Wie ein Professor mit explosiver Technik neue Studenten lockt

Beim Tag der offenen Tür in der Hochschule gab es weniger Andrang als sonst. Die Studiengänge legten sich dennoch ins Zeug.

Mittweida.

Im Haus 6 der Hochschule Mittweida am Schwanenteich hat es geknallt. Schon wieder. Seit 9 Uhr morgens jagt Professor Michael Kuhl gemeinsam mit Studenten und Besuchern hier Elektrolytkondensatoren in die Luft. Auf einem Tisch liegen aufgeschraubte Festplatten und diverse Werkzeuge; mit Magneten lässt sich das Bild eines ausrangierten Röhrenfernsehers manipulieren. Mit dem "Kaputtmach-Workshop", der gestern erstmals innerhalb des Studieninformationstages der Hochschule Mittweida stattfand, will der Professor für Systemelektronik Schülern sein Fachgebiet näherbringen. "Viele gute Ingenieure haben damit angefangen, dass sie bei ihren Eltern erst mal was kaputtgemacht haben", erklärt Kuhl. "Denn normalerweise sieht man ja nicht, wie es im Inneren eines Fernsehers oder einer Festplatte aussieht." Auch im Studium setze er darauf, Technik durch Kaputtmachen erfahrbar zu machen. "Aber das wird natürlich mit seriöser Wissenschaft verknüpft."

Mit den Besucherzahlen seines Workshops sei er relativ zufrieden, sagt Kuhl. "Das Wetter ist nicht optimal für die Anfahrt, insgesamt hätten wir uns mehr Gäste gewünscht. Aber es wurde gut angenommen, wir haben einiges zerlegt."

Mit etwa 650 Besuchern ist der Studieninformationstag tatsächlich deutlich schlechter besucht als im Vorjahr, als sich rund 900 Gäste auf dem Campus umschauten. Hochschul-Sprecher Helmut Hammer ist dennoch zufrieden: "Es sind viel mehr, als wir angesichts des Wetters erwartet hatten." Schwerpunkte des Interesses seien der neue Studiengang "Global Communication in Business and Culture" (Globale Kommunikation in Wirtschaft und Kultur), sowie die Studiengänge "Medieninformatik und Interaktives Entertainment", "Allgemeine und Digitale Forensik" und "Medienmanagement".

Für letzteren interessieren sich auch die 17-jährige Maxi und die 16-jährige Emily aus Leisnig. Am Vormittag haben sie sich bereits über Inhalte und Zugangsvoraussetzungen informiert, am Nachmittag wollen sie sich noch einige Vorträge anhören. "Ich weiß noch nicht genau, was ich studieren möchte. Aber diese Richtung kann ich mir gut vorstellen", sagt Maxi. Vom Campus sind die beiden jungen Frauen angetan. "Ich finde es hier echt schön, vor allem so modern", lobt Emily.

Auf dem Weg zu den Forensikern ist der 17-jährige Robin aus Flöha. Am Vormittag hat er sich in den Maschinenbau-Laboren umgesehen. Sein Fazit bisher: "sehr gut". Nun will er sich die Präsentation der Kriminaltechniker anschauen, die den Titel "Modern Sherlock" trägt. An vier Stationen wird der Studiengang präsentiert. Vor dem Studienablaufplan, der die Inhalte und Voraussetzungen vorstellt, drängt sich eine Besuchergruppe, eine weitere umringt eine Studentin, die erklärt, wie Forensiker mit Fingerabdrücken arbeiten. Auf einer Leinwand sind Videos zu sehen, die Einblicke in das Thema Internetkriminalistik geben. Und ein Computerbildschirm zeigt das Hinterteil einer Made - 40-fach vergrößert. "Das sieht man ja auch nicht jeden Tag", sagt Tommy Bergmann, der im Studiengang lehrt und promoviert. "Unser Studiengang ist genausogut besucht wie im vergangenen Jahr", sagt er erfreut. "Wegen des Schnees sind wir davon eigentlich nicht ausgegangen."

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