Sporthallenbau: Wieder wird heftig gestritten

Die Gemeindeverwaltung holt sich fürs Projekt nun kompetente Hilfe. Aber an Brisanz hat das Thema bei Weitem nicht verloren.

Niederwiesa.

An der aufgeheizten Stimmung hat sich absolut nichts geändert. Der Bau einer Zweifeldsporthalle bestimmte auch zur jüngsten Sitzung des Niederwiesaer Gemeinderates die Debatte - und das vor einer Vielzahl von Zuhörern. Laute Unmutsäußerungen aus dem Publikum und eine von der Fraktion der Bürgerinitiative Niederwiesa (BI) geforderte Auszeit verdeutlichten den schwelenden Unmut bei diesem Thema. Lange Zeit sah es nicht danach aus, als könnte sich das Gremium an diesem Abend darauf einigen, sich Hilfe zu holen: Spät wurde dann doch der Beschluss gefasst - einstimmig - die Auftragsberatungsstelle Sachsen mit der Vergabe von nun folgenden Planungsleistungen für das Vier-Millionen-Projekt zu beauftragen.

Die Gemeinde Niederwiesa muss ihr seit Jahren größtes Projekt europaweit ausschreiben. Allein schon die Planungskosten für den Neubau liegen bei 600.000 Euro. Das Vergabeverfahren könne von der Gemeindeverwaltung aufgrund fehlender Kapazitäten und fehlenden Fachwissens nicht eigenständig durchgeführt werde, heißt es dazu in der Begründung des Beschlusses. So wird Niederwiesa gut 5000 Euro investieren, um die Hilfe des Kompetenzzentrums in Anspruch nehmen zu können.


Klingt einfach, war es aber nicht. Schon in der Bürgerfragestunde, mit der die öffentliche Sitzung begann, erhitzten sich die Gemüter. Wolfram Köthe, Mitglied der Arbeitsgruppe "Sporthalle", stellte Fragen, die unweigerlich darauf schließen ließen, dass der Bauingenieur über geplante Tagesordnungspunkte des nicht öffentlichen Teils der Sitzung informiert war. So jedenfalls wertete es Hauptamtsleiter Thomas Scheumann, der ankündigte, dass man sich damit in der Gemeindeverwaltung noch befassen werde. Nur den Gemeinderäten werden die Tagesordnungspunkte des nicht öffentlichen Teils einer Gemeinderatssitzung zugesandt.

Zwei Sportlehrer der Oberschule schilderten äußerst eindringlich die - wie sie es nannten - frustrierenden Bedingungen, unter denen der Unterricht in der alten Turnhalle seit Jahren laufen muss. Sie bekräftigten, dass die Hallenfläche viel zu klein sei, um sie mit bis zu 50 Schülern gemeinsam zu nutzen. Deshalb habe das Schulamt auch untersagt, dass zwei Klassen gleichzeitig die Halle nutzen. Das wiederum habe zur Folge, dass man spätestens im Oktober Ausfälle im Sportunterricht hinnehmen muss - und das bei einem bekanntermaßen sachsenweit bereits verkürzten Sport-Lehrplan. "Wir schaffen aber unter diesen Bedingungen so nicht einmal die Hälfte des Lehrplans", so die Pädagogen.

Wegen der Zustände in der alten Halle meldete sich auch Steffen Funke zu Wort. Er schilderte seine Eindrücke von der Schulanfangsfeier seines Enkels in der Halle. "Die Verantwortlichen haben sich große Mühe gegeben, aber von der Decke hängen beispielsweise bis zu zwei Meter lange Spinnweben. Das finde ich erschreckend", lautete seine Kritik.

Nach dem jüngsten Beschluss kann die Gemeindeverwaltung nun auf die Suche nach einem Planer für den Sporthallenneubau gehen. Das hatte Hauptamtsleiter Thomas Scheumann noch einmal angekündigt. Zuvor hatte unter anderem auch Gemeinderätin Gunhild Nitzsche (Bürgergemeinschaft Lichtenwalde-Braunsdorf) das Wort ergriffen, um für die Arbeit der Arbeitsgruppe "Sporthalle" eine Lanze zu brechen: "Es hat den Eindruck, als wären wir die großen Verhinderer des Projektes." Aber das sei nicht so. Vielmehr seien durch das Engagement der Ehrenamtlichen gravierende Mängel bei der bisherigen Bauplanung aufgedeckt worden. "Wir wollen keine Probleme suchen, wir wollen Probleme lösen."

Weil Gemeinderäte nicht mit der Formulierung der Beschlussvorlage einverstanden waren, hatte Raik Schubert (BI) die Auszeit beantragt. Nach einer 20-minütigen Unterbrechung konnte jedoch Einigung erzielt und der Beschluss einstimmig gefasst werden.

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