Sachsen rüstet die Bergakademie in Freiberg weiter auf

Am Lehrbergwerk "Reichen Zeche" basteln Ingenieure der Technischen Universität an einer Revolution: Sie wollen Plastikmüll als Rohstoff in der Chemie nutzen. Nun hat der Stadtrat den Weg für das Millionenprojekt frei gemacht.

Freiberg.

Der Freistaat Sachsen geht eine neue Großinvestition für die TU Bergakademie in Freiberg an. Das hat das Sächsische Immobilien- und Bau-Management, kurz SIB, bestätigt. Demnach plant das SIB auf dem Gelände der Reichen Zeche ein neues Innovationszentrum. Gestern beschäftigte sich damit der Freiberger Stadtrat und brachte den Bebauungsplan auf den Weg.

Basis ist das Vorhaben, in Freiberg einen Reaktor zu entwickeln, der grob gesagt Plastikmüll mithilfe von Kohle in einen Rohstoff verwandelt. Es wäre eine Revolution. An der Technologie wird in Freiberg schon lange geforscht. Der in Plastik gebundene Kohlenstoff soll nicht wie bislang verbrannt werden und so als Kohlendioxid in der Atmosphäre landen. Der Reaktor lässt vielmehr ein Synthesegas entstehen, das als Ausgangsprodukt zur Herstellung etwa von Methanol, Ethanol, Aceton oder Verbindungen für biotechnologische Anwendungen dient.

Hinter dem Projekt steht federführend der Freiberger Professor Bernd Meyer. Der ehemalige Uni-Rektor leitet das Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen an der Reichen Zeche. Er träumt von einer "weitgehend CO2-neutralen Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft". "Das Institut ist deutschlandweit auf dem Gebiet der Vergasungstechnik führend", sagt der zuständige Projektleiter Olaf Schulz.

Dabei sind die Freiberger nicht allein. Zum Verbund zählt das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen in Halle (Saale), kurz IMWS, in dem Meyer das Geschäftsfeld Chemische Stoffumwandlung leitet. Dazu zählt auch der Chemiepark Leuna, wo die Pilotanlage installiert werden soll, wenn sie in Freiberg ihre Tauglichkeit unter Beweis gestellt hat.

Beteiligt sind außerdem der Braunkohleförderer Mibrag, das Kohlechemieunternehmen Romonta und RWE Power. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sieht die Möglichkeit, in der Region vorhandene Braunkohle klimafreundlich zu nutzen. Das Bundesland sagte 15Millionen Euro zu, in gleicher Höhe sollen Bundesmittel fließen. Die Nachfrage nach der Technologie sei schon jetzt hoch, sagt IMWS-Leiter Ralf B. Wehrspohn. "Und zwar weltweit."

Was das für den Standort Reiche Zeche konkret bedeutet, ist bisher schwer absehbar. Die Planungsphase in Freiberg laufe von 2019 bis 2021, hatte es in ersten Mitteilungen im Frühjahr gelautet. SIB-Mitarbeiter Tobias Lorenz will aber noch keine Aussagen zu Bauzeit und Kosten treffen. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch nicht viel zum Vorhaben gesagt werden", erklärt er. Vorerst sei es notwendig, gemeinsam mit der Stadt den Bebauungsplan zu erstellen. Lorenz: "Konkrete Bauplanungen schließen sich daran an." Auch muss das Vorhaben noch in den Haushalt des Freistaats eingeordnet und vom sächsischen Landtag bestätigt werden.

In den im Internet veröffentlichten Unterlagen des Freiberger Stadtentwicklungsamts für die Stadträte ist von einem "Innovationszentrum Reiche Zeche" die Rede. Planungsziele seien Baurecht für die Einordnung von Forschungsgebäuden und Versuchsanlagen zur Weiterentwicklung des Forschungsstandortes Reiche Zeche, die Ausweisung von Flächen für Erschließungsanlagen und den ruhenden Verkehr - also Parkplätze - sowie die Berücksichtigung von Denkmal- und Naturschutz.

Mit der Investition würde der Freistaat die Hochschule in jedem Fall weiter stärken. Aktuell sind drei Millionenprojekte in Arbeit: Der Bau des neuen Hörsaalzentrums in der Prüferstraße in der Freiberger Innenstadt sowie der Bau der neuen TU-Bibliothek und nebenan des Zentrums für effiziente Hochtemperatur-Stoffwandlung auf dem Campus.

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