Stadtrat gibt Weg frei für KZ-Gedenkstätte Sachsenburg

Nach dem Bekenntnis zu dem Erinnerungsort, sollen Taten folgen. Doch zuerst muss viel Papier gewälzt werden.

Frankenberg.

Am Ende hat es im Stadtrat von Frankenberg keine Zweifel daran gegeben, dass sich die Kommune für den Aufbau einer Gedenkstätte auf dem Areal des frühen Konzentrationslagers Sachsenburg engagiert. Die spannende Frage war nur: in welchem Umfang.

Das von Anna Schüller vom Verein "Geschichtswerkstatt Sachsenburg" im Auftrag der Stadt erstellte Konzept sah mehrere Varianten vor - kleine und große. In dem früheren Fabrik-Areal hatten die Nazis von 1933 bis 1937 in mehreren Gebäuden das KZ betrieben und dort tausende politische Gegner inhaftiert, gefoltert und teils ermordet. Nach dem nun einstimmig gefassten Beschluss soll die zentrale Ausstellung der Gedenkstätte in dem ehemaligen Zellengebäude untergebracht werden, welches im Obergeschoss knapp 190 Quadratmeter Platz bietet, plus mögliche Erweiterungsflächen im Dachgeschoss. Ergänzend dazu werde Pläne für eine sogenannte Außenraumausstellung verfolgt. Damit ist der "Pfad der Erinnerungen" gemeint, der mit zehn bis zwölf Stelen und Tafeln über die Geschichte von Teilen des früheren KZ informieren soll. Beim umstrittenen Abriss der Villa, in der der Kommandant des Lagers wohnte, bleibt es. Aber hier ist laut Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) ein Kompromiss gefunden: Die Grundmauern des Gebäudes sollen erhalten bleiben. Wird diese Variante verwirklicht, ist mit Kosten von geschätzt 1,2 Millionen Euro zu rechnen. Finanziert werden soll das Projekt mit Fördermitteln von Freistaat und Bund. Dazu soll die Verwaltung nun einen Finanzplan aufstellen und die Zuschüsse beantragen. Für den noch nicht beschlossenen Landeshaushalt ist die Hälfte der benötigten Mittel beantragt. Bis zum 31.August müsste nun noch die Förderung beim Bundesbeauftragten für Kultur und Medien beantragt werden.

Die Kommune hatte zugesagt, sich künftig mit etwa 10.000 Euro jährlich an den Betriebskosten zu beteiligen. Nicht in die jetzt beschlossenen Pläne für die Gedenkstätte einbezogen ist das große Fabrikgebäude, in dem einst die Häftlinge in Schlafsälen untergebracht waren. Im Gegensatz zum deutlich kleineren Zellenhaus befindet sich das nicht im Besitz der Stadt, es gehört dem Unternehmer Marcel Hett.


Der Immobilienbesitzer

Marcel Hett, Unternehmer aus Hessen und Eigentümer der Immobilie der früheren Zwirnerei in Sachsenburg, fühlt sich nach eigenen Worten der Geschichte des KZ verpflichtet. Er hatte der Stadt das ehemalige Zellenhaus geschenkt, unter der Bedingung, es für eine Gedenkstätte zu nutzen.

Dass nun das frühere, große Fabrikgebäude nicht für die Ausstellung genutzt werden soll, bedauert er. "In Privathand ist so ein historischer Ort nicht gut aufgehoben", sagte Hett. Er könne nur für den Zeitraum, in dem er Eigentümer sei, Einfluss auf die Verwendung der Flächen nehmen. Für den Fall eines Verkaufes ließe es sich nicht ausschließen, dass Teile der Immobilie in Zukunft einer Nutzung zugeführt werden, die nicht dem geschichtlichen Kontext entsprechen. (jl)


Die Konzept-Verfasserin

Anna Schüller, Vorsitzende des Vereins "Geschichtswerkstatt Sachsenburg", hatte im Auftrag der Stadt das Konzept für die Gedenkstätte mit verschiedenen Varianten erstellt. Dass der Stadtrat sich jetzt für eine kleinere Variante entschied, löste bei ihr "gemischte Gefühle" aus.

"Ich freue mich, dass es jetzt mit der Gedenkstätte vorangeht. Andererseits wäre auch eine größere Variante denkbar gewesen", sagt die Chemnitzer Lehrerin. Aber es sei nicht ausgeschlossen, dass das Potenzial an diesem Ort noch beim Ausbau der Gedenkstätte genutzt werde. Sie hatte auch für den Erhalt der Kommandantenvilla plädiert. Dass zumindest die Grundmauern erhalten bleiben, sei ein Erfolg. "Mir geht es darum, dass man den Gedenkort angemessen gestaltet." (jl)


Die Politikerin

Iris Firmenich, Stadträtin und CDU-Landtagsabgeordnete, hatte sich auch im Landtag und bei Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange für eine Förderung der Gedenkstätte eingesetzt. Mit der im Stadtrat bestätigten Variante sei "eine vertretbare Lösung gefunden, die die Stadt wirtschaftlich darstellen kann".

Der Erhalt der ehemaligen Kommandantenvilla sei unrealistisch, schon allein weil es für eine Sanierung im Überschwemmungsgebiet keine Baugenehmigung gegeben hätte. Das alte Fabrikgebäude aus Privathand zu übernehmen und darin zu investieren, würde die Möglichkeiten der Stadt überfordern, sagt Firmenich. "Wichtig ist, dass es jetzt los geht. Wir hätten nichts gekonnt, wenn wir zu groß planen und am Ende damit scheitern", so die Politikerin. (jl)

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