Was tun, wenn der Wald brennt?

Mehr als 50 Feuerwehr- leute aus Rossau haben die Brandbekämpfung mitten im Forst geübt. Dabei halfen Agrarbetriebe mit großen Wassertanks.

Rossau.

Sturmschäden, lange Trockenheit und Borkenkäfer: Rossaus Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos) weiß, wie es um die Waldgebiete in seiner Gemeinde steht. "Waldbrände sind hier eine ernsthafte Gefahr geworden", sagt Gottwald. "Es gab ja schon einige kleinere Brände im Wald, aber auch Feldbrände. Deshalb habe ich die Leitung der Feuerwehr gebeten, gezielt eine Ausbildung zu machen."

Genau das haben am Samstag mehr als 50 Männer und Frauen aller fünf Rossauer Ortsfeuerwehren im Rossauer Wald getan, laut Gemeindewehrleiter Steve Mucha nach gut acht Stunden Ausbildung mit großem Erfolg. Was genau geübt wurde, hatte sich der Seifersbacher Wehrleiter Daniel Paschke ausgedacht und dabei zwei landwirtschaftliche Betriebe aus Rossau und Seifersbach eingebunden. Auch der Staatsbetrieb Sachsenforst war informiert. "Wenn es mitten im Wald brennt, müssten wir vom Speicherbecken, also der Wasserskianlage, gut zwei Kilometer Schlauchleitung legen", erläutert Mucha das Problem vor Ort. "Deshalb setzen wir auf den Transport mit großen Tanks auf Anhängern, die von Traktoren gezogen werden."

Die Befüllung erfolgte am Samstag an der Wasserskianlage und ging schneller als gedacht. Der Behälter mit 10.000 Litern war nach gut fünf Minuten voll, der 18.000-Liter-Bottich nach zehn Minuten. "Insgesamt haben wir an diesem Tag 76.000 Liter Wasser bewegt", erläuterte Mucha. "Weil die Schläuche der Agrarbetriebe nicht mit denen der Feuerwehr kompatibel sind, haben wir vor einiger Zeit einfach selbst Kupplungen gebaut." Die Traktoren brachten das Löschwasser bis zu einer Stelle im Wald, an der die Feuerwehr Sammelbehälter aufgebaut hatte. "Einen Faltbehälter, der dafür konzipiert ist, haben wir. Den anderen haben wir mit Leitern als Stützwände selbst gebaut", so Mucha.

Von den beiden Becken gingen die Schlauchleitungen gut 250 Meter zum Tanklöschfahrzeug, das unmittelbar am fiktiven Brandherd, einer großen Lichtung, stand. Dort liefen am Samstag die Pumpen mehrmals unter Hochdruck, denn alle beteiligten Feuerwehrleute waren mal an der Reihe, den angenommen Waldbrand selbst im Löschangriff zu bekämpfen. Immer vier Angriffstrupps agierten dabei gleichzeitig.

"Ein Tanklöschfahrzeug hat in unserer Region maximal 4000 Liter Wasser an Bord", berichtete Mucha. "Damit kommt man im Wald nicht weit, deshalb haben wir das Wasser so herangeschafft." Damit es keine Probleme mit Gegenverkehr gibt, insbesondere wenn im Ernstfall Wehren der umliegenden Städte helfen, wurde die Straße im Wald als Einbahnstraße markiert.

Am Nachmittag wurden sogar 400 Meter Schlauchstrecke aufgebaut. Auch dafür hat die Rossauer Feuerwehr eine Besonderheit: eine Kettenraupe. "Die haben wir vor einigen Jahren angeschafft, weil wir hier viel unwegsames Gelände haben, vor allem in Richtung Zschopau", sagte Mucha. "Wir sind die einzige Wehr in Mittelsachsen, die über so ein Gerät verfügt. Auf der Fachmesse in Dresden war diese Raupe gerade wieder ein großes Thema."

Die Bekämpfung eines Waldbrandes mit Spaten und sogenannten Patschen, mit denen die Flammen niedergeschlagen werden, soll später trainiert werden. Das Anlegen von Schneisen, also das gezielte Fällen von Bäumen im Ernstfall, sieht Mucha im Rossauer Wald als kaum erforderlich an, weil es hier außer der Straße zusätzlich viele Holzrückewege gibt, die somit ohnehin als Schneisen dienen. Im Speicherbecken der Wasserskianlage befinden sich übrigens insgesamt mehrere Zehntausend Kubikmeter Wasser. Durch die Entnahme am Samstag veränderte sich der Pegel kaum.

"Die Übung wird noch einmal gründlich ausgewertet, einige Kleinigkeiten können wir sicher noch verbessern", sagte Mucha. "Von den Kameraden kam aber schon mehrfach der Wunsch, so eine Großübung, die es in der Gemeinde jedes Jahr gibt, bald zu wiederholen." Die Feuerwehr in Rossau sehen sowohl Bürgermeister als auch Gemeindewehrleiter gut aufgestellt. So habe die Jugendfeuerwehr weiter großen Zuspruch. In Sachen Technik soll spätestens 2022 ein neues Tanklöschfahrzeug TLF20 kommen.

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