf das Konzert hier in Augustusburg vorbereitet?

Wir haben vor etwa vier Wochen die Noten bekommen. Ich höre mir die Stücke erst einmal an und lese die Noten mit, bevor ich mit dem Üben beginne. Diese Musik mag ich auch persönlich sehr.

Wie wird es für Sie beruflich weitergehen?

Im Januar beende ich mit dem Master mein Studium an der Musikhochschule in Rostock. Dann werde ich mir eine Anstellung suchen, was nicht einfach werden wird. Es gibt wenige freie Stellen für Oboisten, die zumeist auch nur befristet sind. anpö

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