Kretschmer und die Stimmen der Skeptiker

CDU-intern nimmt die Kritik am designierten Ministerpräsidenten ab. Aber Gegenstimmen könnte es aus der Union trotzdem geben.

Dresden.

Sechs Gegenstimmen, sechs Enthaltungen: Zwölf Abgeordnete verweigerten Mitte Oktober Michael Kretschmer in der CDU-Fraktion die Gefolgschaft. Sie wollten sich nicht ohne Weiteres hinter den Hoffnungsträger stellen, der nächste Woche zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden soll. Seitdem hat Kretschmer eine Charme-Offensive in Partei und Fraktion gestartet. Er ist durchs Land gereist und hat das Gespräch mit den Abgeordneten gesucht. An seiner Unterstützung in der CDU zweifelt kaum noch jemand. Doch die eine oder andere Gegenstimme aus der Fraktion könnte es geben.

Beispielsweise die Abgeordnete Daniela Kuge aus Meißen hat aus ihrer Skepsis keinen Hehl gemacht. Sie und andere Abgeordnete aus der zweiten Reihe gelten als unsichere Kantonisten. Denn Michael Kretschmer ist als Generalsekretär nicht immer zimperlich gewesen, wenn er den Erfolg der CDU in Gefahr sah. Einige Betroffene könnten es ihm nun heimzahlen.

Als ausgemachter Gegner von Kretschmer wird fraktionsintern Oliver Wehner genannt: Im Hintergrund versuche der 33 Jahre alte Abgeordnete die Zweifelnden um sich zu scharen. Wehner ist in der Vergangenheit mit Kretschmer aneinandergeraten. Es ging um Pirna, Wehners Heimat.

29 Mitglieder der Pirnaer CDU traten Anfang des Jahres geschlossen aus - darunter mehrere Unternehmer. Der Grund für den Abgang: Ortspartei-Chef Oliver Wehner. Er spalte die CDU, warfen ihm die Ex-Mitglieder vor. Kretschmer schaltete sich ein - und zählte Wehner mehr oder weniger an: "Ich würde mich vor Ort fragen, was zu korrigieren ist, ob man immer den richtigen Umgang miteinander gepflegt hat und wie es in Zukunft weitergeht", zitierte ihn die "Morgenpost". Genau das soll der Grund sein, warum Wehner sich in der Fraktionssitzung gegen Kretschmer aussprach und mit Nein votierte.

Kretschmers Wahl zum neuen Regierungschef sei dennoch nicht gefährdet, sagen dessen Unterstützer. Ein Strippenzieher ohne Strippen sei Wehner, heißt es. Wehner selbst sagte der "Freien Presse", dass er für Kretschmer stimmen werde. Es sei klar, dass er sich der Mehrheit der Fraktion anschließe, die schon im Oktober für Kretschmer plädierte. Persönliches spiele keine Rolle: Er fühle sich vom Noch-Generalsekretär nicht auf die Füße getreten.

Wichtiger könnte es deswegen werden, dass Kretschmer die Abgeordneten des Koalitionspartners SPD für sich einnimmt: 63 Stimmen braucht Kretschmer, 59 hat die CDU im Landtag, 18 die SPD. Die Sozialdemokraten haben zuletzt durchblicken lassen, dass sie keinen Kandidaten wählen könnten, dessen Positionen sie kaum kennen. Kretschmer wird deshalb morgen in der SPD-Fraktion erwartet. Er will sich vorstellen - und für sich werben.

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