Warum das Rathaus beim Verkauf des Reitstalls mitredet

Die Anlage an der Hausdorfer Straße kündet von Flöhas Reitsporttradition. Inzwischen wollen die Eigentümer das Areal nur noch schnell los werden.

Flöha.

Vor einem halben Jahr sind die letzten Pferde ausgezogen. Seither ist der Reitstall an der Hausdorfer Straße in Flöha verwaist. Seit Anfang Dezember steht die Reitsportanlage zum Verkauf. Rund 2,5Hektar Fläche mit Stall (20 Innenboxen) und überdachtem Außenbereich, Reithalle und Reitplätzen. 78.000 Euro sind als Verhandlungsbasis angegeben. Rund 2300-mal wurde die Anzeige im Internet-Kleinanzeigenportal Ebay bislang aufgerufen. Es gibt mehrere Interessenten.

Doch die Reitanlage kann nur verkauft werden, wenn die Stadt Flöha zustimmt. Denn der Stadt gehört das Grundstück, das per Erbbaupacht an die Eigentümer der Reitanlage zur Nutzung übertragen wurde. Die Eigentümer wollen nach eigenen Angaben schnell verkaufen, weil sie noch immer auf den Schulden in fünfstelliger Höhe sitzen, die der frühere Pächter der Reitanlage hinterlassen hat. Der Mann musste das Gelände inzwischen per gerichtlich verordneter Zwangsräumung verlassen. Vorausgegangen ist ein langer Rechtsstreit.


Der Verkauf der idyllisch gelegenen Reitanlage auf der Hausdorfer Höhe ist sozusagen das Schlusskapitel der traditionsreichen Reitsportgemeinschaft (RSG) Traktor Flöha. Unter deren Regie waren der Stall mit der Halle und den Außenanlagen 1995 gebaut worden. Doch der 1987 gegründete Verein rutschte in die roten Zahlen. Es gab mehrere vergebliche Anläufe für einen Neubeginn. Aber immer brachten die Sanierer zwar wirtschaftlichen Sachverstand mit, aber zu wenig Erfahrung mit Pferdehaltung oder Reitsport. Dazu kamen vereinsinterne Querelen, die zur Spaltung führten. Ein Teil der Vereinsmitglieder zog nach Langenstriegis um und gründete den Reitclub Flöhatal.

Der Reitverein Flöha blieb zunächst auf der Hausdorfer Höhe, zog dann aber an den Steilen Weg um. Inzwischen hat der Reitverein in Hohenfichte ein neues Domizil gefunden. Der von Nicole Sacher geführte Verein mit mehr als 80 Mitgliedern und 13 Pferden hat sich auf soziale Arbeit, Umweltpädagogik sowie Kinder- und Jugendarbeit spezialisiert. "Wir haben uns den Umzug nicht leicht gemacht, sind inzwischen damit aber sehr glücklich", sagt Sacher, die als Kind bei der RSG Traktor mit dem Reitsport begonnen hat und praktisch im Reitstall an der Hausdorfer Straße aufgewachsen ist. Sie kennt auch das größte Manko der Reitanlage: Es gibt keine Koppelfläche. Das heißt, Futter für die Pferde muss als Heu teuer eingekauft werden. Nach dem trockenen Sommer kostet eine Tonne Heu aktuell knapp 200 Euro. Vor einem Jahr waren es noch 120 Euro.

Die Reitanlage wurde nach der Traktor-Insolvenz auf dem Wege der Zwangsversteigerung wieder zum Domizil des Reitclubs Flöhatal, der aus Langenstriegis nach Flöha zurückkehrte. Der Reitclub war einer der acht Teilhaber der Eigentümergesellschaft der Reitanlage, der Flöhatal GbR. Anfangs lief der Betrieb scheinbar reibungslos. Es gab Veranstaltungen und Reitsporttraining und Pferdebesitzer, die ihre Tiere im Stall eingestellt hatten. Doch dann kam es zum Konflikt mit dem Pächter, dessen Arbeitsweise zunehmend auf Kritik stieß Die Situation spitzte sich zu und gipfelte schließlich in der Zwangsräumung.

Zum Ende der Woche wird die Flöhatal GbR, die immer noch Eigentümerin und Verkäufer der Reitanlage ist, Ellen Heinrich zufolge auf nur noch zwei Teilhaber geschrumpft sein. Die haben in den vergangenen Wochen die Reithalle und den Stall beräumt. Ein Sturmschaden am Dach wurde notdürftig repariert. Mit dem Verkauf soll nun ein Schlussstrich gezogen werden.

OB Volker Holuscha hat angekündigt, dass der Stadtrat sich bis Mai zum geplanten Verkauf positionieren soll. Die Konzepte der Kaufinteressenten sollen zuvor geprüft werden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...