So praktisch ist der neue Feuerwehranzug

Für 130.000 Euro hat die Gemeinde Lichtenau Bekleidung für die Rettungskräfte gekauft. Bei der Anfertigung waren spezielle Maße notwendig.

Lichtenau.

Der Anzug ist maßgeschneidert, wiegt etwa 2,5 Kilogramm. Das Grundmaterial ist Nomex, eine schwer entflammbare Faser. So sieht die neue Feuerwehrbekleidung der 130 Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Lichtenau aus. Die Gemeinde hat sich die Anschaffung einiges kosten lassen: insgesamt 130.000 Euro. Rund 1000 Euro muss man für einen Anzug bezahlen, sagt Gemeindewehrleiter Roberto Röber. Aber der Kauf sei durch Fördergeld unterstützt worden.

"Die Jungs sind begeistert", sagt der 53-Jährige. Der Anzug sei nicht nur praktisch, sondern auch schick und funktional. "Ich kann mich sehr gut darin bewegen", ergänzt der Zugführer der Freiwilligen Feuerwehr Oberlichtenau, Thomas Runge. Der 47-Jährige ist seit 1988 bei der Truppe. Zuvor lernte er das Einmaleins des Löschangriffs in der Arbeitsgemeinschaft Junge Brandschutzhelfer. Zwei seiner drei Kinder mischen inzwischen bei der Jugendfeuerwehr mit. "Der Anzug ist vom Feinsten", fügt er hinzu. In diesem Jahr war die Lichtenauer Feuerwehr bisher bei 70 Einsätzen aktiv, zuletzt beim schweren Unfall mit einer eingeklemmten Person auf der S 200. "Jede Minute zählt", sagte Gemeindewehrleiter Röber. Aber es komme auch darauf an, dass ein Anzug funktional und leicht zu tragen sei. Bei Dunkelheit seien die grauen Reflexstreifen von Weitem zu sehen.

"Durch die Reflexstreifen und gelbe Leuchtfarben auf Jacke und Hose brauchen wir im Einsatz keine Warnweste", erklärt Röber. Optisch frisch seien auch die roten Applikationen. "Im Vergleich zu anderen Stoffen lässt sich das Material sehr gut reinigen", sagt Röber. Gewaschen wird mit 40 bis 60 Grad Celsius. Die Außenhülle kann imprägniert werden, das Innenfutter darf aber nicht imprägniert werden, erörtert Röber. Denn das Innenfutter könne Schweiß aufsaugen. Eine Membran diene als Nässesperre. Im Sommer bei großer Hitze könne das Innenfutter herausgetrennt werden. "Allerdings bei einem Feuer ist sie als Schutz notwendig", sagt er.

Die Jacken sind kürzer als die bisherigen. "Das hat den Vorteil, dass man besser beim Löschangriff vorankommt", ergänzt Röber. Wenn man beim Feuerlöschen durch ein Gebäude krieche, sei der Mantel manchmal hinderlich gewesen. Erfahrene Feuerwehrleute knieten mit einem Bein, das andere sei vorgestreckt, um bei Dunkelheit einen Raum zu ertasten, erzählt Röber. Auch da sei die längere Jacke nicht bequem gewesen.

Neu ist auch ein Namensschild von der jeweiligen Wehr und der Name des Kameraden. "Seit drei Jahren bin ich Chef, aber ich kenne noch nicht alle der 130 Kameradinnen und Kameraden aus den fünf Ortswehren mit Namen", sagt Röber. Besonders bei Großeinsätzen sei das hilfreich.

Die bisherige Feuerwehrkleidung ist zwischen 15 und 20 Jahre alt. Die Kleidung werde ständig den Weiterentwicklungen beim Brandschutz angepasst. So gebe es jetzt Taschen für Funkgeräte, könne das Innenfutter ausgeknöpft werden und verbesserten sich die Trageeigenschaften.

Die Gemeinde hatte fünf Hersteller angeschrieben, die ihre Modelle zuschickten. "Die Anzüge wurden von uns getestet", sagt Röber. Dabei komme es auf Funktionalität, Beweglichkeit und weitere Trageeigenschaften an. Schließlich entschied sich die Wehr für einen Anbieter. "Jeder von uns erhielt eine Einzelanfertigung", ergänzt Zugführer Runge. Ein Mitarbeiter der Firma habe Musteranzüge mitgebracht, die Markierungen hatten, sodass individuell für jeden die richtige Arm- und Beinlänge, Umfang und andere Details ermittelt wurden, so Röber. "Nun passt alles", sagt Runge, der auch als Model für den Fotograf zur Verfügung stand.

Die alte Bekleidung wird ausgemustert. "Eigentlich sind es zwei Uniformen", sagt Röber. Eine sei für den Brandeinsatz gewesen, die zweite für die technische Hilfeleistung wie bei Verkehrsunfällen. Möglich wäre, dass die Kleidung einem sozialen Zweck zugeführt oder verkauft wird, sagt Röber. Letztes Wort habe die Gemeinde.

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