Trotz sinkender Förderung: Trend zu Solaranlagen hält an

In Mittelsachsen wird ein Großteil des verbrauchten Stroms aus regenerativen Quellen gewonnen. Obwohl es weniger Geld gibt, geht das Interesse an Solarenergie nur leicht zurück. Doch das schafft neue Probleme.

Freiberg.

Wind, Wasser, Sonne, Erdwärme - in Mittelsachsen wird ein Großteil des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen. Doch vor allem der Boom bei Solaranlagen stellt die Netzbetreiber mitunter vor Probleme. Der Netzbetreiber Mitnetz, der für einen Großteil des Kreises Elektrizität bereitstellt, warnt vor Überkapazitäten.

"Die erneuerbaren Energien bleiben in Mittelsachsen auf hohem Niveau", sagt Uwe Kramer, Leiter der Netzregion Südsachsen bei Mitnetz. Insgesamt gibt es im Landkreis inzwischen 4361 Anlagen, die aus Wind, Sonne, Wasser, Erdwärme, Biomasse oder Gas Strom erzeugen. Der Großteil von ihnen hängt am Netz von Mitnetz. Die Anzahl sei im vergangenen Jahr um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Am Konzern hängen im Landkreis rund 3600 Solaranlagen. Deren Anzahl steigt weiterhin stark. 2015 kamen rund 150 neue hinzu. "Es ist ein ordentlicher Zuwachs, aber nicht mehr so stark wie noch vor ein paar Jahren, als wir zwischen 300 und 400 neue Anlagen pro Jahr ans Netz genommen haben", so Kramer.

Auch bei den Stadtwerken in Döbeln und in Freiberg, die beide Städte mit Energie versorgen, erzeugen die meisten Anlagen, die am Netz hängen, Energie aus Sonne. Die Döbelner speisen Strom aus 167 Anlagen ein, die Freiberger aus 184.

Dass der Zuwachs geringer ausfällt als vor einigen Jahren, sei auch der geänderten Förderpolitik der Bundesregierung geschuldet. "Es gibt keine feste Einspeisevergütung mehr. Dadurch sind die Leute nicht mehr so motiviert, Solaranlagen zu installieren", so der Mitnetz-Leiter.

Dennoch habe sich die installierte elektrische Leistung aus erneuerbaren Energiequellen insgesamt seit 2009 im Mitnetz-Gebiet mehr als verdoppelt. Sie liege derzeit bei 7532 Megawatt. Dadurch lasse sich ableiten, dass 85 Prozent des Stroms, den die Mitnetz-Kunden beziehen, aus regenerativen Quellen stammt.

Der Boom der natürlichen Ressourcen geht aber nicht gänzlich ohne Probleme. 2015 mussten die Mitarbeiter von Mitnetz insgesamt 534Mal ins Netz eingreifen, um zu regulieren - 2014 waren nur 188 Eingriffe nötig. "Übersteigt die Einspeiseleistung den Verbrauch deutlich, kann das zu Netzüberlastungen führen." Außerdem seien alle Energiedienstleister vom Wetter abhängig. Denn die erzeugte Energie schwanke, je nachdem wie oft und wie stark die Sonne scheint oder der Wind weht. "Das stellt einen vor besondere Herausforderungen, um die Netzstabilität und damit die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleisten zu können."


74.000 Kilometer Leitungen

Mitnetz Strom, der Energiedienstleister mit dem größten Marktanteil im Landkreis, betreut ein 74.000 Kilometer langes Stromleitungsnetz in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen. Der Konzern versorgt Mittelsachsen mit Ausnahme von Freiberg und Döbeln. In Südsachsen, das auch den Erzgebirgskreis, den Landkreis Zwickau und den Vogtlandkreis umfasst, hat Mitnetz 225.591 Hausanschlüsse. Dieses Jahr hat der Konzern in Altmittweida, Elsdorf, Oederan, Berthelsdorf bei Lunzenau und Oberelsdorf Anlagen modernisiert beziehungsweise erneuert.

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