Hier sucht sich das Kind seine Erzieherin selbst

Offene Arbeit mit Kleinkindern - von den Erfahrungen der Peniger Kita "Weltentdecker" profitieren Erzieherinnen aus ganz Sachsen. Die Einrichtung rückt die Bedürfnisse der Kleinen in den Vordergrund. Trotzdem dürfen die Kinder nicht alles.

Penig.

In der städtischen Kinderkrippe "Weltentdecker" ist vieles anders als in anderen Kitas. Leiterin Ines Ambos ist stolz auf ihr 15-köpfiges Team und ihre farbenfrohe Einrichtung an der Peniger Jahnstraße, die 2014 eröffnet wurde und seither eine "offene Arbeit im Kleinkindbereich" praktiziert. Als Konsultationseinrichtung, die vom Kultusministerium gefördert wird, hat sich die Kita mittlerweile sachsenweit einen Namen gemacht.

Seit der Genehmigung im September 2017 schauten sich bereits 21 Erzieherinnen und Erzieher aus sächsischen Kitas an, wie dieses offene Konzept in Penig umgesetzt wird und welche Erfahrungen man mitnehmen kann. Gestern nutzten diese Gelegenheit auch fünf Erzieherinnen aus der Bornaer Kinderkrippe "Die Kleinsteins".

Der Begriff "offen" sei dabei im mehrdeutigen Sinne zu verstehen, sagte Ines Ambos. Man wolle transparent sein für die Öffentlichkeit, auch die Struktur der Räume, die sich hier "Lernwerkstätten" nennen, sei offener als anderswo. Und auch mit den Wünschen der Kinder selbst werde sehr offen umgegangen. Und das bereits in den ersten Wochen, in denen sich die Kinder eingewöhnen. "Jedes Kind baut vor allem am Anfang zu einer Erzieherin eine besonders enge Beziehung auf", weiß die Leiterin aus ihrer langjährigen Praxis. Obwohl es vier Stammgruppen mit je zwölf Kindern gebe, seien die Strukturen nicht starr. Besonders beim "Morgenkreis", der jeden Früh gegen 9 Uhr in den Gruppen stattfinde, könnten die Kinder auch zu ihren Lieblingserzieherinnen in andere Gruppen gehen. "Doch Regeln und Grenzen gibt es natürlich auch bei uns - unbedingt", sagt die Leiterin. Und diese würden in den Stammgruppen dann auch durchgesetzt. "Die Kinder können zwar auswählen, wo sie spielen möchten. Doch wenn beispielsweise der Snoozelraum oder das Bällebad voll sind, werden die Kinder in anderen Räumen beschäftigt. "Und wenn eine Arbeit angefangen wurde, wie beispielsweise beim Kneten, dann wird diese auch zu Ende gebracht", macht Ines Ambos deutlich.

Und was unterscheidet die "Weltentdecker" von anderen Krippen? "Die Eltern können ihre Kinder auch später bringen. Es gibt keine einheitlich ausgestatteten Gruppenräume, sondern es gibt individuelle Bereiche zum Zurückziehen und Entdecken wie Atrium, Bewegungsraum, Atelier, Bauraum, Kinderrestaurant, Snoozelraum und Nestzimmer. Alle Erzieherinnen sind für alle Kinder verantwortlich. Jeden Tag können die Kinder wählen, ob sie ihre Spielidee drinnen, draußen im Sand oder in der benachbarten Gartenanlage umsetzen möchten", erklärte sie. Trotzdem werde strikt darauf geachtet, dass jedes Kind ausreichend an der frischen Luft ist. Auch beim Essen stünden die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt. Deshalb gebe es jeweils zwei Durchgänge.

Obwohl sich die fünf Erzieherinnen aus Borna am Ende ihrer gestrigen Konsultation einig waren, im wesentlichen bei sich so weiterzumachen wie bisher, so habe ihr Besuch in Penig dennoch einige Denkanstöße gebracht. "Das hier ist eine ganz andere Welt", sagte Kathrin Richter. "Die Räume sind sehr schön. Aber man muss immer schauen: Ist da noch jemand", meinte Monique Schönfeld. Gut gefallen hat Sandra Teichert, wie sich die Kinder nach Musik bewegt haben. "Die Rückzugsmöglichkeiten hier finde ich toll und wie man sich auf verschiedenen Ebenen bewegen kann. Klasse!", sagte Christiane Türpe.

Bewertung des Artikels: Ø 1.5 Sterne bei 2 Bewertungen
2Kommentare
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  • 6
    3
    Einspruch
    16.09.2018

    Völliger Blödsinn. Später können die sich ihre Chefs oder regierenden Politiker auch nicht heraussuchen.

  • 5
    4
    BlackSheep
    16.09.2018

    Ziemlicher unfug, ich zitiere mal Frank Rosin "seit wann wissen Kinder was gut für Sie ist"



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