Corona: Bundeswehr hilft erstmals in Sachsen in Pflegeheim

Die Corona-Lage im Alters- und Pflegeheim von Radeberg war so dramatisch, dass der Bürgermeister die Bundeswehr um Hilfe bat. Nun unterstützen sechs Soldaten das Personal.

Bautzen (dpa/sn) - Erstmals ist in Sachsen die Bundeswehr um Amtshilfe im Kampf gegen Covid-19 im Einsatz. Im Städtischen Alters- und Pflegeheim in Radeberg (Landkreis Bautzen) helfen sechs Soldaten der Panzergrenadierbrigade 37 der 10. Panzerdivision aus Frankenberg bis zunächst 3. Mai aus. «Am vergangenen Freitag signalisierte mir die Heimleitung, dass die Lage kritisch wird. Da habe ich die Bundeswehr über das Landeskommando Sachsen um Amtshilfe ersucht», sagte der Bürgermeister der Stadt Radeberg, Gerhard Lemm (SPD), am Mittwoch. Seit Samstag läuft der Einsatz, seit Montag arbeiten die Soldaten im Schichtsystem mit.

In dem Heim gibt es nach Aussage Lemms bislang 40 Corona-Fälle unter den Bewohnern. Davon sind 8 Patienten verstorben. Auch 11 Mitarbeiter haben sich mittlerweile infiziert. Insgesamt gibt es 153 Bewohner und 120 Beschäftigte.

Lemm äußerte sich zufrieden über die schnelle, unbürokratische Abwicklung. «Die Soldaten sind äußerst motiviert und einsatzfreudig. Sie haben sich auch ganz schnell in das Team eingefügt.» Für Pflegeleistungen kommen die Soldaten aber nicht infrage. «Sie reinigen und desinfizieren das Heim und verteilen Wäsche bis vor die Zimmer. Vier Soldaten sind in der Frühschicht im Einsatz, zwei in der Spätschicht», sagte der Bürgermeister.

Die Panzergrenadierbrigade in Frankenberg gehört zu den Dienstellen innerhalb der Bundeswehr, die Personal für die 15 000 Soldaten umfassende Corona-Soforthilfe stellen. «Diese Soldaten sind vorbestimmt und werden dann, wie im Fall Radeberg, nach dem Grundsatz der Freiwilligkeit und der angeforderten Fähigkeiten abkommandiert», sagte Eric Gusenburger vom Landeskommando Sachsen der Bundeswehr. Bislang wurden im Freistaat während der Corona-Pandemie neun Amtshilfeersuchen an die Bundeswehr gestellt, von denen drei noch ausgeübt werden. Ein Einsatz in einem Heim gab es bislang noch nicht.

Ob der Einsatz nach dem 3. Mai verlängert wird, steht noch nicht fest. «Das hängt von den Fallzahlen ab. Es kann durchaus sein, dass ich ein weiteres Amtshilfeersuchen stellen muss», sagte Bürgermeister Lemm.

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