Schulnetzplan mit mehreren Knackpunkten

Bei Berufsschulzentren sollen Standorte wegfallen

Freiberg/Hartha.

Wenn es in der Kreistagssitzung am heutigen Mittwoch in Hartha um den Schulnetzplan für Mittelsachsen geht, ist eine kontroverse Debatte zu erwarten. Denn die Vorstellungen für die Beruflichen Schulzentren und ihre Außenstellen bergen Zündstoff. Der Plan, der von mittelsächsischer Kreisbehörde und sächsischem Kultusministerium erstellt wird, soll im Februar 2021 in Kraft treten.

Laut Vorstellungen des Kultusministeriums soll der Standort Burgstädt des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) Döbeln-Mittweida geschlossen werden. Dort werden derzeit Kaufleute in den Bereichen Groß- und Außenhandel, Einzelhandel und Büromanagement sowie Verkäufer und Verkäuferinnen ausgebildet. Von den Einschnitten betroffen sein sollen auch weitere Standorte des BSZ Döbeln-Mittweida: In Rochlitz sollen keine Landwirte mehr ausgebildet werden, kündigte der zweite Kreisbeigeordnete Jörg Höllmüller in der Juli-Sitzung im Kreistag an. Döbeln müsste auf den Ausbildungszweig Kfz-Mechatroniker verzichten. In Mittweida fiele die Grundstufe Metall weg.

Schon in der Juli-Sitzung waren die Pläne bei Kreisräten auf heftige Proteste gestoßen. So meldete CDU-Fraktionschef Sven Liebhauser, zugleich Oberbürgermeister von Döbeln, Bedenken an. Zwar würden die sozialen Berufe gestärkt. "Aber mir ist wichtig, dass das nicht zulasten von Döbeln und Rochlitz geht." Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker müsse in der Region Döbeln bleiben, forderte Liebhauser. "Wir haben keine Universität und keine Hochschule. Wir müssen mit anderen Berufen punkten." Auch andere Kommunalpolitiker und Bürgermeister aus den betroffenen Regionen kritisierten die Vorstellungen. Auf einen "Interessenkonflikt zwischen dem ländlichen Raum und großen Städten" verwies Landrat Matthias Damm im Juli-Kreistag. Der CDU-Politiker zielte damit auch auf Bestrebungen des Landes an, bestimmte Fachrichtungen in Großstädte zu verlagern. So sollen zum Beispiel Kaufleute im Groß- und Einzelhandel in Zukunft in Chemnitz unterrichtet werden.

Frank Wehrmeister ist der Leiter des Beruflichen Schulzentrums "Julius Weisbach" in Freiberg. Er sagte auf Anfrage von "Freie Presse": "Wie auch immer Lösungen dann ausfallen - es jedem Partner der Beruflichen Bildung in Sachsen am Ende Recht zu machen, ist meines Erachtens schlicht unmöglich." (hh/acr)

Kreistagssitzung am heutigen Mittwoch ab 15 Uhr in der Hartharena in Hartha. Die Sitzung ist öffentlich.

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