"Unsere Netze und deren Betrieb sind rund um die Uhr gesichert"

Axel Schneegans, Chef der Freiberger Stadtwerke, zum Krisenmanagement des Versorgers

Freiberg.

Die Stadtwerke Freiberg versorgen 29.500 Haushalte und Unternehmen mit Strom, 6000 mit Gas und 11.000 Kunden mit Wärme. Wie das in der Corona-Krise sichergestellt wird, dazu befragte Heike Hubricht den Vorstandsvorsitzenden des regionalen Versorgers, Axel Schneegans.

Freie Presse: Herr Schneegans, wie sichern die Stadtwerke Freiberg die regionale Versorgung mit Strom, Gas und Wärme?

Axel Schneegans: Auf Krisen sind wir grundsätzlich sehr gut vorbereitet. Diese Krise ist jedoch anders, da nicht die Erzeugungsanlagen oder die Versorgungsnetze ausfallen, sondern unsere wichtigste Ressource, der Mensch, auszufallen droht. Auf solch eine Krise haben wir uns schon vor Jahren theoretisch vorbereitet - tatsächlich ist die Realität aber eine ganz andere. Doch unsere Netze und deren Betrieb und Instandhaltung sind trotzdem rund um die Uhr gesichert.

Wie soll die Versorgung ganz konkret abgesichert werden?

Wir haben rechtzeitig angefangen, unsere Pandemiepläne zu überarbeiten und zu ergänzen. Dazu gehört die systematische Beurteilung der Lage in drei Eskalationsstufen. Wir befinden uns aktuell in Stufe 2. Hier geht es vor allem um die räumliche Trennung der Mitarbeiter.

Und wie wird diese erreicht?

Durch innerbetriebliche Kontaktverbote und durch Auslagerung von strategisch wichtigen Tätigkeiten ins Homeoffice. Bis zu 15 Homeoffice-Arbeitsplätze sichern momentan die räumliche Trennung. Darüber hinaus trennen wir insbesondere im Kraftwerk die Beschäftigten in verschiedene Schichten, um auch hier den größtmöglichen Schutz vor Ansteckungen zu gewähren.

Und die Stufe drei?

In der nächsten Stufe würden wir die Tätigkeiten auf die systemrelevanten Kernprozesse reduzieren. Auch unsere Dienstleister sind auf die Verschärfung der Krisensituation bestmöglich vorbereitet, jedenfalls soweit dies heute möglich ist.

Wie klappt die Betreuung der Kinder Ihrer Mitarbeiter?

Wir haben kurzfristig für alle Beschäftigten mit betreuungspflichtigen Kindern Einzellösungen durch Homeoffice, Überstundenabbau oder sonstige im häuslichen Umfeld mögliche Arbeitsaufgaben eine Individuallösung gefunden. Dies wird natürlich immer schwieriger, je länger die Krise dauert. Wir blicken aber zuversichtlich nach vorn, dass wir unseren Auftrag weiterhin unterbrechungsfrei erledigen.

Am Mittwoch war eine Betriebsversammlung für die 52 Mitarbeiter der Stadtwerke Freiberg. Wie haben Sie der Belegschaft die Lage erklärt?

Die Lage ist schwierig, aber es geht weiter, solange wir alle gesund bleiben. In erster Linie ist es wichtig, klare Festlegungen zu treffen und zu kommunizieren. Hierfür nutzen wir über ein internetbasiertes Portal einen sicheren, internen Kommunikationsweg. Dies ist auch für die Mitarbeiter im Homeoffice ganz wichtig. Wir sind ein Team für unsere Kunden, egal wo wir gerade arbeiten. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit ist bei den Stadtwerkern schon immer sehr stark. Dies wird uns auch in dieser Situation helfen.

Das Johannisbad ist seit Sonntag auf Veranlassung des Landkreises geschlossen. Die Freiberger Bäderbetriebsgesellschaft ist ein Tochterunternehmen der Stadtwerke. Wie geht es für die Bad-Mitarbeiter weiter?

Wegen der Schließung fällt für die Bäderbetriebsgesellschaft die gesamte Wertschöpfung aus. Deshalb beraten wir gerade mit dem Betriebsrat über eine entsprechende Ausgestaltung von Kurzarbeit. Ich habe auch den 44 Bad-Mitarbeitern versichert, dass wir alles Mögliche versuchen werden, um durch die Krise zu kommen - wohl wissend, dass die Situation hier aufgrund der Schließungsverfügung noch mal eine ganz andere ist. Unabhängig davon sind die Mitarbeiter im Bad derzeit mit den umfangreichen Vorbereitungen für die Freibadsaison beschäftigt. Zudem erfolgen Instandhaltungen, die sonst in der sommerlichen Schließzeit erledigt werden.

Seit Montag ist das Kundenzentrum für den Besucherverkehr geschlossen. Wie reagieren Sie, wenn Bürger verängstigt sind?

Mit wenigen Ausnahmen reagieren die Bürger am Telefon sehr besonnen. Einige Kunden sind wegen der unsicheren Zukunft besorgt, gerade wenn es Gewerbetreibende mit wirtschaftlichen Fragen sind. Hier versuchen wir Einzellösungen zu finden, was uns bisher gut gelungen ist. Das Mail- und Telefonaufkommen ist jetzt natürlich viel höher und die Bearbeitung aufwendiger. Schließlich ist es ja gerade unsere Stärke, persönlich für die Kunden da zu sein und nicht als Callcenter zu arbeiten. Und die Mitarbeiter haben sich sehr schnell auf die neue Situation eingestellt.


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