Spendenaktion "Leser helfen": Ein Auto für mehr Freiheit

Janet Franz kümmert sich seit 23 Jahren um Lucas. Ihr Sohn ist von Geburt an schwerstbehindert. Das Leben der kleinen Familie erleichtert ein VW-Bus, doch der hat seine Tücken.

Mittweida.

Es ist kalt an diesem Novembermorgen in Mittweida. Janet Franz steht vor ihrem VW-Transporter, ein T4-Modell, 20 Jahre alt und schon sehr reparaturanfällig. Der Kleinbus hat hinten eine Rampe, über den die Frau bisher immer ihren Sohn Lucas im Rollstuhl in das Auto schieben konnte. "Doch das schaffe ich nicht mehr allein", sagt die 50-Jährige. Ihr nun 23-jähriger Sohn sei zwar ein Leichtgewicht, doch mit dem Spezialrollstuhl muss sie mehr als 100 Kilogramm hinaufschieben. Ein absenkbares Fahrzeug würde ihr helfen und der kleinen Familie wieder einige vor allem sichere Ausflüge ermöglichen.

Was mit einem Auto möglich ist, weiß auch Lucas. Er kann selbst nur wenige Worte sprechen, hört aber gut zu und weiß auch, wenn es um ihn geht. Wenn er "Mama" sagt, hat das je nach Tonfall immer eine bestimmte Bedeutung. "Er ist schon gern der Mittelpunkt", erklärt seine Mutter. "Man kann sich auf seine Art gut mit ihm unterhalten. Er versteht fast alles, ist aber körperlich nicht in der Lage, etwas umzusetzen." Hilfe und Betreuung benötigt Lucas rund um die Uhr, denn er ist mehrfach schwerstbehindert.

"Die Schwangerschaft lief ganz normal." blickt Janet Franz zurück. "Dann waren beim Baby keine Herztöne mehr zu hören, es kam zum Notkaiserschnitt. Lucas hatte Hirnblutungen." Am 5. Oktober 1998 kam er in Chemnitz auf der Kinderintensivstation zur Welt, sechs Wochen früher als geplant. "Er war nicht allein überlebensfähig, nur 1800 Gramm leicht", erzählt seine Mutter. "Er musste über eine Magensonde ernährt werden, das ist auch heute noch so. Er hatte schwere epileptische Anfälle, auch einen sogenannten Wasserkopf. Die Hirnwasserableitung läuft weiterhin."

Mit acht Monaten kam Lucas nach Hause. Da wog er vier Kilo. "Er hat sich dann gut entwickelt, aber es war nicht klar, ob er auch blind ist", berichtet die Mutter. So gab es die mobile Frühförderung des Blindenzentrums Chemnitz, später besuchte er die Blindenschule. Lucas kann sehen, hat aber Sehbeeinträchtigungen. Nach dem Schulabschluss bekam er einen Platz in der Werkstatt für behinderte Menschen des Vereins Lebenshilfe in Mittweida. Dort wird er betreut und beschäftigt, kann kleine Tätigkeiten ausführen.

Janet Franz geht dann zur Arbeit. Sie ist Kauffrau bei der Sparkasse in Mittweida, 18 Stunden pro Woche. "Ich habe immer gearbeitet, das ist mir auch sehr wichtig", sagt sie. "Mein Arbeitgeber hat da viel Verständnis." Seit vier Jahren haben Mutter und Sohn in Mittweida eine Wohnung, die über einen Fahrstuhl zu erreichen und auch für den Rollstuhl gut geschnitten ist. Davor war Altmittweida ihre Heimat. Zum Vater von Lucas - die Eltern sind seit einigen Jahren geschieden - gibt es nur selten Kontakt. Janet Franz ist die alleinige Betreuerin ihres Sohnes, der ihr einziges Kind ist.

Ohne Pflegedienst, der am frühen Morgen und nachmittags kommt, würde sie den Alltag kaum bewältigen können. "Lucas kann selbst fast gar nichts machen, nur mit der rechten Hand greifen", erklärt sie. "Aber er strahlt, lacht, ist fröhlich, wenn es ihm gut geht." Ist dies nicht der Fall, gibt es fast keine Reaktion. Er sei halt "ein stiller Leider", weine auch fast nie. Berührungen und Zuwendungen genießt Lucas immer gern. Er spüre Wetterumschwünge, freue sich über Wind, Schnee und auch über Regen, wenn er nicht zu stark ist. "Er ist nicht gern allein und liebt es, draußen zu sein", erläutert die Mutter. "Er ist gern am Wasser, Lauenhain an der Talsperre Kriebstein ist für uns oft ein Ziel, auch der Rossauer Wald mit den breiten Wegen."

Aber um dahin zu kommen, sei eben ein Auto notwendig, auch für den Einkauf, bei dem Lucas gern dabei ist. "Aktuell geht es uns beiden gut", sagt die Mutter. "Obwohl wir beide geimpft sind, hatten wir eine Coronainfektion, zum Glück mit mildem Verlauf." Janet und Lucas Franz freuen sich nun auf Weihnachten. Einen Weihnachtswunsch kann Lucas nicht äußern. "Aber er freut sich immer über Leute, die sich ihm zuwenden", weiß seine Mama.

Aktion "Leser helfen": Details und Spendenformular finden Sie hier: www.freiepresse.de/leser-helfen-lucas

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