Szene aus dem Bekenner-Video der terroristischen Organisation "Nationalsozialistischer Untergrund".
Szene aus dem Bekenner-Video der terroristischen Organisation "Nationalsozialistischer Untergrund". Bild: dapd
Deutschland
Spurensuche im braunen Dickicht

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Seit einer Woche wird die Republik täglich mit neuen Details über die vermuteten Verbrechen des Zwickauer Terror-Trios konfrontiert. Jetzt fragen sich alle: Gab es Helfer und welche Rolle spielte der Verfassungsschutz?

Zwickau. Peter Klose macht aus seiner Gesinnung selten einen Hehl. Zum Führer-Geburtstag lässt der ehemalige Zwickauer NPD-Chef gern die Reichsflagge aus seinem Fenster an der viel befahrenen Talstraße wehen. 2007 unterstützte er die örtliche Neonazi-Kameradschaft "Nationale Sozialisten" beim Versuch, die montäglich in der Stadt stattfindende Demo gegen Hartz-IV zu vereinnahmen. Mit zu lockerem Ton handelte sich der Ex-Abgeordnete im Landtag sogar einen Maulkorb der eigenen Fraktion ein. Zuletzt stolperte Klose über einen Chat-Eintrag auf der NPD-Website. In verwechselbarer Ähnlichkeit wurde dort die einstige Losung der SS beschworen. Den Beitrag habe er nicht selbst in Netz gestellt, argumentierte Klose zwar, doch wurde er verurteilt. Zum Hitler-Geburtstag 2011 verließ er die NPD, sitzt jetzt parteilos im Zwickauer Stadtrat.

Paul Panther als Netzpseudonym

Vor dem Hintergrund der nun in der ausgebrannten Wohnung des Zwickauer Terror-Trios Uwe B. (34), Uwe M. (38) und Beate Z. (36) sichergestellten Bekennervideos zu den sogenannten Döner-Morden wirft plötzlich Kloses Facebook-Präsenz Fragen auf. Die Videos, die laut Polizei nicht nur Täterwissen erkennen lassen, sondern auch Fotos der erschossenen ausländischen Kleinunternehmer zeigen, sollten provozieren. Mitunter dadurch, dass der TV-Zeichentrick-Panther Paulchen einen Polizisten erschießt. In Siegerpose zeigt sich dieselbe rosa Serienfigur wie auf den Videos auch auf Kloses Facebook-Profil. Dort tritt der Ex-NPD-Mann unter Pseudonym auf: Paul Panther. Zufall?

Das zumindest beteuert Klose auf Anfrage. Das verwechselbare Zeichentrickbild habe er nicht selbst auf seinem Profil hinterlassen, das Pseudonym habe er nur gewählt, weil er Fan der TV-Serie sei. Kontakt zum Terror-Trio habe er nie gehabt. "Ich weiß gar nicht, worum es da geht", so Klose. Dass das nicht ganz stimmt, belegt sein letzter Profil-Eintrag. Da geht es darum, dass die bisher schweigsame Beate Z. ankündigte auszusagen, wenn ihr dafür Schutz und Milderung über die Kronzeugenregelung zuteilwerden.

In der Vorwoche betonte die Zwickauer Staatsanwaltschaft, es gebe keine Hinweise auf Kontakte der drei mutmaßlichen Terroristen zur offenen Neonazi-Szene der Region. Zum Hauptmieter der Wohnung, die das Trio zur Untermiete bewohnte, habe man Kontakt. Anlass zu seiner Festnahme sah man nicht. Der Mann aus Johanngeorgenstadt, der den gleichen Nachnamen hat, den Beate Z. als einen ihrer Aliasnamen nutzte, sei vernommen worden. Vor Jahren soll auch er Kontakte zum rechtsextremen Milieu gehabt, sich aber davon losgesagt haben. Allerdings führte er für die untergetauchten Jenaer Bomberbauer die Verhandlungen zum Umbau der Wohnung. Mit der Verwalterfirma, die das Objekt betreute, regelte Matthias D. die Zusammenlegung zweier kleiner Wohnungen zu einer großen. Er forderte auch die Sonderwünsche: Eine Stahltür und eine Schallschutz-Decke wollten seine Untermieter. Das Haus gehört inzwischen einem neuen Eigner, einem Schneeberger Gemüsehändler.

Thüringer half Zwickauer Szene

Der vierte jetzt festgenommene Verdächtige stammt nicht aus Sachsen, ihn ergriff die Polizei im niedersächsischen Lauenau bei Hannover. Der 37-jährige Holger G. soll für die drei Rechtsextremisten mehrfach Wohnmobile gemietet haben, unter anderen eins, das zur Zeit des Mordes an der Polizistin in Heilbronn zum Einsatz kam. Laut Bundesanwaltschaft überließ er den Dreien 2007 seinen Führerschein und vor vier Monaten seinen Reisepass. Festgenommen und wohnhaft in Niedersachsen, stammt Holger G. aber ursprünglich aus Jena wie das Zwickauer Trio. Wie Uwe B., Uwe M. und Beate Z. war auch er in den 90er-Jahren Mitglied der "Kameradschaft Jena", einer Untergruppe des Neonazi-Sammelbeckens "Thüringer Heimatschutz" (THS). Der Kern der Jenaer Zelle zählte nur sechs Mitglieder. Neben dem über 13 Jahre abgetauchten Zwickauer Trio und Holger G. gab es nur noch die beiden nach wie vor aktiven Thüringer Neonazis André K. und Ralf W.

Angehörige der rechten Thüringer Szene, die das Nachrichtenmagazin "Spiegel" befragte, hielten für denkbar, dass neben Holger G. auch André K. und Ralf W. zeitweise mit den flüchtigen Bombenbauern Kontakt hielten. Zugleich bauten K. und W. in aller Offenheit Kontakte aus. Mit dem ebenfalls beim THS aktiven Thomas G. aus Altenburg, der den gleichen Nachnamen wie der gestern Festgenommene hat, organisierte ihr Kreis das "Fest der Völker", Neonazi-Festivals, die 2005 und 2007 in Jena, 2008 in Altenburg und 2009 in Pößneck stattfanden.

Thomas G. galt zu dem Zeitpunkt als einer der Führer in der Thüringer Szene, die dabei war, sich umzustrukturieren und als schwer greifbare Verbindung übers Internet zu organisieren, das sogenannte Freie Netz. Zudem betätigte sich Thomas G. als Geburtshelfer der Zwickauer Neonazi-Szene. Aus seinem Kreis bei Altenburg entsandte er den Nachwuchs-Mann Daniel P. nach Sachsen. Zeitgleich mit dem NPD-Bürgerbüro des Abgeordneten Klose am Bahnhof entstand in einem Mietshaus vis r vis eine Kameradschafts-WG. Von dort koordinierten Daniel P. und zwei Mitbewohner die Aktionen der "Nationalen Sozialisten" übers örtliche Freie Netz. Auch Thomas G. reiste oft aus Thüringen an, zu Demos, zu Absprachen und zu Gerichtsverhandlungen, wo er angeklagten Kameraden zur Seite stand. Etwa Daniel P., als der sich wegen Körperverletzung verantworten musste, weil er einen Polizisten angegriffen hatte. Nicht etwa in Zwickau, wo die Gruppe auf Salonfähigkeit bedacht war, sondern bei einer illegalen Demonstration in Zeitz.

Linke fordert Freies-Netz-Verbot

Der Aktionsradius des Freien Netzes und sein Organisationsgrad hat die Extremismus-Expertin der Linken im sächsischen Landtag, Kerstin Köditz, jetzt veranlasst, ein Verbot zu fordern. Es gehe eben nicht um lose Verbindungen, es handele sich "um eine Organisationsstruktur". Und diese Struktur verbindet längst nicht nur Zwickau und das Erzgebirge mit Thüringen, sondern weite Teile Sachsens, Sachsen-Anhalts und Süddeutschlands.

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