Corona-Krise und Schweinepest sorgen für «Schweinestau»

Die Preise für Schweinefleisch sind im Keller, die Landwirte in Sachsen fürchten Existenznot. Zudem wollen die Bauern wieder einen eigenen Schlachthof, um in der Krise unabhängiger zu sein.

Dresden (dpa/sn) - Corona-Krise und Afrikanische Schweinepest (ASP) machen derzeit den Landwirten in Sachsen zu schaffen. Zum einen könne durch die Schließung von Gaststätten und Hotels weniger Fleisch verkauft werden, sagte der Präsident des Landesbauernverbandes, Torsten Krawczyk, am Donnerstag in Dresden. Zudem hätten die Schweinehalter wegen der Schweinepest Probleme, ihr Fleisch im Ausland zu verkaufen. Manche Länder haben einen Importstopp für Schweinefleisch aus Deutschland verhängt.

Krawczyk sprach von einem «Schweinestau» in den sächsischen Ställen, die Preise für ein Kilogramm Schweinefleisch hätten sich binnen eines Jahres auf derzeit 1,19 Euro pro Kilogramm halbiert. Je länger die Schweine in den Ställen stehen, desto weniger sind sie wert. Für zu schwere oder ältere Schweine gibt es laut Verband sogar teils nur 80 Cent pro Kilogramm. «Die Mehrheit der sächsischen Schweinehalter wird in Existenznot geraten», befürchtete Krawczyk und sprach von einem «nachhaltigen Schaden.» In den Schweinebetrieben selbst wurde bisher kein Fall der für den Menschen ungefährlichen Tierseuche ASP nachgewiesen, lediglich bei Wildschweinen. «Unser Ziel ist, dass es auch so bleibt», so Krawczyk.

Die Schweinepest und der damit verbundene «Schweinestau» habe die sächsischen Schweinehalter auch deshalb so hart getroffen, weil es in Sachsen nicht genügend eigene Schlachtstätten gibt. Zwar gebe es eine in Belgern (Landkreis Nordsachsen), aber die reiche «nicht annähernd» aus, betonte der Bauernpräsident. «Wir sehen, wie anfällig unser System in der Krise ist.»

Der Verband will deshalb wieder einen eigenen Schlachthof im Freistaat aufbauen sowie mehrere mobile Schlachtstätten, um unabhängiger von Großbetrieben wie etwa Tönnies zu sein. Zudem soll erstmals eine enge Verzahnung zwischen den Landwirten als Erzeuger sowie Schlachtung und Weiterverarbeitung geben. Ziel ist der Aufbau einer sächsischen Wertschöpfungskette, so Krawczyk. Ein eigener Schlachthof sei wichtig in puncto Tierwohl aber auch mit Blick auf den CO2-Ausstoß beim Transport und möglichst kurze Wege. Bis Ende März will der Verband konkrete Vorstellungen zu Standort und Ausgestaltung vorlegen, vom Landwirtschaftsministerium fordern die Bauern eine Einstiegsfinanzierung.

Der Landesbauernverband kündigte zudem an, juristische Schritte gegen die sächsische Düngeverordnung zu prüfen. Im vergangenen Jahr hatte der Bundesrat beschlossen, die Dünge-Regeln für deutsche Bauern zum Schutz des Grundwassers vor zu viel Nitrat weiter zu verschärfen. Dazu befinde man sich in Gesprächen mit Verbänden und Landwirten, inwiefern sie sich einer Klage gegen die Düngeverordnung und deren Umsetzung in Sachsen anschließen, so Krawczyk. Ende Januar rechnet der Verband mit einem Ergebnis - anschließend soll über eine Klage entschieden werden.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.