"Schön ist, wenn man anderen davon etwas weitergeben kann"

20 Jahre Turmgalerie: Maler Günter Wittwer aus Börnichen über den glücklichen Umstand, wenn sich Kunst und Beruf verbinden lassen.

Augustusburg.

Seit 20 Jahren gibt es die Galerie im Lindenturm von Schloss Augustusburg. Die "Freie Presse" stellt in loser Folge die Vereinsmitglieder vor. Heute: Günter Wittwer aus Börnichen.

Meine künstlerische Begeisterung habe ich entdeckt, als ...

... ich nach dem Besuch eines Ferienangebotes in der Volkskunstschule Oederan den Zeichenzirkel bei Manfred Heßmann besuchen durfte. Anfangs war ich einen, später dann meist zwei Nachmittage in der Woche dort. Aber die Grundlagen wurden im Elternhaus gelegt: Dort sah ich, wie Körbe geflochten werden, wie Proportion und Form die Erscheinung bestimmen können.

Kunst ist nicht brotlos, weil ...

... sie mehr gibt, als das Brot vom Bäcker. Ein glücklicher Umstand ist, wenn sich Kunst und Beruf verbinden lassen. Schön ist es, wenn man davon anderen auch etwas weitergeben kann. So hat sich der Bereich der kulturellen Bildung für mich aufgetan: Ich bin an mehreren Tagen in der Woche auch in Schulen im Rahmen von Ganztagsangeboten tätig.

Ich male am liebsten, wenn ...

... mich etwas umtreibt, ich etwas ausprobieren möchte, dann etwas innere Ruhe eingekehrt und Zeit zum Machen da ist. Etwas Termindruck kann manchmal auch zielführend sein.

Über Kunst lässt sich nicht streiten, aber ...

... diskutieren. Für den Betrachter ist keine uniforme Aussage vorgeschrieben, sondern sie lässt individuelle Reflexionen auch unter ganz anderem Blickwinkel zu, als vom Künstler gedacht. Das ist das Spannende - jeder kann seine Berührungspunkte finden. Trotzdem gibt es gestalterische Regeln und Gesetzmäßigkeiten, über die wir nicht streiten brauchen, weil sie auf der menschlichen Wahrnehmungsphysiologie beruhen.

In der Schule war ich im Zeichenunterricht ...

... anfangs etwas unbeholfen. Später punktete ich mit den Erfahrungen aus dem Zeichenzirkel an der Volkskunstschule. 45 Minuten Zeichenunterricht in der Woche sind ein viel zu enges Korsett, um eine kreative Entwicklung wirklich zu fördern.

Wenn ich nicht Künstler geworden wäre, ...

... wäre ich entweder im Maschinenbau geblieben und vielleicht Konstrukteur geworden. Oder ich hätte die elterliche Korbmacherei übernommen. anpö


Zur Person

Günter Wittwer (62) wohnt im Oederaner Ortsteil Börnichen. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. An der Hochschule für Bildende Künste Dresden, Außenstellen Karl-Marx-Stadt und Oederan, absolvierte er ein Abendstudium in Malerei und Grafik. Das anschließende Fernstudium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle schloss er mit einem Diplom für Produktgestaltung ab.

Seit 1991 arbeitet der freischaffende Designer unter anderem als Kursleiter an der Volkskunstschule Oederan. Von Beginn an ist er Mitglied im Verein "Turmgalerie im Schloss Augustusburg". Alle Beiträge, die bisher in der Reihe "20 Jahre Turmgalerie" erschienen, sind unter dem Link www.freie-presse.de/turmgalerie zu finden. (anpö)

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