Warum die Polizei Züge stoppen musste

Herrenloses Gepäck hatte die Sprengstoffexperten auf den Plan gerufen. Der Bahnhof Mittweida war für Stunden gesperrt. Nun gibt es eine simple Erklärung für die vermeintliche Gefahrenlage.

Mittweida.

Seit Tagen rätseln Bahnpassagiere über die Hintergründe der Sperrung des Mittweidaer Bahnhofs am vorigen Donnerstag. Klar war bisher, dass herrenloses Gepäck in einem Zug von Chemnitz nach Mittweida den Aufsehen erregenden Polizeieinsatz ausgelöst hatte. Die Tatumstände sprachen für eine Gefährdung, wie es ein Einsatzleiter der Bundespolizei formulierte.

Erst am Abend gab es Entwarnung, in den Taschen fand sich keine Bombe.

Am Montag nun hat die Bundespolizeiinspektion Chemnitz weitere Details zum Fall auf Nachfrage der "Freien Presse" und Beobachtungen von Augenzeugen bestätigt. Demnach hatte eine Frau mit den drei verdächtigen Gepäckstücken den Zug im Hauptbahnhof Chemnitz am Donnerstagnachmittag bestiegen. Die mit einem Kopftuch bekleidete Frau war anderen Passagieren aufgefallen, weil sie nach einem offenbar auf arabisch geführten Handy-Telefonat hektisch wieder ausgestiegen war, Taschen und Koffer aber zurückgelassen hatte. Der Zug fuhr ohne die Frau kurz nach 16 Uhr in Richtung Mittweida ab. Die alarmierte Polizei stoppte den Zugverkehr auf der Strecke Chemnitz-Mittweida und sperrte den Mittweidaer Bahnhof - zur "Gefahrenabwehr", wie Polizeisprecherin Anett Bochmann erklärte. Bei der Untersuchung des Gepäcks am Bahnhof am Abend fanden die aus Dresden herbei gerufenen Sprengstoffexperten aber keine Bombe. Derweil machten Beamte am Chemnitzer Hauptbahnhof die aus Syrien stammende Frau ausfindig, die bestätigte, dass es sich um ihr Gepäck handelte. Nach ihren Aussagen habe sie vergessen, ein Ticket für die Bahnfahrt zu lösen und war deshalb wieder ausgestiegen. Als sie später wieder zum Bahnsteig gekommen war, sei der Zug mit ihrem Gepäck schon weg gewesen. Warum sie in der Situation nicht auf Mitarbeiter der Bahn oder Polizisten zugegangen ist, sei nicht bekannt, so die Sprecherin der Bundespolizeiinspektion.

Damit sind die Ermittlungen in dem Fall beendet. Doch für die Frau könnte die Sache noch ein finanzielles Nachspiel haben. Denn sie soll nun eine Rechnung über die Kosten des Polizeieinsatzes erhalten. Deren Höhe sei abhängig von der Anzahl der eingesetzten Beamten und Fahrzeuge sowie der Dauer des Einsatzes, so die Sprecherin. Die Kostensumme müsse noch berechnet werden.

Und das ist wohl noch nicht alles: Auch die Bahn kann zivilrechtlich gegenüber der Frau Kosten geltend machen, die unter anderem durch Zugausfälle entstanden sind. Wie Jeanette Kiesinger, Sprecherin des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) erklärte, waren am Donnerstag vier Züge der Citybahnlinie betroffen, die auf der Strecke Chemnitz-Mittweida laut Fahrplan hätten in der Zeit fahren sollen. Doch nur einer startete in Chemnitz und wurde in Altmittweida für 137 Minuten aufgehalten. Die drei anderen Fahrten fielen aus. Nun werde bei der Citybahn geprüft, ob gegen die Frau Forderungen geltend gemacht werden.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
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    thelittlegreen
    26.11.2019

    Gefühlt war das Gepäck eher Damenlos ...
    Wäre das etwas für den Duden?



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