Prozess um Missbrauch endet mit Freispruch

Schwere Vorwürfe gegen 60-Jährigen nicht zweifelsfrei zu beweisen

Freiberg.

Das Jugendschutzgericht unter Vorsitz des Direktors des Freiberger Amtsgerichts, Jochen Sell, hat einen 60-Jährigen aus dem Freiberger Umland vom Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes und anderen einschlägigen Tatvorwürfen freigesprochen. Nach dem im deutschen Strafrecht verankerten Grundsatz "In dubio pro reo" ("Im Zweifel für den Angeklagten") musste Staatsanwältin Daniela Nündel auf Grund nicht ausreichender zweifelsfreier Beweise den Freispruch für den Mann beantragen. Dem Gericht blieb keine Möglichkeit, anders zu entscheiden, wenngleich es nach den Worten des Vorsitzenden davon überzeugt war, "dass etwas passiert ist".

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten zahlreiche Straftaten gegen die im Dezember 2001 geborene Tochter seiner ehemaligen Freundin vorgeworfen. Im Zeitraum zwischen Oktober 2010 und November 2014 soll er, im selben Haus wie seine Freundin, jedoch in einer anderen Wohnung lebend, die Geschädigte in sechs Fällen sexuell missbraucht haben. Zwei weitere Fälle wurden als schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes gewertet. Er habe, so die Staatsanwaltschaft weiter, dem Mädchen auch pornografische Schriften übermittelt und es veranlasst, sich selbst in pornografischer Art und Weise zu fotografieren.

Der Angeklagte nahm sein Schweigerecht in Anspruch. Die Mutter der Geschädigten sagte aus, sie habe von den Vorkommnissen nichts bemerkt. Sie sei erst durch Zettel, die sie in ihrem Briefkasten vorfand, darüber informiert worden. "... hatte Sex mit einem Mann" und ähnliche Texte hätten darauf gestanden. Sie sei damit zur Polizei gegangen. Ihr Verdacht sei auf den jetzt Angeklagten gefallen, es habe ja kein anderer sein können. Von ihrer Tochter habe sie keinen Namen erfahren.

Die jetzt 16-Jährige berichtete ausführlich von den zahlreichen Übergriffen. Es entstand zwar ein umfassendes Bild des Geschehens, aber es war ihr nicht möglich, die einzelnen Anklagepunkte konkret zu bestätigen. In einigen Punkten wichen ihre Aussagen von denen bei der Polizei ab. Am Ende der Verhandlung bleibt ein bitterer Beigeschmack. Alle Beteiligten glauben, dass da "etwas war", aber eine belastbare Beseitigung der Restzweifel war während des Prozesses nicht möglich.

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