Im Winter macht die "Schlange" Pause

Die geschwungene Brücke über die Bundesstraße ist das neue Wahrzeichen Frankenbergs. Nach der Landesgartenschau bleibt sie aber bis zum Frühjahr gesperrt - nicht nur in diesem Jahr.

Frankenberg.

Die Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Bundesstraße 169, auch als "Schlange" bezeichnet, in Frankenberg kann in diesem Jahr nicht mehr genutzt werden. Dies erklärte Frankenbergs Beigeordneter Ralf-Peter Regner. "Wir haben uns in der Verwaltung geeinigt, das Bauwerk erst im Frühjahr wieder für die Bevölkerung zu öffnen, vermutlich im April", so Regner.

Grund für die aktuelle Sperrung seien aber nicht die absehbare eingeschränkte Nutzung der Brücke im Winter, sondern noch laufende Rückbauarbeiten auf dem Gelände der Landesgartenschau.

In den kommenden Jahren könne es aber aus einem anderen Grund zumindest zu zeitweisen Sperrungen der Brücke kommen, wie Regner bestätigte. Abhängig von der Witterungslage werde die Brücke im Winter nicht immer nutzbar sein. Eine erneute zeitweise Sperrung bei extremer Witterung sei nicht ausgeschlossen. Denn es werde nur einen eingeschränkten Winterdienst geben. So würde der mögliche Einsatz von Tausalz und Splitt im Winterdienst das Bauwerk beschädigen. Die Stadtverwaltung habe sich für einen neu eingeschränkten Winterdienst entschieden, so der Beigeordnete. Bei Schnee und Eis werde also weder geräumt, noch gestreut. "Das Salz würde die Stahlkonstruktion angreifen", begründete Regner. "Splitt ist bei dem empfindlichen Belag auch keine gute Lösung." Ein Multicar als Räumfahrzeug würde aus seiner Sicht aber die Brücke befahren können. Sinnvoll sei dies jedoch nicht.

Fast 4,5 Millionen Euro hat das Bauwerk gekostet, deutlich mehr, als zunächst eingeplant. Teurer war es unter anderem wegen Mehraufwand bei den Beschichtungsarbeiten, neuen Positionen für Hilfsstützen und dem um vier Monate verschobenen Fertigstellungstermin geworden. Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) hatte argumentiert, dass die Möglichkeit der gefahrlosen Querung der viel befahrenen Bundesstraße sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad, dem Rollator oder dem Kinderwagen die Innenstadt aufwerte und die Lebensqualität erhöhe. Zudem werde der Bau der Brücke zu 90 Prozent vom Freistaat gefördert und belaste daher den städtischen Haushalt nur begrenzt. Laut Stadtrat Jörg Hommel (Die Linke) gab es im Vorfeld jedoch auch einen Plan für eine vorübergehende Brücken-Alternative. Sie hätte nur 300.000 Euro gekostet.

Die Probleme mit dem Winterdienst waren schon vor dem Bau absehbar. Denn laut Regner sei schon bei der Vergabe der Aufträge klar gewesen, dass Salz als Streugut auf der Brücke nicht eingesetzt werden könnte. Doch angesichts der deutlich höheren Kosten für eine Brücke, die winterdiensttauglich gewesen wäre, habe sich die Stadt für die ursprüngliche Variante von Konstruktion und Brückenbelag entschieden. Zudem erwarte man, dass nur an wenigen Wintertagen die Brücke nicht begehbar sein werde. Mittlerweile hätten sich einige Vorschriften geändert, sodass allein ein Schild mit der Warnung "Kein Winterdienst" die Stadt nicht aus der Haftung entlasse. "Deshalb müssen wir die Brücke im Winter eigentlich komplett sperren", so Regner. "Der Bauhof soll künftig aber entscheiden, wann dies notwendig ist." In diesem Winter bleibe es wegen der Rückbauarbeiten auf dem Gartenschau-Areal bei der Abriegelung der Brücke. Künftig werde ein Schild "Kein Winterdienst. Betreten auf eigene Gefahr" aufgestellt. Die Stadtverwaltung geht laut Regner aber davon aus, dass die Verbindung des Zschopautalradweges mit der Innenstadt in der Jahreszeit nur sehr wenig genutzt wird. Bei dem weiteren Abbau der Landesgartenschau liege man gut im Plan, die Brücke am Auenweg konnte vorfristig wieder geöffnet werden. Ab 18. November stehe der Spielplatz im Hammertal dann wieder zu Verfügung. (mit dahl/jl)


Kommentar: Kein Witz

Von Falk Bernhardt

Eine 4,5 Millionen Euro teure Brücke, die man im Winter nicht betreten darf? Klingt wie ein schlechter Scherz. Ist aber keiner. Frankenberg hat ein Problem, denn bislang hat den Bürgern noch niemand gesagt, dass die Brücke über die Bundesstraße nicht wintertauglich ist. Sicher gibt es nachvollziehbare Gründe, wie die neu geregelten Haftungsfragen und, dass Schilder wie "Betreten auf eigene Gefahr" und "Kein Winterdienst" nicht mehr ausreichen. Fakt ist aber, dass die teure Brücke kein Salz verträgt. Was die jährliche Unterhaltung und die Brückengutachten des Tüv kosten, wurde dabei noch gar nicht beachtet. Vielleicht steht demnächst das TV-Satiremagazin "Extra 3" in Frankenberg auf der Matte. Die haben die Rubrik "Der reale Irrsinn" und könnten das Problem mit der Schlangenbrücke aufgreifen. Schlechte Schlagzeilen hat Frankenberg dann sicher, eventuell auch ein Besuch vom Bund der Steuerzahler. Die Landesgartenschau war für die Stadt und die Region ein großer Gewinn, der vielleicht aber etwas zu teuer erkauft worden ist. Und was ist eigentlich mit Schnee, Eis und Schmelzwasser, dass von der Brücke herunterläuft? Muss man die Straße darunter dann absperren?

17Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    1
    Zeitungss
    25.10.2019

    Es ist schon bemerkenswert, was für 4,5 Mio. Euro für ein allwettertaugliches Bauwerk auf die Beine gestellt wird. In 2-3 Jahren kommt der erste Spendenaufruf um den Bauwerk einen neuen Farbanstrich zu verpassen. Wer seine privaten Bauarbeiten genau so plant und durchführt ist pleite, es ist nichts bekannt, dass in solchen Fällen der Steuerzahler weiter hilft.

  • 1
    0
    TinyDancer
    25.10.2019

    Ich finde der Titel wurde jetzt schommal gut angepasst. @falkbernhardt - vielen Dank!

  • 3
    2
    ths1
    25.10.2019

    @TinyDancer: Einfach mal genau lesen: Artikel, Kommentar und Foto stammen von einem Autor.

  • 9
    9
    TinyDancer
    25.10.2019

    Ich finde der Artikel ist auf Meinungsmache getrimmt und damit als Clickbait einzustufen. Der Titel und das Abstract fügen die Schließung und den fehlenden Winterdienst unzulässig zusammen. Im Text wird später eindeutig gesagt, dass die Brücke geschlossen werden muss, weil sich "einige Vorschriften geändert" haben und "allein ein Schild mit der Warnung - Kein Winterdienst - die Stadt nicht aus der Haftung entlasse." Als zweiten nachvollziehbaren Schließungsgrund für diesen (!) Winter nennt der Text die Rückbauarbeiten. Der Titel sollte m.E. also eher lauten: "LAGA Rückbauarbeiten und geänderte Vorschriften führen zur Schließung der Schlange in diesem Winter". Am Ende des Textes wird mit dem Ausblick auf das "Betreten auf eigene Gefahr" Schild nochmal klar, dass es eine absehbare, versöhnliche Lösung geben wird, die aber leider nicht näher analysiert wird. Statt sich auf Mehrkosten (sowas gibt's eigentlich gar nicht weil es vor dem Bau ja einige Annahmen geben muss) zu fokusieren wäre für mich ein Ausblick auf die künftige Verfügbarkeit viel sinnvoller gewesen. Die baulichen Entscheidungen, die ja offenbar zu einer Kostenersparnis geführt haben, könnten in Verbindung mit den zu erwartenden wenigen Schließtagen ja durchaus positiv gewertet werden, oder? Vor dem Hintergrund ist es aus meiner Sicht auch absolut unnötig im Kommentar (kommt der vom Autor des Artikels?), die Rubrik "Der reale Irrsinn" ins Feld zu führen. Ich denke so erzeugt man nur ein Meinungsbild, das in dem Fall total unnötig ist.

  • 17
    4
    cn3boj00
    25.10.2019

    Das ist der reale Irrsinn. Die Politiker müssen sich nicht wundern, wenn die Bürger an deren Verstand zweifeln.
    @Hinterfragt, wie wärs zum Beispiel mit einem Belag, der Streuen verträgt? War das für 4,5 Millionen nicht zu haben?

  • 11
    0
    ths1
    25.10.2019

    @Pelz: Die restlichen zehn Prozent stammen auch vom Steuerzahler.

  • 11
    0
    Tauchsieder
    25.10.2019

    Übrigens "Pelz", die restlichen 10 % wachsen auch nicht auf einem Baum. Dies kommt letztlich aus den Steuereinnahmen der Kommunen.
    Der Ball landet immer wieder beim kleinsten Rädchen im Getriebe.

  • 5
    1
    Hinterfragt
    25.10.2019

    @Lexisdark; hab ich nie behauptet.
    Allerdings warfen Sie mir das ja an anderer Stelle hier in den Foren vor ...

  • 5
    4
    Lexisdark
    25.10.2019

    @Hinterfragt zum Glück passiert Ihnen sowas nie, gelle?

  • 23
    0
    GerdPetra
    25.10.2019

    Kaum zu glauben. Kein Winterdienst. Was wird mit der Schneelast, wenn es mal einen halben Meter Schnee gibt? Muss sie dann gestützt werden? Aber vieleicht können die 2,5 geschaffenen Planstellen für Gärtnerische Arbeiten doch noch die Brücke beräumen und somit eine sichere Überquerung der Bundesstraße auch im Winterhalbjahr gewährleisten.

  • 20
    0
    Deluxe
    25.10.2019

    Früher hätten da einfach 4 Leute die Schippe genommen und mit Sand abgestreut...

  • 7
    7
    Hinterfragt
    25.10.2019

    "...Sand, Split oder etwas ähnliches drauf und fertig...."
    Nun @Lexisdark; wie war das doch gleich mit dem Lesen?

    Steht doch im Text:
    "..."Splitt ist bei dem empfindlichen Belag auch keine gute Lösung." ..."

  • 9
    7
    Lexisdark
    25.10.2019

    Warum gibt's eigentlich nur Salz streuen? Darf ich bei mir auf den Gehwegen auch nicht. Also, räumen, Sand, Split oder etwas ähnliches drauf und fertig. Was sind das denn für Anfänger?

  • 22
    2
    Pelz
    25.10.2019

    " zu 90 Prozent vom Freistaat gefördert... "
    muss richtig heißen:
    "zu 90 Prozent vom Steuerzahler gefördert"

  • 19
    5
    Hinterfragt
    25.10.2019

    Wie man es mittlerweile gewöhnt ist:

    Zu lange, erheblich teurer und im Ergebnis einfach MIST!

  • 7
    1
    Moderator
    25.10.2019

    @Ronnsen27: Unser Fehler, es geht natürlich um Frankenberg. Danke für den Hinweis!

  • 6
    3
    Ronnsen27
    25.10.2019

    Was hat das jetzt mit Mittweida zu tun?



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