Neue A 72 kommt noch später

Stück Rochlitz-Borna wird mindestens ein halbes Jahr später fertig als geplant

Chemnitz. Die Leipzig-Autobahn gerät erneut in Verzug. Statt Ende 2012 wird die schnelle Trasse voraussichtlich erst im Sommer 2013 bis Borna-Süd fertig sein. Dies kündigte Sachsens Verkehrsstaatssekretär Roland Werner (FDP) gestern auf einem eilends einberufenen Baustellentermin unweite von Rochlitz an. Der etwa 20 Kilometer lange Abschnitt wird zudem teurer als ursprünglich geplant. Die Kosten steigen von reichlich 150 auf rund 200 Millionen Euro. Als Hauptgründe für die Verzögerung werden Probleme bei der Stabilisierung von Böschungen genannt. Auf einer Länge von rund sieben Kilometern seien die Hänge rechts und links der Autobahn abgerutscht. Der Chef des mit dem Projekt beauftragten Verkehrsbauunternehmens Deges, Dirk Brandenburger, machte den hohen Grundwasserstand und "Wasserströme in den Böschungen" dafür verantwortlich. Um die betroffenen Bereiche abzusichern, müssten zunächst Schotter-Schichten aufgebracht werden. 120.000 Tonnen Gestein seien dafür nötig. Das dauere mehrere Wochen.

Wenige hundert Meter nach der Autobahnanschlussstelle Rochlitz stürze zudem auf rund 200 Metern der Boden ein. Er sei von Wasser unterspült worden, das nun zunächst entzogen werden soll, um dann den Boden wieder verfestigen zu können.

Die Probleme bei den Erdarbeiten seien nicht vorhersehbar gewesen, sagte Brandenburger. Der Grundwasseranstieg sei eine Folge der Flutung von rund 40 Kilometer entfernten Tagebaugruben. Die hohen Niederschlagsmengen der beiden vergangenen Winter hätten die Situation zusätzlich verschärft.

Unklar ist noch, ob der Freistaat für die Mehrkosten mit zur Kasse gebeten wird. Laut Staatssekretär Werner verhandelt die Landesregierung derzeit darüber mit dem Bund. Sachsen beteiligt sich am Bau der insgesamt 600 Millionen Euro teuren A 72 zwischen Chemnitz und Leipzig mit reichlich 51 Millionen Euro. Von dieser Summe wurde bislang nur ein reichliches Zehntel verbaut.

Der nun in Zeitverzug geratene Trassenabschnitt wird zunächst in Borna den Anschluss an die vierspurige Bundesstraße 95 herstellen. Allerdings ist das auch nur eine Übergangslösung, denn die Leipzig-Autobahn soll von Borna bis zur A 38 im Süden der Messestadt weitergebaut werden. Für die beiden letzten Abschnitte liegt jedoch noch immer kein Baurecht vor. Werner hofft dennoch, dass die Trasse ab dem nächsten Jahr von Borna aus weiter in Richtung Norden wachsen kann.

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5Kommentare
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    f1234
    24.05.2012

    Man sollte seitens der FP schon richtig recherchieren, bevor man schreibt, dass die DEGES das verantwortliche "Verkehrsbauunternehmen" sei. Die DEGES ist ein Unternehmen des Bundes und tritt stellvertretend für diesen als BAUHERR und ist nicht bauausführendes Unternehmen.

    @schnelleserin:

    Es ist im öffentlichen Bauvertragsrecht für eine Baufirma nicht möglich, für einen eventuell falsch kalkulierten Bauauftrag mal eben im Nachgang die "Kosten nachzubessern". Gleichwohl ist es aber mehr als legitim, für nicht vertraglich vereinbarte Leistungen, die ausgeführt werden müssen, weil der Bauherr z.B. Änderungen vornimmt oder mangelhaft ausgeschrieben hat (was wohl hier eher der Fall zu sein scheint), eine zusätzliche Vergütung zu erlangen. Denn von einer "Schenkungsvermutung der deutschen Bauindustrie" ist nicht auszugehen.

    Man sollte vorsichtig damit sein, die Schuld für Kostensteigerungen von öffentlichen Bauaufträgen bei den Baufirmen zu suchen. Meistens liegen die Gründe in oben Genanntem, gepaart mit Inkompetenz und Gleichgültigkeit der öffentlichen Bauherren. Getreu dem Motto: "Ist ja nicht mein Geld..." Da wundert es nämlich meistens nicht, wenn denen der Laden dann später um die Ohren fliegt.

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    HorrorBeetle
    23.05.2012

    @schnellleserin: nach deutschen und europäischen Vergaberecht ist eine Überprüfung der Angebote von Bietern zwar nötig, oft ist es aber nicht möglich Angebote auszuschließen. Gründe dafür sind nicht leicht zu finden und natürlich ist es auch nicht sinnvoll günstige angebote auszuschließen (das nennt man Wettbewerb). Das Vergaberecht zielt bewusst immer auf den günstigsten Anbieter ab.

    Allerdings ist es Praxis, dass bei jeder Ausschreibung ein gewisser Preissteigerungsfaktor intern bereits berücksichtigt wird. Den Behörden sollte es also keine Überraschung sein, dass Mehrkosten auflaufen! Es wird nur immer als solches Publiziert!

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    hkremss
    23.05.2012

    Na, alles klar! Um Leipzig werden Tagebaue geflutet und in Rochlitz kommt es daher zum Grundwasseranstieg. Das konnte vermutlich tatsächlich keiner vorhersehen. Dass das aber jetzt die Ursache sein muss, stellt der Chef des beauftragten Bauunternehmens fest. Und Bund und Land zahlen 'eilends' noch ein paar Millionen aus. Natürlich.

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    gelöschter Nutzer
    23.05.2012

    FDP-Politiker und Westimport: Da kommt nichts dabei heraus

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    23.05.2012

    irgendwie wäre es auch komisch gewesen wenn die Meldung gelautet hätte: die Autobahn wird 2 Monate eher fertig, es konnten beim Bau rund 10 Mio Euro eingespart werden oder?

    50 Mio Mehrkosten sind 25 % Prozent - die Planer sollten doch mehr in die Verantwortung genommen werden.
    Erst gewinnt der wirtschaftlichste - meist der billigste - Bieter und nachher werden die Kosten nachgebessert? Und wenn die anderen Bieter nun genauer kalkuliert haben? Vielleicht haben sie vorher schon mit diesen möglichen Problemen gerechnet und wären mit 175 Mio durchs Ziel gegangen.

    Wird sowas geprüft?



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