Die Pandemie vor Ort: So arbeitet die "Freie Presse" in der Coronakrise

Das Coronavirus legt in diesen Tagen Sachsen lahm, Deutschland und Europa - ja fast die ganze Welt. Es stellt alles auf den Kopf - auch die Arbeit in unserer Redaktion.

Chemnitz.

Ob morgens beim Bäcker, nachmittags an der Haltestelle oder abends beim Telefonieren mit Freunden - es gibt nur ein Thema: "Habt ihr schon jemanden für die Kinder gefunden?", "Bist du im Homeoffice?", "Wie kommt eure Firma gerade über die Runden?". Die Coronakrise ist längst nicht mehr fern und anonym. Sie ist unter uns. Ganz nah. Sie greift in den Alltag eines jeden ein. Und wir wissen nicht wirklich, wie lange das so sein wird.

Sicher, über Krisenszenarien haben auch wir in der Redaktion der "Freien Presse" schon immer mal gesprochen. Auch eine Notproduktion der Zeitung wird regelmäßig durchgespielt. Wir haben sogar darüber geschrieben, was passieren könnte, wenn eine Katastrophe das Land lahmlegt und wie das Land gegebenenfalls darauf vorbereitet ist.

Auslöser dafür kann man sich ja einige vorstellen. Der eine oder andere hat sicher den Technik-Thriller von Marc Elsberg gelesen. In "Blackout - Morgen ist es zu spät" beschreibt der 1967 in Wien geborene Autor die katastrophalen Auswirkungen eines großflächigen Stromausfalls in Europa - und zeigt die Verletzbarkeit einer in jeder Hinsicht vernetzten Welt, in der wir schon leben. Es ist unsere Welt.

Der aktuelle "Blackout" heißt Coronavirus, nennt sich Covid-19. Er legt in diesen Tagen Sachsen lahm, Stück für Stück, Deutschland, Europa - ja fast die ganze Welt. Er stellt alles auf den Kopf - auch die Arbeit in unserer Redaktion. Als Journalisten haben wir in den zurückliegenden Jahren immer wieder auf außergewöhnliche Ereignisse reagiert - sei es in der Welt, in Deutschland oder in der eigenen Region. Das ist unser Job, da helfen uns jahrelange Berufserfahrung und eingespielte Abläufe in der Redaktion.

Doch in Zeiten von Corona ist auch das anders. Es gibt de facto nur noch dieses eine Thema. Es zieht die ganze Aufmerksamkeit auf sich - und daneben gibt es fast nichts mehr, über das noch berichtet werden könnte. Kultur, Sport, Vereins-, Dorf- und Stadtleben, soziale Kontakte - all das ist entweder völlig eingestellt oder zumindest auf das Allernotwendigste heruntergefahren worden.

In den zurückliegenden Tagen hat die "Freie Presse" in vielen Runden mit allen Abteilungen des Chemnitzer Medienhauses Notfallpläne aktiviert und Varianten diskutiert, wie wir unsere Leser und die Nutzer unseres aktuellen Internetangebots auch in dieser außergewöhnlichen Situation bestmöglich informieren und gleichzeitig weiter ein zuverlässiger Ratgeber sein können. Dies verstehen wir gerade in dieser Zeit als unsere vordringliche Aufgabe. Denn wir alle gemeinsam stehen gerade vor einer riesigen Bewährungsprobe.

In den verschiedenen Abteilungen unseres Hauses wurden in den letzten Tagen wichtige Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Soweit es geht, arbeiten die Kollegen von zu Hause aus. Die dafür erforderliche technische Infrastruktur wurde mit Hochdruck aufgebaut. Mitunter muss auch noch improvisiert werden. Konferenzen und Besprechungen wurden auf ein unerlässliches Mindestmaß reduziert.

Bei öffentlichen Terminen wägen wir genau ab, welcher von großer Bedeutung ist und deshalb die persönliche Anwesenheit eines Reporters verlangt - und was nur das Risiko unnötig erhöht. Letzteres muss in diesen Tagen entfallen oder auf anderen Wegen recherchiert werden. All das soll unsere Mitarbeiter schützen, aber ebenso unsere Kunden und Kontaktpersonen.

Bis zum Montag war es uns möglich, die gedruckte Zeitung bis auf ganz wenige Ausnahmen im gewohnten Umfang zu produzieren. Beginnend mit der Dienstagausgabe reagieren wir im Umfang der Berichterstattung auf das weitestgehend stillstehende öffentliche Leben. Dennoch können Sie sich voll und ganz auf uns verlassen, dass Sie stets alle wichtigen Informationen von uns erhalten. Allen voran zur Coronakrise, aber natürlich auch darüber hinaus. Wie immer mit besonderem Augenmerk auf die Region. Das gilt für die Tageszeitung und unser stets aktuelles Internetangebot in gleicher Weise.

Ab diesem Dienstag erscheint die "Freie Presse" vorerst nicht mehr in 19 Lokalausgaben, sondern in fünf Regionalausgaben, in denen die wichtigsten Informationen aus der unmittelbaren Region gebündelt werden. Jede der bisherigen Lokalausgaben bleibt jedoch mit mindestens einer Seite in diesen Regionalteilen erhalten, entsprechend der Größe auch mit mehreren Seiten.

Deutlich weniger werden wir über Sport und Veranstaltungen berichten können. Aber das liegt auf der Hand. Anstelle der bisher in den Lokalteilen erscheinenden "Wohin"-Seite mit Veranstaltungstipps veröffentlichen wir täglich eine Seite mit Tipps für zu Hause. Sie richtet sich vor allem an jene Leser, die in den nächsten Wochen allein oder mit ihren Kindern vorwiegend in den eigenen vier Wänden verbringen werden müssen.

Mehrfach wurden wir in den zurückliegenden Tagen gebeten, die Berichterstattung über das Coronavirus kostenfrei im Internet anzubieten. Wie groß das Informationsbedürfnis zum Coronavirus ist, sehen wir an der Nutzung unserer Beiträge auf freiepresse.de. Auf solche Beiträge greifen derzeit wesentlich mehr Nutzer zu als in normalen Zeiten. Besonders interessiert sie dabei die Entwicklung in Sachsen.

Die "Freie Presse" hat sich deshalb entschlossen, ihren ständig aktuellen Nachrichten-Blog zum Coronavirus allen Nutzern kostenfrei zugänglich zu machen. Damit stellen wir in diesen Krisenzeiten sicher, dass sich die Menschen in der Region jederzeit zuverlässig und seriös über das aktuelle Coronageschehen informieren können. Abonnenten stehen darüber hinaus weit mehr Informationen zur Verfügung. Denn guter Journalismus ist aufwändig - nicht nur, aber ganz besonders in diesen Tagen, und kann deshalb nicht kostenlos sein.

Gerade in Krisensituationen achtet die Redaktion der "Freien Presse" darauf, möglichst sachlich und glaubwürdig zu berichten. Sicher ist es wichtig, schnell zu informieren. Noch wichtiger ist es aber, korrekt zu berichten. Dies umso mehr, wenn es wie bei dieser Krise noch so viele offene, ungelöste Fragen gibt, die selbst den Experten neu sind und sich zudem noch von Tag zu Tag mit einer hohen Dynamik verändern. Seien Sie versichert, dass sich das gesamte Medienhaus der "Freien Presse" dieser Verantwortung in diesen Tagen ganz besonders bewusst ist.

Bei unseren Recherchen setzen wir zum einen auf die Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Allen voran auf das in Deutschland federführende Robert Koch-Institut (RKI) sowie auf die das internationale Geschehen koordinierende Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zum anderen sind die Gesundheitsämter, Landratsämter und Verwaltungen in unserer Region verlässliche Quellen für das Geschehen hier vor Ort.

Auf unserer Internetseite finden Sie unter der Überschrift "Alles was Sie über Corona wissen müssen!" eine strukturierte Übersicht zu zahlreichen praktischen Fragen in dieser Krise und darüber, was die Wissenschaft bislang weiß. Eine Basis an Sachinformationen, die stets auf dem neuesten Stand gehalten wird. Zum anderen schauen wir permanent auf das Robert Koch-Institut (RKI) sowie auf die das internationale Geschehen koordinierende Weltgesundheitsorganisation WHO. Diese Stellen veröffentlichen regelmäßig die neuesten Erkenntnisse.

In Zeiten wie diesen kommt der Auswahl und Aufbereitung von Informationen eine besondere Bedeutung zu. Unsere Leser können sich nicht nur darauf verlassen, dass die Redaktion vertrauenswürdigen Quellen folgt und Informationen kritisch prüft. Die "Freie Presse" übersetzt auch die Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Infektionsgeschehen in eine verständliche Sprache und stellt sie in übersichtlicher Form dar. Nicht alles, was richtig ist, ist auch wichtig. Wo die "Freie Presse" selbst nicht kompetent ist, weist sie auf kompetente Stimmen hin.

Wir nutzen darüber hinaus die Nachrichtenagenturen sowie die Berichte eigener Korrespondenten in Deutschland und der Welt. Zudem befragen unsere Reporter regionale Experten, die vor Ort die Corona-Pandemie bekämpfen.

Ganz wichtig in solchen Zeiten sind natürlich die verlässlichen, konkreten Informationen und Hinweise aus den Städten und Dörfern hier in Südwestsachsen. Um diese kümmern sich wie immer mit großer Zuverlässigkeit die Kolleginnen und Kollegen in unseren 19 Lokalredaktionen. Hier wollen wir in ganz besonderem Maße nicht nur Informationsquelle sein, sondern nehmen - liebe Leserinnen und Leser - auch gern Ihre Initiativen und Hinweise auf. Und wenn sich bei Ihnen oder in Ihrer Nachbarschaft ein Problem auftut, zögern Sie bitte nicht, uns zu kontaktieren. Telefonnummern und Mailadressen finden Sie in Ihren Lokalteilen.

Corona-Wissen Wie ist die aktuelle Situation? Welche Auswirkungen hat die Krise auf Arbeit, Schule und öffentliches Leben? Was sind die wichtigsten Kontaktstellen? Antworten auf diese und viele andere Fragen gibt es unter: www.freiepresse.de/corona


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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    2
    Interessierte
    17.03.2020

    Ist das dort , wo unsere Beiträge ankommen ?

  • 17
    3
    Schnorx
    16.03.2020

    Ihr macht das wirklich gut

  • 29
    5
    Distelblüte
    16.03.2020

    So geht Journalismus in Krisenzeiten. Danke dafür.