Müller-Rosentritt neuer FDP-Chef in Sachsen

Sachsens FPD vollzieht einen radikalen Führungswechsel. Auf dem Wahlparteitag ist den Liberalen Verunsicherung anzumerken. Zu tief sitzt der Schreck über die letzte Wahlschlappe noch in den Gliedern.

Neukieritzsch (dpa/sn) - Frank Müller-Rosentritt ist neuer Parteichef der Freien Demokraten in Sachsen. Der 37 Jahre alte Banker wurde am Samstag auf einem Parteitag in Neukieritzsch bei Leipzig mit 189 von 250 Stimmen gewählt. Das entspricht einer Zustimmung von 75,6 Prozent. Müller-Rosentritt hatte keinen Gegenkandidaten. Er folgt auf den langjährigen Parteichef Holger Zastrow, der die FDP seit 1999 führte. Bei der Landtagswahl am 1. September hatte die sächsische SPD mit 4,5 Prozent der Stimmen den Wiedereinzug in den Landtag erneut verpasst. Der Landesvorstand kündigte daraufhin seinen Rückzug an, um die Partei personell neu aufzustellen.

«Das Wichtigste ist jetzt, die Partei in ihrer ganzen Vielfalt zu einen», sagte Müller-Rosentritt. Aber nicht nur die FDP-Mitglieder brauchten Foren, in denen man ihnen zuhöre: «Es ist wichtig, die Sorgen und Nöte der Menschen aufzunehmen und heikle gesellschaftliche Themen anzusprechen.» Denn wenn man das den politischen Rändern überlasse, brauche man sich nicht wundern, dass sie immer stärker werden. Es gehe nicht zuletzt um die Frage, was die FDP in der sächsischen Parteienlandschaft einzigartig macht, sagte der neue Parteichef. Er will - wie zuvor vom scheidenden Vorsitzenden Zastrow empfohlen - den Blick künftig stärker auf ältere Wähler lenken.

Müller-Rosentritt schlug den Dresdner FDP-Politiker Robert Malorny als Generalsekretär vor. Er wurde mit 65,7 Prozent der Stimmen gewählt. Auch der bisherige Amtsinhaber Torsten Herbst, der für die FDP im Bundestag sitzt, hatte sein Amt aufgegeben. Malorny war beim letzten Wahlparteitag der Sachsen-FDP vor zwei Jahren Zastrow noch in einer Kampfkandidatur um den Vorsitz unterlegen.

Bei seiner Abschiedsrede hatte Zastrow am Vormittag mangelnden Rückhalt der Partei beklagt. Er war als Spitzenkandidat für die Landtagswahl ins Rennen gegangen und wollte die frühere Regierungspartei zurück in das Parlament führen. Während seine Ergebnisse in der Bevölkerung immer besser wurden, seien die in der Partei immer schlechter geworden, sagte er: «Ich habe mich deshalb entschieden, eine landespolitische Pause einzulegen.» Er wolle sich auf sein kommunales Mandat in Dresden konzentrieren. Im Anschluss erhielt der 50-Jährige für seine emotionale Rede viel Applaus.

Zastrow hatte zu Beginn die Schlappe bei der Landtagswahl analysiert. Das sei «schlimm und traurig» für die FDP gewesen, obwohl die Partei im Vergleich zur vorherigen Wahl 36 000 Stimmen dazugewann. Das «Elefantenrennen» zwischen AfD und CDU habe der FDP die Luft genommen und auch Linke, Grüne und die SPD unter die Räder kommen lassen. Auch das Erstarken der Freien Wähler habe Stimmen gekostet. Die FDP sollte sich breiter aufstellen und toleranter im Umgang miteinander werden.

Letztendlich sei Sachsens FDP aber an sich selbst gescheitert: «Wir waren kein Team, nicht mal ansatzweise», sagte Zastrow. Zugleich räumte er ein «fremdeln» mit vielem ein, was die FDP und die Parteien insgesamt heute machten: «Ich ertrage diese ritualisierte Politik nicht mehr. Ich ertrage auch vieles Geschwätz nicht mehr.»

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