Wenn sich gute Freunde treffen

Gäste aus Ungarn sind am Wochenende in Niederwiesa. Es ist klar: Städtepartnerschaften sind kein Selbstläufer - das zeigen auch andere Beispiele.

Niederwiesa.

Um eine Partnerschaft zu erhalten, muss etwas dafür getan werden. Das gilt sowohl für die engen Bindungen zwischen Menschen, aber auch für die Beziehungen zwischen Kommunen. Frank Schulz gehört zu den Personen in der Region, denen die Pflege der Gemeindeverbindung zwischen Niederwiesa und dem ungarischen Tiszadorogma am Herzen liegt. Und deshalb dürfte sein Puls seit einigen Tagen auch etwas höher schlagen: Zum Sommerfest der Feuerwehr Niederwiesa hat sich an diesem Wochenende auch eine zwanzigköpfige Delegation aus der ungarischen Partnergemeinde angekündigt. Sie traf am Donnerstagabend ein.

Niederwiesa: "Wir werden mit unserem Besuch unter anderem dem Schloss Moritzburg sowie der Landesgartenschau in Frankenberg Besuche abstatten", sagt Frank Schulz. Der 58-Jährige engagiert sich seit sechs Jahren für die kommunale Partnerschaft.


"2013 war eine Fußballmannschaft aus dem Partnerort, der sich rund 140 Kilometer östlich von Budapest befindet, bei unserem Sportwochenende zu Gast. Da habe ich mich entschlossen, mitzuhelfen, dass die Kontakte nicht abbrechen. Dafür ist natürlich persönliches Engagement gefragt", sagt Schulz, zwischen 2003 und 2014 stellvertretender Abteilungsleiter Fußball.

Im jährlichen Wechsel erfolgen Treffen entweder in Tiszadorogma oder in Niederwiesa. 2014 fuhren das erste Mal 33 Niederwiesaer nach Ungarn. An Bord des Busses, der für die Distanz rund 14 Stunden benötigte, waren damals auch Sportler des SV Grün-Weiß Niederwiesa und junge Musiker des Akkordeon-Orchesters. "In dem 400 Einwohner zählenden Ort fanden wir im Gegensatz zu unserer gewohnten Umgebung ganz andere wirtschaftliche aber auch kulturelle Verhältnisse vor. Aber von Anfang an habe ich gemerkt, welche Gastfreundschaft und Warmherzigkeit uns entgegen schlug", sagt Frank Schulz. So waren die Mittelsachsen zum Beispiel dabei, als ihnen zu Ehren ein Schwein geschlachtet und zubereitet wurde.

Die Verbindung entstand 2005, als ein Bürger aus Tiszadorogma im Rathaus von Niederwiesa auftauchte und anregte, in einen entsprechenden Austausch zu treten. Der Gemeinderat stimmte einer Partnerschaft zu. "Sicherlich werden diese Aktivitäten von der Europäischen Union finanziell gefördert, die Gemeinde hilft auch. Doch ohne privates Engagement würde sicherlich wenig passieren", sagt Schulz. So müssten zum Beispiel die Unterkünften klargemacht und ein anspruchsvolles Reiseprogramm aufgestellt werden. "Das geht nicht von allein."

Niederwiesa unterhält außerdem Beziehungen zu Bestwig. Die Kontakte wurden Anfang 1990 geknüpft. Von der Kooperation profitierte zunächst vor allem die Gemeindeverwaltung Niederwiesa, die kurz nach der Wende von der Kommune aus Nordrhein-Westfalen Aufbauhilfe erhielt.

Eppendorf: Die Gemeinde Eppendorf pflegt seit 1990 Kontakte zu Lohmar aus Nordrhein-Westfalen sowie seit 2000 zu Frouard und Pompey/Frankreich. Die Verbindung zu der Stadt aus Nordrhein-Westfalen entstand kurz nach der Wende im Zuge der kommunalen Aufbauhilfe für die ostdeutschen Verwaltungen. Für die Gestaltung der Zusammenarbeit wurde der Partnerschaftsverein Eppendorf gegründet, dessen stellvertretender Vorsitzende Michael Funke (Foto) ist: "Natürlich muss man sich immer wieder etwas einfallen lassen, dass die Partnerschaft mit Leben erfüllt wird. Sicherlich gibt es dabei Reserven zu erschließen, privater Einsatz ist unbedingt erforderlich." In diesem Jahr nehmen vier Eppendorfer Schülerinnen an einer Ferienfreizeit von Jugendlichen in Frankreich teil. Im August fahren die Eppendorfer unter anderem zur Kirmes nach Lohmar, im September findet die turnusmäßige Arbeitssitzung der Partnerkommunen in Frankreich statt.

Leubsdorf: Im November 2005 wurden die Kooperation zwischen Leubsdorf und der Microregion Peruc besiegelt - einem Verbund mehrerer Kommunen. Peruc selbst ist eine Kleinstadt östlich der Kreisstadt Louny. Die Kontakte sind durchausvielfältig, so weilten Sportler aus der Region zum Pfingsttreffen des SV Grün-Weiß Leubsdorf in Mittelsachsen, kommende Woche fahren Nachwuchsfußballer nach Tschechien. "Das läuft quasi in Eigenregie des Sportvereins", sagt der Schellenberger Ortsvorsteher Jörg Porstmann (Foto), der sich mit Helmut Heinze aus Hohenfichte um den Erhalt der Verbindung kümmert. Auch zwischen den Grundschulen bestehen Kontakte, im September fährt die 4. Klasse aus Leubsdorf zum Schüleraustausch ins Nachbarland. Auch zum Sportfest im August und dem Erntedankfest im September sind Leubsdorfer in Tschechien dabei. "Du musst aber immer aktiv bleiben, damit die Partnerschaft auch erhalten bleibt", sagt Porstmann. So ist die in den 1990ern geknüpfte Verbindung nach Leubsdorf am Rhein mangels Aktivitäten abgebrochen.

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