Bewährungsstrafe für Dresdner Notarzt wegen Totschlags

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Dresden (dpa/sn) - Ein Dresdner Notarzt ist nach umstrittener Behandlung eines Krebspatienten vor elf Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Dresden verhängte am Dienstag eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten wegen Totschlags auf Bewährung. Wegen der langen Verfahrensdauer, die Anklage stammt aus dem Jahr 2014, sah die Schwurgerichtskammer zehn Monate der Strafe als verbüßt an. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte soll 2010 als damaliger Oberarzt am Klinikum Pirna die Behandlung eines Tumorpatienten nach der Operation eigenmächtig auf palliativ umgestellt und die Gabe von Morphin angeordnet haben. Der 78-Jährige starb nach wenigen Stunden. Der Vorsitzende Richter Herbert Pröls sprach von einer «abstrusen Entscheidung im Alleingang» und Selbstüberschätzung des Angeklagten. Es habe keinen Anlass für die Änderung der Behandlung gegeben – schon gar nicht, ohne die Chirurgin oder den Chefarzt einzubeziehen, die das letzte Wort gehabt hätten.

Der 54-Jährige, dem später gekündigt worden war, erklärte sich erst am Ende der Beweisaufnahme und kritisierte die vorherige Behandlung des Patienten. Er könne kein eigenes Fehlverhalten sehen und würde wieder so handeln. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Freiheitsstrafe gefordert, die Verteidiger auf Freispruch plädiert. Sie kündigten Revision an.

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