Spurensuche in Augustusburg

Bei 37 Metern liegt der Schanzenrekord, gehalten von Hans Miersch Junior. Dass diese Sportgeschichte der Stadt nicht irgendwann verloren geht, dazu tragen ehemalige Springer und aktive Skisportlern bei.

Augustusburg.

Durchs dichte Gestrüpp, schnell noch mehrere Zweige zur Seite geschoben, stetig bergab an rutschigen Stellen. Vom Buschgarten kommend, erreichen Bärbel Schönherr und Klaus Lange nach einigen Minuten ihr Ziel. Dort verbrachten die beiden Augustusburger mit Freunden im Winter einen großen Teil ihrer Jugend.

Viel ist von der ehemaligen Sprungschanze in Augustusburg nicht übrig geblieben. Dass hier Weiten über 30 Meter möglich waren, bedarf viel Fantasie. "Früher ging es hier zwei Meter tief runter", sagt Klaus Lange. Er zeigt auf die steinerne Mauer des Schanzentisches. Zum Fototermin hat er seine schweren Holz-Ski aus Esche mitgebracht. "Fast 60 Jahre ist es her, dass ich mit diesen hier gesprungen bin", sagt der 80-Jährige. 27 Meter weit sei er damals gekommen.


Der Schanzentisch wird seit Anfang der 1970er-Jahre nicht mehr genutzt. Zugewachsen sind die Anlaufspur, der Aufsprunghang sowie der Auslauf. "Früher standen die Bäume nicht hier", sagt Bärbel Schönherr, die 1954 als Bärbel Klemm geboren wurde. Als Sechsjährige habe sie ihre Leidenschaft fürs Springen entdeckt, weil sie zuvor den Nachbarsjungen dabei zugesehen hatte. "Wir wohnten hinter der alten Apotheke in der Schellsieben in Augustusburg. Ich bin die Haustür raus, Ski an die Füße und los ging es", sagt die 63-Jährige. Das einzige Mädchen unter den männlichen Springern sprang um die 24 Meter weit. "Ich habe erst aufgehört, als ich 1969 zur Lehre nach Weißenfels musste. Heute fährt die Rentnerin noch regelmäßig Abfahrtski.

"Wir haben uns die Techniken bei Springern wie Helmut Recknagel abgeschaut und uns den Rest selbst beigebracht", sagt Klaus Lange, der damals für Empor Augustusburg antrat. Bekleidet waren die Springer mit Wollpullover und Keilhosen. Ohne Helm - allerdings habe man zu Wettkämpfen eine Mütze aufsetzen müssen. Zu Wettkämpfen, die regelmäßig in Augustusburg ausgetragen wurden, fanden sich immer viele Zuschauer ein. Den Schanzenrekord hält Hans Miersch Junior mit knapp 37 Metern.

Das heiße Wachs einer Kerze, verteilt mit einem heißen Bügeleisen, hielt für einen Nachmittag. Daran erinnert sich Bärbel Schönherr. Und sie weiß auch noch, dass sie ihre ersten Ski als Kind zu Weihnachten geschenkt bekam. Klaus Lange hält seine 2,40 Meter langen Ski, die er als Jugendlicher gebraucht kaufte, heute immer noch in Ehren. Dass sie bei einem Sperrmülltermin entsorgt wurden, konnte er verhindern.


Die Skisprungschanze hieß einst wie der Bürgermeister

1910 kann als Geburtsjahr des Skisports in Augustusburg angesehen werden. Am 6. Oktober 1910 wurde im Hotel "Weißer Hirsch" der Skiklub Augustusburg gegründet. 1926 zählte der Verein 102 Mitglieder.

24. Januar 1926 wurde die Schanze mit einen Wintersportfest eingeweiht. Der Anlauf war knapp 60 Meter lang, der Auslauf zirka 100 Meter. Die Schanze trug den Namen des damaligen Bürgermeisters Geipel.

1934 erfolgten größere Umbauarbeiten, mit dem Ziel, Weiten von über 30Meter zu erreichen. Dazu wurde der Anlauf verlängert und der Sprunghügel verändert. Immerhin betrug der Luftstand jetzt über fünf Meter. Bis fast zum Kriegsende fanden regelmäßig Wintersporttage statt.

Ab 1952 gab es im Rahmen des Vereinssports des Empor Augustusburg wieder Springen, denen auch Stadtmeisterschaften, Vereinsmeisterschaften und Spartakiaden folgten. Nicht selten versammelten sich über 500 Zuschauer.

1971 erfolgte die letzte Rekonstruktion unter Regie der BSG Empor. Mangels geeigneter Springer, ungenügender Pflege und immer milder werdender Winter ließ ab Mitte der 1970er das Interesse an der Schanze stark nach. Die durch den Forstbetrieb durchgeführten Aufforstungen taten ihr Übriges. (cdo)

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