Ein Dorf mit Autobahn-Anschluss

Die Ortsteile der Stadt Frankenberg haben einiges zu bieten. "Freie Presse" stellt ihre Besonderheiten und Schwachpunkte vor. Heute: Dittersbach

Dittersbach.

Der Frankenberger Ortsteil Dittersbach habe sogar eine eigene Autobahnanbindung, berichtet Ortsvorsteher Rudolf Richter mit einem Schmunzeln. Und das stimmt sogar, denn der Frankenberger Anschluss der A 4 liegt auf Dittersbacher Flur. Doch der Ortsteil mit etwa 1300 Einwohnern hat noch mehr zu bieten.

Stolz ist Richter vor allem auf das Bürgerhaus. "2007 wurde hier alles neu gemacht, es gibt einen Schulungsraum, einen Bürgerraum, Sanitäreinrichtungen und auch eine Küche", berichtet Richter. Im Eingangsbereich hängen zahlreiche Fotos, meist von Häusern aus Dittersbach, die der Ortsvorsteher zusammengetragen hat. Und auch die alte Schulglocke fand hier ihren Platz, nachdem die Schule 1977 abgerissen worden war. Die Dittersbacher freiwillige Feuerwehr hat im Keller ihre Umkleideräume und eine Halle für ihr neues modernes Fahrzeug. Neben dem Bürgerhaus befindet sich der Festplatz. "Wir veranstalten jedes Jahr ein Dorf- und Feuerwehrfest sowie das Hexenfeuer", berichtet der Ortsvorsteher.

Der erste Halt auf der Tour durch den Ort ist am Friedhof. Von hier aus bietet sich ein eindrucksvoller Blick über fast ganz Dittersbach und auf die Krumme Höhe, mit 349 Metern die höchste Erhebung im Ort. Doch Richter verweist vor allem auf den Wanderweg, der am Friedhof vorbei Richtung Neudörfchen, Buchenwald, Frankenberg und wieder zurück führt. "Es ist ein Rundwanderweg", erklärt er.

Ein Stück weiter oben ist der nächste Stopp am neuen Spielplatz am Sportplatz. Das Areal für die Kinder ist mit zwölf mal zwölf Metern nicht wirklich groß. "Wenn der Kindergarten hier mit zwei Gruppen ankommt, wird es eng", sagt Richter. Lediglich einen Kletterturm und ein Federwippen-Tier gibt es. Doch den Spielplatz am Sachsenburger Weg will die Stadt aufgeben, da er immer wieder vom Hochwasser betroffen war, weiß Richter. "Wir wollen eventuell die Spielgeräte von diesem Spielplatz hier auf den neuen mit aufstellen, denn die sind alle noch in Ordnung", erklärt der Ortsvorsteher.

Wesentlich größer ist zum Glück der Sportplatz, den der TSV Dittersbach nutzt. Er betreibt nicht nur das Sachsenburger Freibad, sondern hat auch die Sektionen Fußball, Basketball und Tanz. "Es ist der größte Verein in Dittersbach", sagt Richter. Zudem hat das Tanz-Sport-Zentrum Mittelsachsen im Ort seinen Sitz. Direkt hinter dem Sportplatz haben die Mitglieder des Rassegeflügelzüchtervereins Frankenberg und Umgebung ihr Vereinsdomizil. "Die meisten Mitglieder sind aus Dittersbach", weiß Richter. Aber auch einen Kleingartenverein und den Kinderverein Mittelsachsen gibt es. An Vereinen hat Dittersbach also keinen Mangel.

Und auch nicht an Kindern, wie die Kita "Wasserflöhe" beweist. "Es ist eine kneipsche Einrichtung, mit Sauna. Darauf sind wir wirklich stolz", erklärt Richter. Die Kita liegt an der Straße Zum Bahnhof. Wie der Straßenname vermuten lässt, hatte der Ort mal einen Bahnhof, heute ist es nur noch ein Haltepunkt der City-Bahn. "Aber von hier aus kann man bis in die Chemnitzer Innenstadt fahren", sagt Richter. Die Züge aus Richtung Hainichen fahren über Frankenberg, Braunsdorf, Lichtenwalde und Niederwiesa. Nur das ehemalige Bahnhofsgebäude macht einen eher traurigen Eindruck. Gleich gegenüber vom Bahnhof war einst die Bahnhofswirtschaft. "Später war in dem Haus ein Konsum mit Fleischerei, seit der Wende ist es ein Wohnhaus", erklärt Richter.

Seit 1934 gehört Neudörfchen zu Dittersbach. "Aber die Neudörfchener wollen noch als Neudörfchener bezeichnet werden. Ich habe damit kein Problem", erzählt der Ortsvorsteher. Halt ist unterhalb des Friedhofes auf dem Neudörfchener Weg. Eine kleine hübsche Kapelle fällt sofort auf. "Die Anwohner haben die Uhr und die Glocke auf eigene Kosten wieder in Ordnung gebracht", weiß der Ortsvorsteher. In der Kapelle sind auch Tafeln mit den in den Kriegen Gefallenen angebracht. "Deshalb haben wir auch kein Kriegerdenkmal", so Richter.

Aufgrund seiner Nähe zur Autobahn und der guten Anbindung an die B 169 kann Dittersbach mit einem relativ großen Industriegebiet punkten. "Die erste Firma, die sich hier angesiedelt hat, war Nussbaum", berichtet Richter. Der Spezialist mit Schweizer Ursprung entwickelt, produziert und vertreibt hochwertige Dosen und Tuben. Danach folgte die Frankenberger Firma Maschinen- und Anlagenbau, die Schaltschränke und Baugruppen für die Großindustrie baut. Die System- und Elementbau Köhler GmbH als drittes Unternehmen ist im Messebau tätig. Gegenüber des Industriegebietes haben sich Auto-Teile Müller und Unicontrol Systemtechnik GmbH niedergelassen.

Eine ganz wichtige Station auf der Tour mit dem Ortsvorsteher ist der Sachsenpark, ein großes Wohngebiet in Dittersbach. "Vor der Errichtung des Sachsenparkes hatte Dittersbach lediglich 600 bis 700 Einwohner", erzählt Richter. Theoretisch könnten hier etwa 1400 Menschen leben. "Doch viele Wohnungen stehen leer", so der Ortsvorsteher. Dabei gibt es hier recht hübsche Häuschen. Einige haben sogar von den Einheimischen den Spitznamen "Kaffeemühlen" erhalten. "Die quadratischen Häuser heißen im Volksmund so, aufgrund ihrer Bauweise, die an Kaffeemühlen erinnert", erzählt Richter mit einem Schmunzeln.

Letzter Halt ist am Ortsausgang Richtung Mühlbach. Hier befindet sich der Ferienhof Bischoff. Das Domizil macht einen sehr gepflegten Eindruck und wirbt mit Pension und Reiterhof. "Der Ferienhof Bischoff richtet in Privatinitiative jedes Jahr das Weihnachten auf dem Bauernhof aus, eine Art kleiner Weihnachtsmarkt", erzählt der Ortsvorsteher. "Das machen die Inhaber wirklich sehr schön", freut er sich über das Engagement.

Dittersbach war die letzte Tour durch die Frankenberger Ortsteile mit "Freie Presse"-Redakteurin Ute George. Haben Sie noch weitere Anregungen oder Fragen an die Ortsvorsteher? Dann können Sie uns unter dem Stichwort "Ortsvorsteher" eine E-Mail schicken:

 

red.mittweida@freiepresse.de

 

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