Frankenberger Parkdeck bleibt weiter gesperrt

Im Beton sind Risse, Wasser ist eingedrungen und es besteht die Gefahr, dass der Betonstahl ausgefressen wird: Das Bauwerk in der Stadt ist ein Sanierungsfall. Doch noch passiert nichts.

Frankenberg.

Vorerst keine Hoffnung für das nicht mehr standsichere Parkdeck an der Parkstraße in Frankenberg: In diesem Jahr werden dort keine Bauarbeiten stattfinden. Das teilte die Verwaltung bei der jüngsten Stadtratssitzung mit.

Stadtrat Jürgen Stein (AfD) hatte kurz vor Ende der Sitzung angefragt, wie es mit dem seit Juni dieses Jahres gesperrten Parkdeck weitergehe. "In diesem Jahr wird dort nichts Bauliches mehr stattfinden", beantwortete Bauamtsleiter Michael Thiel die Frage. "Und 2020 nicht sofort." Zwischenzeitlich sei das desolate Bauwerk zwar untersucht worden. "Aber nun muss ein Sanierungsvorschlag her. Wir sind darüber im Gespräch mit der Sparkasse Mittelsachsen." Laut einer früheren Auskunft von Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) wurde das Parkdeck durch die Kreissparkasse Mittweida und die Stadt Frankenberg errichtet. Bauherr war das Kreditinstitut. Die Sparkasse hatte die Planungsleistungen ausgeschrieben und ein Architekturbüro beauftragt. "Mit der Prüfung war ein weiteres Büro beauftragt, das mittlerweile nicht mehr existiert", so Firmenich. Die Stadt Frankenberg sei Besitzer der zweiten, oberen Ebene des Parkdecks sowie der Treppe und über die 25 Jahre Laufzeit für deren Unterhaltung zuständig. "Die Verträge enden planmäßig im Jahr 2022", sagte Firmenich. "Darüber hinausgehende Vereinbarungen müssen zwischen Stadt und Sparkasse neu verhandelt werden." Grund und Boden gehörten der Sparkasse.

Zu der jetzigen Sperrung war es gekommen, weil Roland Lampe vom gleichnamigen Frankenberger Ingenieurbüro bei einer Sitzung des Technischen Ausschusses der Stadt Alarm geschlagen hatte: Das Parkdeck an der Parkstraße sei nicht mehr standsicher. "Eine Betonstahlkorrosion kann zu einem plötzlichen Versagen der Tragwerkskonstruktion führen", sagte Lampe. "Die Verkehrssicherheit ist somit beeinträchtigt." Unmittelbar darauf sperrte die Stadt ihren Teil des Parkdecks. Die Sparkasse ließ sich ein paar Tage länger Zeit, sperrte dann aber auch. Ursachen des aktuellen Zustandes sind laut Gutachter zum einen konstruktive Mängel. So wurde das 1997 bis 1998 errichtete Parkdeck komplett ohne Dehnungsfugen gebaut. Wo sich diese befinden sollten, haben sich Risse gebildet. Durch diese ist zum anderen Tausalzwasser in den Beton eingedrungen. Die Folge: Der Chloridgehalt (ein Salz) im Beton ist höher als zulässig. "Es besteht die Gefahr, dass der Betonstahl ausgefressen wird", sagte Lampe.

Mieter der Flächen unterhalb des unsicheren Tragwerks hatten sich zunächst über abgeplatzten Beton und Ablagerungen beschwert und damit den Stein der Untersuchung ins Rollen gebracht. Laut Firmenich sind diese Stellplätze durch die Sparkasse vermietet.

Vor zwei Monaten betonte Indra Frey, Pressesprecherin der Sparkasse Mittelsachsen, dass das Kreditinstitut "zum Parkdeck mit der Stadt Frankenberg in enger Abstimmung zum weiteren Vorgehen" sei . Zu vertraglichen Vereinbarungen gab sie keinerlei Auskunft. Auch "Freie Presse"-Fragen zu mutmaßlichen Planungsfehlern und Baukontrollen blieben unbeantwortet. Auf neuerliche Anfrage zur Zukunft des nicht mehr nutzbaren Baus äußerte sich Nicky Becker von der Sparkasse am Montag wie folgt: "Die Mieter wurden entsprechend informiert. Derzeit sind wir in Gesprächen zur weiteren Vorgehensweise."

Ein Parkplatzproblem in der Stadt ergebe sich durch die entfallenen Flächen laut Ralf-Peter Regner nicht. Frankenbergs Beigeordneter hat festgestellt, dass die Nutzer ausgewichen seien und sich Alternativen gesucht hätten.

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