Coronavirus lähmt öffentliches Leben in Sachsen

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus stellt auch Sachsen vor große Herausforderungen. Das öffentliche Leben im Freistaat kommt nach und nach zum Erliegen. Ein Ende ist vorerst nicht absehbar.

Dresden (dpa/sn) - Sachsen geht wegen des neuartigen Coronavirus in den Krisenmodus über. Auch am Freitag ging es Schlag auf Schlag: Immer mehr Theater, Orchester, Museen und andere öffentliche Einrichtungen kündigten ihre Schließung an, die meist bis nach Ostern dauern soll. In Sachsen hatten sich bis Freitagvormittag mindestens 51 Menschen mit dem Virus infiziert. Das sächsische Kabinett wollte am Freitagabend zu einer Sondersitzung zur Corona-Entwicklung zusammenkommen.

Das Kultusministerium hob ab Montag die Schulpflicht auf und ordnete für öffentliche Schulen eine unterrichtsfreie Zeit an. «Die Anordnung gilt bis auf Weiteres. Die Schulen bleiben jedoch geöffnet. Das Lehrpersonal ist anwesend, um die Betreuung für alle Schülerinnen und Schüler sicherzustellen», teilte das Ministerium am Freitagnachmittag mit. Sie könnten aber auch zu Hause bleiben.

Mit der Entscheidung sollen Eltern die Möglichkeit erhalten, sich bis zur Schließung von Schulen auf eine Betreuung ihrer Kinder im häuslichen Umfeld einstellen zu können: «Eine Entscheidung, ab wann Schulen und Kitas bis zum 17. April komplett geschlossen werden, wird im Laufe der kommenden Woche getroffen», hieß es. Die Maßnahme werde ergriffen, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Man werde die Betreuung für alle Kinder absichern, deren Eltern kein alternatives Betreuungsangebot hätten.

In Leipzig wurde am Freitag bereits das Leibniz-Gymnasium wegen einer bestätigten Covid-19-Erkrankung bis 25. März geschlossen. Alle Schüler sowie das gesamte Lehrer­ und Mitarbeiterkollegium wurden aufgefordert, ab sofort zu Hause zu bleiben. Die Kinder in häuslicher Isolierung müssten soziale Kontakte vorerst auf ein Minimum beschränken und dürften keine Besucher empfangen, hieß es.

Nach Angaben des Kultusministeriums sind die Prüfungen an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen nach derzeitigem Stand nicht in Gefahr. Die ersten Prüfungen beginnen erst nach Ostern. Klassenfahrten ins In- und Ausland müssen bis zum Schuljahresende abgesagt werden. Für Fahrten innerhalb Sachsens gilt diese Frist zunächst bis zu den Osterferien, danach soll neu entschieden werden.

Mit Schließung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ab Samstag bis vorerst 19. April verliert die Landeshauptstadt Dresden ihren wichtigsten Besuchermagneten. «Alles, was wir tun, tun wir, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Die Situation ist sehr dynamisch und führt dazu, dass wir unsere Entscheidungen jeden Tag neu überdenken», erklärte Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) und bat Künstler wie Publikum gleichermaßen um Verständnis. Auch die Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten in Sachsen empfangen keine Gäste mehr.

Die Stadt Dresden stellte den Veranstaltungsbetrieb gleichfalls bis 19. April komplett ein. Das betrifft unter anderem die Philharmonie, die Staatsoperette, das Theater Junge Generation und das Hellerauer Festspielhaus. Das sei keine Entscheidung, um Panik zu verbreiten, sondern eine Vorsichtsmaßnahme, sagte Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke). Bis auf die Technischen Sammlungen bleiben die Dresdner Museen vorerst geöffnet. Die Städtischen Bibliotheken Dresden schließen dagegen.

In der Dresdner Kreuzkirche wurden etwa die Passionskonzerte am 21. März und 10. April auf nächstes Jahr verschoben, wie die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen mitteilte. Der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, appellierte an die Menschen, sich in der Corona-Krise gegenseitig eine Stütze zu sein. «Helfen Sie einander», sagte er laut Mitteilung des Bistums. «Spenden Sie Trost, wo Einsamkeit um sich greift. Geben Sie Mut, wo Verzweiflung die Köpfe zu bestimmen droht. Helfen Sie, ohne sich selbst und andere zu gefährden.»

Die Stadt Chemnitz schloss alle ihre öffentlichen Einrichtungen zunächst bis zum 13. April, dem Ostermontag. Betroffen sind unter anderem das Theater, die Stadthalle, Museen, der Tierpark und das Wildgatter sowie Schwimmhallen und Sporthallen. Vereine mit eigenen Sporthallen sind aufgerufen, den Trainings- und Spielbetrieb vorerst auszusetzen. Eltern sollten sich auf die Schließung von Kindertagesstätten, Schulen und Horten vorbereiten.

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden terminierte seine Schließung bis zum 31. Mai. Die geplante Sonderausstellung «Krieg Macht Nation - Wie das deutsche Kaiserreich entstand» soll verschoben werden. Das Deutsche Hygiene-Museum macht bis 19. April dicht, das Verkehrsmuseum in Dresden bis einschließlich 20. April. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) sagte die Eröffnung der Internationalen Wochen gegen Rassismus am kommenden Montag ab.

Die Technische Universität Dresden meldete am Freitag den ersten Infektionsfall - ein Doktorand des Center for Molecular and Cellular Bioengineering (CMCB) habe sich bei einer Dienstreise nach Frankreich mit dem Coronavirus infiziert und sei nun in häuslicher Quarantäne. Das Gebäude des CMCB wurde geschlossen, die etwa 500 Mitarbeiter freigestellt.


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