Warum eine alte Beziehung nicht wiederbelebt wird

Vor mehr als 45 Jahren besiegelten Mittweida und die französische Kleinstadt Courrières eine damals ungewöhnliche Partnerschaft. Doch der Kontakt ist erneut abgerissen.

Mittweida.

Am Ende bleibt es wohl ein Kapitel für die Archive: Die Wiederbelebung der Städtepartnerschaft von Mittweida und Courrières ist gescheitert, weil sich nur Hobbyhistoriker auf beiden Seiten dafür interessierten.

Im Sommer 2019 schien man noch in Mittweida fast euphorisch der Spur der vergessenen deutsch-französischen Beziehung zu folgen. Anlass war die Einladung des lokalen Geschichtsvereins der 10.000 Einwohner zählenden französischen Stadt zu einer Jubiläumsfeier für Städtepartner. Daraufhin stieß der Vorsitzende des hiesigen Geschichtsvereins, Frank Schleußing, auf eine Vertragsurkunde, mit der Anfang der 1970er-Jahre die Partnerschaft mit der Kommune im Norden Frankreichs besiegelt worden war.

Doch der Mittweidaer Rathausspitze war das nun nicht mehr gegenwärtig, eine offizielle Anfrage der Stadtverwaltung von Courrières gab es nicht. Die Beziehung einer Stadt in der damaligen DDR, die sich eher den sozialistischen "Bruderstaaten" zuwandte, zu einer Kommune im kapitalistischen Ausland erschien außergewöhnlich. Doch wie Recherchen der Hobbyhistoriker auf französischer Seite ergaben, waren es wohl damals Vertreter der Kommunistischen Partei in Courrières, die den Kontakt nach Mittweida Anfang der 1970er-Jahre suchten, während auch französische Behörden zuvor von solchen Partnerschaften zu Kommunen in der DDR abgeraten hatten. Das fand zumindest Jean-Michel Petit, Schatzmeister des lokalen Geschichtsvereins von Courrières, heraus. Dennoch sei 1971 die Städtepartnerschaft besiegelt worden. In der Folge reisten Delegationen mit Vertretern der Verwaltung der französischen Kleinstadt nach Mittweida, auch Lehrer waren zu Gast genauso wie französische Kinder im Sommerlager in Mittweida aufgenommen wurden. Gegenbesuche in Frankreich hingegen seien den Mittweidaern auf behördliche Weisung hin versagt geblieben. "Nach dem letzten Austausch im Juli 1975 finden wir keine Informationen, Dokumente oder Fotos zu dieser Partnerschaft", so das Fazit von Jean-Michel Petit. Auch Geschichtsvereinschef Schleußing hat nur wenige Dokumente gefunden, die zum Beispiel den Aufenthalt von Kindern aus Courrières in Mittweida in den Jahren 1972 und 1975 belegen. Vermutet wird, dass auf Anweisung der SED-Führung des Kreises die Städtepartnerschaft nicht weiter verfolgt wurde.

Zu einem Besuch in der früheren Partnerstadt ist es auch jetzt nicht gekommen. "Wir als Verein sahen mehrheitlich keine Möglichkeit, den Besuch auf eigene Kosten zu realisieren, hätten uns allerdings mit eingebunden, falls die Stadtverwaltung dem Ansinnen der Franzosen nachgekommen wäre", so Vereinschef Schleußing. Die Stadtverwaltung hat laut OB Ralf Schreiber der Anfrage auf Wiederbelebung der Partnerschaft "mit Bedauern" eine Absage erteilt. Zuvor habe man das im Stadtrat diskutiert. "Wichtig ist bei solchen Partnerschaften, dass sie von beiden Seiten mit Leben erfüllt werden", so Schreiber. Der damit verbundene Aufwand sei aus der Erfahrung mit den bestehenden vier Städtepartnerschaften bekannt.

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