2018: Erste Weine aus einem herausfordernden Jahrgang

Auf der Großen Jungweinprobe in Coswig haben Winzer aus Sachsen und Saale-Unstrut den neuen Jahrgang präsentiert, für den es zuvor viel Vorschusslorbeeren gegeben hatte. Beim Fachpublikum kam nicht alles gut an.

Coswig.

Das Jahr 2018 werden die meisten Winzer in Sachsen wohl nicht so schnell vergessen. Über Monate hinweg fehlten die Niederschläge, im Sommer kam die Hitze hinzu. Um Pilzerkrankungen und Fäulnis in den Weinbergen mussten sich die Winzer diesmal kaum kümmern, doch die lang anhaltende Trockenheit und die sengende Sonne hat es ihnen dennoch nicht einfach gemacht. Michael Thomas, Vorstandsvorsitzender des Weinbauverbandes Sachsen, sprach am Freitag zur Großen Jungweinprobe von Sachsen und Saale-Unstrut in Coswig von "Herausforderungen", vor denen die Betriebe standen.

Innerhalb des Anbaugebietes habe es dabei vor allem wegen unterschiedlicher Bodenarten deutliche Unterschiede gegeben. Die im Norden eher vorherrschenden Löss-Lehm-Böden hätten ein anderes Wasserspeichervermögen als die Granitverwitterungsböden, die man in den Steillagen vorfinde. "Die Winzer mussten genau schauen, was jeweils zu tun war", sagte Thomas mit Blick auf Dinge wie Bewässerung, Bodenbearbeitung, Laubwandpflege und richtiger Lesezeitpunkt. Es sei ein "außergewöhnlicher" Jahrgang gewesen. Thomas zeigte sich dennoch sehr zufrieden mit Qualität und Quantität.

Mit 25.515 Hektolitern wurde zwar etwas weniger als in den beiden Vorjahren geerntet, aber immer noch deutlich mehr als im Schnitt der letzten zehn Jahre. Vom heißen Sommer hätten insbesondere die Rotweine profitiert, "sodass hier ein außergewöhnlicher 2018er Jahrgang zu erwarten ist", hieß es. Das bestätigte auch Georg Prinz zur Lippe vom Weingut Schloss Proschwitz. Die 2018er Rotweine kämen bei ihm aber frühestens nächstes Jahr auf den Markt, "eher übernächstes", so zur Lippe, der sich auch sonst bei seinen eigenen Weinen "hoch zufrieden" zeigte.

Im Anbaugebiet Saale-Unstrut haben die Weinbauern derweil mit rund 4,6 Millionen Litern deutlich weniger geerntet als in den Vorjahren. Hans-Albrecht Zieger vom dortigen Weinbauverband wies zudem auf ein Problem hin, dass der Jahrgang aufgrund des heißen Sommers mit sich brachte: hohe Mostgewichte. Insbesondere beim Grauburgunder seien diese teils sehr hoch gewesen, sodass bei trocken ausgebauten Weinen Alkoholwerte von mitunter 16 Volumenprozent herauskamen. Das sei schon schwierig, so Zieger.

Doch wie präsentieren sich die neuen Weine nun? Auf den Tischen in der Alten Börse in Coswig standen insgesamt 181 Weine und Sekte aus den beiden Anbaugebieten, mit 132 waren das Gros Weißweine. Allerdings fehlten etliche bekannte Namen, etwa die Weingüter Hey, Born und Zahn aus Saale-Unstrut oder Haus Steinbach und Weinbau Frédéric Fourré aus dem Elbtal.

Dies fiel auch Matthias Dathan, Sommelier und Weinkritiker beim Vinum Weinguide, auf. Und das mache es schwerer, sich einen Gesamteindruck zu verschaffen. Insgesamt sei das Niveau der Weine aber gut, sagte Dathan. "Man hat jedoch schnell gemerkt, wo zu viel Trockenheit da war", fügte er hinzu. Da habe die Ausdruckskraft gefehlt.

René Weißenborn, Chef des Leipziger Handelsunternehmens Köhler & Weißenborn, das unter dem Namen Gourmétage Wein- und Feinkostfachgeschäfte betreibt, hat der Jahrgang dagegen weniger überzeugt. Der Hype, den es nach der Lese darum gab, habe sich für ihn "so nicht widergespiegelt". Er habe einen eher "mittelmäßigen Eindruck" gewonnen. Es sei wohl ein schwieriger Jahrgang für Weißweine in Sachsen und Saale-Unstrut gewesen, so Weißenborn. Teilweise seien die Alkoholgehalte hoch und es fehle die Finesse. Weiß- und Grauburgunder hätten Trockenheit und Hitze dabei noch am "besten ertragen", meinte er. "Man muss nun sehen, wie sich das in der Flasche entwickelt."

Die Winzer haben jedoch noch längst nicht alle Weine abgefüllt. Vor allem höhere Qualitäten kommen zumeist erst in den kommenden Wochen und Monaten in die Flaschen. Auf der Jungweinprobe waren einige Weine nur Fass- oder Tankproben. Zudem standen nur drei 2018er Rotweine auf den Verkostungstischen, der Rest stammte aus den beiden Vorjahren.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...