Sonderschau erzählt Bahngeschichte

Am 1. März 1869, also vor 150 Jahren, wurde die Eisenbahnstrecke Freiberg-Flöha eingeweiht. Ein willkommener Anlass für eine Sonderausstellung im Stadtmuseum Oederan.

Oederan.

Die Bahn kommt. Nun auch ins Stadtmuseum in Oederan. Dort wird am 30. März eine neue Sonderschau eröffnet. Im Mittelpunkt steht die 150-jährige Geschichte der Eisenbahnstrecke zwischen Freiberg und Flöha. "Wir sind aktuell mit den Vorbereitungen der Ausstellung beschäftigt", sagt Museumschefin Ramona Metzler. 25 Partner hat sie dafür in den Waggon, Pardon: ins Boot geholt. "Dazu gehören neben Ortschronisten, Künstlern und Vereinen auch private Sammler", sagt Metzler. Einen, den sie in diesen turbulenten Tagen immer wieder trifft, ist Hans Weiske. Der Falkenauer ist nicht nur Eisenbahnexperte, sondern auch verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit beim Interessenverein "Hetzdorfer Viadukt". Dieser kümmert sich um die Erhaltung der alten Eisenbahnbrücke über das Flöhatal.

"Vor 150 Jahren, am 1. März 1869, wurde das noch offene Teilstück der Eisenbahnverbindung zwischen Dresden und Chemnitz seiner Bestimmung übergeben", erzählt Hans Weiske. "Es handelte sich dabei um den Abschnitt zwischen Freiberg und Flöha mit dem damals noch einzigen Zwischenbahnhof in Oederan und den Viadukten in Hetzdorf und Wegefarth."


Material für die Ausstellung hat Ramona Metzler schon reichlich. Es reicht von der Postkarte über Gleispläne von Bahnhöfen bis hin zu unzähligen Fotos. Zu den Hinguckern der Schau dürften ein originales Fahrkartenhäuschen und ein Morsegerät gehören, beide aus einer Zeit, als Tickets noch nicht per Handy gekauft und Neuigkeiten noch nicht gewhatsappt wurden. Zudem wird ein in Breitenau aufbewahrtes, etwa vier Meter langes Modell des Hetzdorfer Viadukts zu sehen sein. "Das Modell besteht aus Originalsteinen vom Viadukt", erzählt Hans Weiske. Gebaut wurde es für Festumzüge in der Stadt Oederan, in deren Besitz sich der Nachbau auch befindet.

Zu den thematischen Schwerpunkten der Ausstellung gehören die Unglücke auf der Eisenbahnstrecke. "Ein besonders schweres ereignete sich 1895", erzählt die Museumschefin. Am 19. September 1895 brachte ein aus Dresden kommender Zug Soldaten des 133. Infanterie-Regiments von einem Manöver zurück. Ihr Ziel war Zwickau. Kurz vor Oederan fuhr er auf einen Güterzug auf, der langsam in den Bahnhof einfuhr. Bei dem Unglück kamen elf Menschen ums Leben.

Hundert Jahre später verloren bei einem Unglück in Breitenau drei Menschen ihr Leben: "Ein Nahverkehrszug aus Chemnitz war am Bahnübergang auf einen Bagger geprallt, der auf den Gleisen stand", sagt Ramona Metzler. Der Zug wurde auf das Nebengleis geschleudert. Dort passierte ein Schnellzug aus Dresden die Unfallstelle. Der Bagger schlitzte drei Waggons dieses Zuges auf. Beide Unfälle sind gut dokumentiert. "Wir haben auch persönliche Berichte von Betroffenen der Ereignisse von 1995", so die Museumschefin. Ein weiteres Bahn-Unglück hat sich wohl während des Zweiten Weltkrieges ereignet. Nur ein Foto davon ist erhalten. "Wir kennen keine weiteren Details", bedauert die Museumschefin.

Die Eröffnung der Ausstellung ist für den 30. März geplant. In den Kalender eintragen sollte man sich auch den 14. April: An diesem Tag spricht Hans Weiske über die Bahnstrecke und ihre Bauwerke. Ihm geht es dabei auch um die Verdienste des langjährigen Oederaner Bürgermeisters Franz Messerschmidt. "Er war Landtagsabgeordneter und hat im sächsischen Landtag den Bau der Bahnstrecke durchgesetzt", sagt Weiske. Ursprünglich sollte die Strecke über Frankenberg und nicht durch Oederan verlaufen. Messerschmidt war von 1858 bis 1890 Bürgermeister der Stadt. In seine Amtszeit fielen auch der Bau von Schule, Krankenhaus und Wasserleitung.

Die Sonderschau zu 150 Jahren Eisenbahn zwischen Freiberg und Flöha wird am 30. März eröffnet und endet am 9. Juni. Am 14. April ab 14 Uhr hält Hans Weiske im Stadtmuseum einen Vortrag. Für Pfingsten ist das Brückenfest am Hetzdorfer Viadukt geplant.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...