Kriebsteinsee wird 2020 nicht abgelassen

Die für nächstes Jahr geplante Sanierung der Staumauer an der Talsperre wird verschoben. Für Besucher und Tourismusbranche eine gute Nachricht, denn der Wasserpegel wird nun doch nicht abgesenkt. Aber eine Baustelle soll es geben.

Kriebstein.

Für das bereits abgesagte Motorbootrennen im kommenden Jahr auf der Talsperre Kriebstein kommt die Nachricht zu spät: Die für 2020 geplante Sanierung der Staumauer ist verschoben. Damit ist es nicht nötig, das Wasser aus dem Kriebsteinsee abzulassen. Das erklärte Mittweidas Oberbürgermeister Ralf Schreiber in seiner Funktion als Vorsitzender des Zweckverbandes der Talsperre Kriebstein an.

Für die touristische Saison 2020 an der Talsperre gebe es damit keine Einschränkungen, so Schreiber. Anwohner und Akteure, wie Betreiber von Gastronomie- und Herbergsbetrieben sowie Bootsverleiher und Wassersportler, hatte Schreiber jetzt davon informiert. Nachdem die "Freie Presse" im September über das geplante Bauvorhaben berichtet hatte, habe es dazu viele Nachfragen gegeben, sagte Zweckverbands-Geschäftsführer Thomas Caro. "Die Unsicherheit war groß." Nun hätten alle Beteiligten aber eine klare Aussage zur Saison 2020.

Für den Wasserkraftwerksinhaber, die Karl-Beteiligungs GmbH Innernzell, ist der Verzug der Bauarbeiten keine gute Nachricht. Denn die bayerische Firma hatte das Sanierungsprojekt an der Staumauer einschließlich Erweiterung einer Hochwasserentlastungsanlage für 2020 geplant. Dafür rechnete man laut Firmensprecher Herbert Wastl mit einer siebenstelligen Investitionssumme. Voraussetzung für den Bau wäre eine trocken gelegte Talsperre. Doch nachdem die Firma jetzt den Bau bei der Landesdirektion Sachsen beantragt hatte, informierte die Behörde den Mittweidaer OB darüber, dass hierfür ein Planfeststellungsverfahren erforderlich sei, welches mindestens ein Jahr dauern werde. Das bestätigte auf Nachfrage der "Freien Presse" der Sprecher der Landesdirektion, Holm Felber. Es müsse von einer Verfahrensdauer von einem Jahr ausgegangen werden. Dieser Zeitraum könne sich noch verlängern, falls Planunterlagen überarbeitet werden müssen. In der Folge geht der Zeitplan von Investor Karl nicht mehr auf. "Wir müssen das akzeptieren und verschieben das Vorhaben um ein Jahr", so Sprecher Wastl. Damit werde der Staupegel voraussichtlich erst Mitte August 2021 abgesenkt.

Gebaut werden soll an der Talsperre im Jahr 2020 aber dennoch: Der Zweckverband will im Hafen die Ufermauer sanieren und einen neuen Fähranleger bauen. Das ist laut Schreiber aber auch bei normalem Wasserpegel möglich. Ende Dezember, wenn das Ergebnis der Ausschreibung der entsprechenden Aufträge dafür vorliege, werde klar sein, wann genau gebaut wird und ob es Einschränkungen für die Schifffahrt gibt. Bis Ende 2021 solle das rund 3,2 Millionen Euro teure Projekt abgeschlossen sein.


Touristischen Akteure und Sportverein auf Bau an der Talsperre vorbereitet

Steffen Mäding, der Betreiber des Kriebellandes mit Baumhaushotel, befürchtet bei einem Absenken des Pegels keine Einbußen: "Die Gäste kommen auch so zu uns, weil das Baumhaus und das Ambiente das Besondere sind. Sicher ist das Wasser ein Alleinstellungsmerkmal, aber da lasse ich mir sicher etwas einfallen. Das Paddeln vor der Haustür fällt zwar weg, aber ich habe bereits Kontakte zum Zwenkauer See geknüpft. Meine Gäste können dort Wassersport betreiben. Wer für August und September 2020 bei mir gebucht hat, war informiert, dass dann das Wasser weg sein könnte."

Peter Groß betreibt in Lauenhain den Bootsservice mit Verleih: "Das Absenken ist natürlich nicht schön, aber die Arbeiten an der Staumauer sind nun mal zu machen. Für mich bedeutet das dann 2021 eine kurze Saison. Es wäre schön, wenn es sich auf eine Winterbaustelle begrenzt."

Holger Nitzschke von der Jugendherberge Falkenhain hatte Übernachtungsinteressenten für 2020 noch nicht über das geplante Absenken informiert: "Nun wird nächstes Jahr eine normale Saison, das ist schon gut für uns. Buchungen liegen bereits vor. Die Sommerferien wären vom Bau ja schon betroffen gewesen, das hätte für uns Einbußen bedeutet."

Thomas Kreschel, Vorsitzender der Sportgemeinschaft Lauenhain, blickt in Bezug auf die Abteilung Kanurennsport optimistisch auf 2020: "Wenn Wasser in der Talsperre ist, wird auch unsere Herbstregatta stattfinden. Zudem können wir doch alle geplanten Trainingslager durchführen. Das ist natürlich positiv, verschiebt jedoch nur alles um ein Jahr." (fa)


Kommentar: Der Stöpselbleibt drin

Ohne Zweifel ist das eine gute Nachricht vor allem für die Betriebe an der Talsperre, die vom Besucherstrom ins Naherholungsgebiet leben: In der nächsten Saison sitzen deren Gäste nicht auf dem Trockenen, wie noch bis vor kurzem zu erwarten war. Und noch ist es nicht zu spät, damit für das beliebte Ausflugsziel zu trommeln. Es ist aber offensichtlich auch ein Lernprozess für beteiligte Behörden gewesen, in der Sache so schnell als möglich die betroffenen Anlieger, Vereine und Firmen zu informieren. Für den Kriebsteinsee bleibt der Stöpsel nun also 2020 drin, für den Informationsfluss gegenüber der Öffentlichkeit ist er im übertragenen Sinn aber schon jetzt gezogen worden.

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