Ein Wunder, das doch keines ist

Nach einem Sturz war eine 80-jährige Seniorin an Armen und Beinen gelähmt. Sie wurde am Freiberger Krankenhaus an der Halswirbelsäule operiert. Inzwischen läuft sie ohne Hilfe.

Freiberg.

Diesen Junitag 2018 werden eine 80-Jährige und ihr Sohn* nie vergessen. Die ältere Dame stürzte beim Versuch, in ihrer Schlafstube ein Fenster zu öffnen und konnte sich danach nicht mehr bewegen. Arme und Beine funktionierten nicht mehr.

Der Sohn, der mit im Haus wohnt, hörte den Knall, mit dem seine Mutter aufgeschlagen war, trug sie ins Auto und brachte sie in die Notaufnahme des Kreiskrankenhauses Freiberg. Hier begann eine Geschichte, die beiden Schauer über den Rücken jagte - vor Angst und Glück gleichermaßen. Das Röntgenbild verkündete nichts Gutes. "Uns wurde gesagt, dass sofort operiert werden müsse, da alles andere das Todesurteil der Mutter sei, sie bei einer falschen Bewegung sterben könne", erinnert sich der Sohn. Chirurg und Chefarzt Dr. Peik Mutze wollte operieren. Doch was tun? Eine Operation an der Halswirbelsäule ist nicht ohne. Ist die Freiberger Klinik dafür der richtige Ort? Unzählige Fragen quälten die beiden.

Der Sohn setzte alle Hebel in Bewegung, um Meinungen von Fachleuten einzuholen. Er rief verwandte Ärzte an, zeigte die Unterlagen seiner Mutter in der Dresdner Uni-Klinik und nahm Kontakt zur Leipziger Uni-Klinik auf. Beide Einrichtungen seien auf Halswirbelsäulen-Operationen spezialisiert. Von allen Seiten kam die Auskunft: Bei Operateur Dr.Mutze in Freiberg ist die Mutter in guten Händen. Er ist unter Ärzten kein Unbekannter, wie sich herausstellte.

Und so wurde die Rentnerin kurz darauf in Freiberg operiert. Inzwischen kann sie wieder gehen, ohne Hilfe essen, sich selbst anziehen ... Es scheint ein Wunder zu sein und ist doch keines. Eine akute Querschnittslähmung endete mit einer kompletten Wiederherstellung der Motorik, wie Chefarzt Mutze sagt. Er fügt an: "Es zeigte sich bei der Patientin eine hochgradige Instabilität und Einengung des Rückenmarks zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel." Durch die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie gelang laut Mutze ein komplexer Eingriff mit einer Entlastung des Rückenmarks und Stabilisierung des ersten und zweiten Halswirbels.

"Dies ist ein Eingriff, der eine hohe wirbelsäulenchirurgische Kompetenz erfordert, die im Krankenhaus Freiberg seit nun über fünf Jahren vorgehalten wird", so Mutze. Der Chefarzt besitzt nach seiner Auskunft mit dem Masterzertifikat der Deutschen Gesellschaft für Wirbelsäulenchirurgie die höchste Qualifikation, die man auf diesem Gebiet in Deutschland aktiv erwerben kann.

Die Patientin konnte laut Mutze nach drei Wochen frei laufen und nahezu selbst versorgend in eine neurologische Reha entlassen werden. "In Kreischa lernte die Mutter endgültig wieder Laufen und wurde und wird von Tag zu Tag selbstständiger", erzählt der Sohn. Dankbar ist die Familie dem behandelnden Arzt und seinem Team auch für die Fürsorge nach der Operation. "Dr. Mutze hat sich immer die Zeit genommen, mich anzurufen und über alles Notwendige zu informieren oder mit mir abzusprechen", betont der Sohn. Für den Arzt ist das selbstverständlich. "Wir begleiten die Leute auch emotional, denn die Psyche heilt mit." Die Familien bei Entscheidungen und bei der Nachbehandlung mit einzubinden, sei ganz wichtig. "Als Klinik wollen wir für die Menschen der Region auch Ansprechpartner sein und sie davon überzeugen, dass sie bei uns gut aufgehoben sind", sagt Dr. Mutze.

"Ich bin im Freiberger Krankenhaus immer gut behandelt worden und kann von A bis Z nur Positives sagen", sagt die 80-Jährige. Die Frau, die einmal als Verkaufsstellenleiterin gearbeitet hat und oft bis zu 60Bierkästen in den Laden tragen musste, genießt ihr neues Körpergefühl und nimmt kleine unvermeidliche Einschränkungen mit Humor. Den Kopf könne sie jetzt nicht mehr drehen, da müsse eben der ganze Körper herhalten. Das sei kein Vergleich zu dem, was sie vorher behinderte.

Vor dem Sturz und der Operation litt die Seniorin bereits an Beschwerden, die von der Halswirbelsäule herrührten, wie der Sohn berichtet: "Sie konnte nur eingeschränkt laufen und kaum ein Brötchen halten oder schmieren." Auch Stürze blieben nicht aus. Vor dem besonders schlimmen Unfall musste die Frau einen Pflegedienst in Anspruch nehmen. Heute braucht sie ihn nicht mehr. Die Dankbarkeit darüber kennt keine Grenzen.

*Namen sind der Redaktion bekannt

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