Zu einem Fünftel schlägt sein Herz für die Mittweidaer Klinik

Wie der neue Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin die Außenstelle halten und neue Schwerpunkte setzen will

Mittweida.

Seit zehn Jahren wird die Kinderstation im Mittweidaer Krankenhaus (LMK) durch das Kreiskrankenhaus Freiberg betrieben. Nun hat die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin mit Dr. Ulrich Zügge einen neuen Chefarzt. An der Zusammenarbeit der beiden Häuser wollen der neue Chefarzt und LMK-Geschäftsführer Florian Claus festhalten.

Was ändert sich unter der Leitung des neuen Chefarztes in der Mittweidaer Kinderklinik?

Während jetzt unter Leitung des neuen Chefarztes im Freiberger Kreiskrankenhaus mit dem Umbau der Neu- und Frühgeborenenstation begonnen wurde, sind am Mittweidaer Standort der Kinderklinik keine baulichen Veränderungen geplant. Der neue Chefarzt Dr. Zügge ist nun auch für den medizischen Bereich der Mittweidaer Außenstelle der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin verantwortlich. Wie bei seinem Vorgänger schlage "ein Fünftel meines Herzens in Mittweida", sagt Zügge. Denn er werde ein Fünftel seiner Arbeitszeit - also einen Tag pro Woche - in Mittweida arbeiten und an den anderen Tagen vom leitenden Oberarzt Burkhard Matthé vertreten. Chefarzt Zügge will in Mittweida Abläufe und Behandlung beim Schwerpunkt Neonatologie optimieren. Das betrifft die Versorgung von Neu- und Frühgeborenen. Dabei setze er auf eine weiterhin enge Zusammenarbeit von Kinderklinik und Geburtshilfe im Mittweidaer Krankenhaus.

Ist die Zusammenarbeit der Kliniken Freiberg und Mittweida ein Modell der Zukunft?

Laut dem Geschäftsführer der Mittweidaer Krankenhausgesellschaft LMK funktioniere die Zusammenarbeit mit dem mehrheitlich kreiseigenen Haus in Freiberg sehr gut. Dieses Modell für die Kinder- und Jugendmedizin sei ein gutes Beispiel für eine funktionierende und qualitative Zusammenarbeit von Kliniken, so Florian Claus. Dr. Zügge verweist auf ähnliche Kooperationen auch an anderen Häusern in Sachsen, bei denen es einen Chefarzt für zwei Standorte gebe. Als Grund- und Regelversorger werde die Mittweidaer LMK laut deren Geschäftsführer auch in Zukunft auf Kooperationen mit großen Kliniken setzen müssen. Enge Zusammenarbeit bestehe mit dem Klinikum Chemnitz auf dem Gebiet der Behandlung von Krebspatienten. Ziel sei es - darin sind sich Zügge und Claus einig - die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin mit dem vorhandenen Leistungsspektrum am Standort Mittweida zu halten.

Wie soll die personelle Besetzung der Klinik gesichert werden?

Geschäftsführer Claus setzt in der Frage auf eine Vernetzung von ambulantem und stationärem Sektor der Kinder- und Jugendmedizin. Die LMK betreibt eine Praxis für Kinder- und Jugendmedizin im Medizinischen Versorgungszentrum. Umgesetzt worden sei zum Beispiel eine gemeinsame Besetzung von Stellen in den ambulanten und stationären Bereichen. In der Mittweidaer Außenstelle der Kinderklinik sind derzeit sieben Kinderärzte (einschließlich Chefarzt) und 15 Krankenschwestern beschäftigt. Das Thema Personal bleibe eine Herausforderung, so Claus. So gebe es immer weniger niedergelassene Kinderärzte in der Region. Und es gebe Anfragen von niedergelassenen Medizinern bei der LMK, die perspektivisch ihre Praxis abgeben wollen. Doch selbst wenn das Krankenhaus eine solche Praxis übernehmen würde, "brauchen wir dafür natürlich auch einen Arzt", so Claus.

Wird es mehr Betten in der Kinderstation geben?

Im Mittweidaer Krankenhaus werden pro Jahr rund 1000 Kinder und Jugendliche stationär behandelt. Hinzu kommen etwa 1500 ambulante Fälle in der Notfallversorgung. Die Patientenanzahl ist laut Geschäftsführer Claus hier seit Jahren gleich geblieben. Die Kapazität von derzeit 15 Betten in der Kinderabteilung in Mittweida solle als "Status quo" erhalten bleiben. Am Freiberger Standort gibt es 19 Betten in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Pro Jahr kommen rund 1500 Patienten auf die Freiberger Station. Doch wie Zügge bestätigte, seien lange stationäre Aufenthalte der Patienten angesichts des medizinischen Fortschritts oft nicht nötig.

Welche Krankheitsbilder behandeln die Ärzte in der Kinder- und Jugendmedizin in Mittweida?

Am Standort Mittweida werden alle Krankheiten behandelt, abgesehen von Krebs. Ein Großteil der Patienten kommt laut Chefarzt Zügge mit akuten Infektionskrankheiten ins Krankenhaus, vor allem Kleinkinder und Säuglinge seien betroffen. Zunehmend gebe es Fälle von psychosomatischen Krankheiten, bei denen psychische Faktoren eine organische Erkrankung auslösen oder körperliche Symptome verstärken. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit mit der am Mittweidaer Krankenhaus etablierten Kinder- und Jugendpsychiatrie. So gebe es gemeinsame Visiten und Fallbesprechungen. Auffällig ist laut Zügge ein weiterer Trend: Es würden zunehmend 13- bis 14-jährige Mädchen teils wiederholt mit Alkoholvergiftung eingeliefert. Ebenfalls ein Thema: Adipositas, also Fettleibigkeit bei Kindern. Meist kämen die Kindern wegen anderer Erkrankungen. Aber die Fettleibigkeit gehe dann einher mit der Diagnose Bluthochdruck oder gar Altersdiabetes im Kindesalter. (jl)


Zur Person

Dr. med. Ulrich Zügge stammt aus Oberkochen, einer Kleinstadt in Baden-Württemberg. Geboren wurde der 49-Jährige in Ulm. Humanmedizin hat er in Freiburg im Breisgau und in Innsbruck studiert. In der Kinderklinik Böblingen (bei Stuttgart) hat Zügge 1999 seine erste Stelle als Arzt angetreten - die ersten eineinhalb Jahre noch als Arzt im Praktikum (AiP), später dann als Assistenzarzt. Seit 2003 lebt der Mediziner in Dresden mit seiner Familie. Zügge ist verheiratet und hat drei Töchter (12, 8 und 4 Jahre alt). An der Universitätskinderklinik in Dresden hat er von 2003 bis 2006 gearbeitet. Im Jahr 2006 wurde er Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und hat die Schwerpunktbezeichnung Neonatologie erworben. Ebenfalls seit 2006 arbeitet er im Kreiskrankenhaus Freiberg, seit 2009 als Oberarzt. Stellvertreter des bisherigen Chefarztes der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Kreiskrankenhaus Freiberg, Dr. Klaus-Dieter Paul, wurde Zügge 2011. (jl)

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