Sachsen gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz erinnert Sachsen an die Opfer des Holocaust. Ministerpräsident Kretschmer hält eine lebendige Erinnerungskultur für wichtig.

Dresden (dpa/sn) - 75 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz ist in Sachsen vielerorts mit Gedenkveranstaltungen an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht worden. Der Sächsische Landtag und die Landesregierung erinnerten am Montag in Dresden in einer gemeinsamen Veranstaltung an die Geschehnisse während des Zweiten Weltkrieges. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach von dem «dunkelsten Teil» deutscher Geschichte. Millionen von Menschen seien von Nationalsozialisten schikaniert, vertrieben, misshandelt und ermordet worden. Auch wenn eine Minderheit von einem «Schuldkult» spreche, sei eine Erinnerungskultur 75 Jahre danach wichtig.

«Zu unserer Art in Deutschland zu leben, gehört eine klare Haltung zu unserer Vergangenheit, eine eindeutige Ablehnung jeder Form von Antisemitismus und eine Unterstützung für das Existenzrecht von Israel», betonte Kretschmer.

Landtagspräsident Matthias Rössler rief dazu auf, Antisemitismus zu bekämpfen und für die Demokratie einzutreten. Nichts ‎rechtfertige Todesdrohungen, Gewaltaufrufe oder politisch motivierte Angriffe. «Wer so etwas tut, der hat nichts aus unserer Geschichte gelernt.» Der 27. Januar ist in Deutschland nationaler Gedenktag zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.

In Dresden verlasen Schüler vor der Kreuzkirche mehr als 1900 Namen von im Nationalsozialismus ermordeten Dresdner Juden, Sinti und Roma und Kindern von Zwangsarbeiterinnen. «Es ist viel persönlicher, wenn man die Namen hört und etwas über das Schicksal erfährt», sagte Theresa von der achten Klasse des St. Benno-Gymnasiums, die sich an der Aktion beteiligte. Auch in Leipzig und Chemnitz wurde am Morgen an die Opfer der Nationalsozialisten erinnert. Die Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain wollte am Nachmittag mit einer Lichtkunstaktion «23.752» an die namentlich bekannten Opfer, die von 1941 bis 1945 im Kriegsgefangenenlager starben.

Sachsens SPD-Vorsitzender und stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig rief am Gedenktag zum Widerstand gegen Rechtsextremismus sowie zum Einsatz für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt aufgefordert. «Für uns muss jeden Tag und besonders heute klar sein: So etwas darf sich nicht wiederholen. Niemals wieder», sagte er in Dresden. «Das ist unsere Verantwortung und die aller nachfolgenden Generationen.» Eine freiheitsliebende und demokratische Gesellschaft müsse jeden Tag aufs Neue erkämpft werden.


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8Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    4
    Hinterfragt
    28.01.2020

    @Distelblüte; falls es Ihnen entgangen sein sollte, auf Augustusburg wurde reinweg nichts verbotenes bzw.strafrechtliche relevantes getan ...

  • 2
    6
    Distelblüte
    28.01.2020

    @Hinterfragt: Ein Fan der Hufeisentheorie? Hm.
    @Malleo: Interessant, dass Sie den Vorfall auf der Augustusburg ins Spiel bringen.
    Bei beiden "Ereignissen" wurde die Polizei erst tätig, als der Druck durch de Öffentlichkeit, ausgelöst durch Posts in den sozialen Medien zu groß wurde.
    Mag sein, dass es jewels Einzelfälle sind.
    Die andere Seite ist: in Augustusburg waren nahezu alle Umstehenden inklusive des Beamten begeistert von der Scheiße auf Rädern, anstatt die zwei Herren samt Gefährt wieder bis vors Tor zu bringen und ihnen Hausverbot zu erteilen.
    In Pirna ging es um eine Gedenkveranstaltung zum Holocaust., bei der eine junge Frau den Hitlergruß zeigte, was bei vielen Umstehenden keineswegs gut ankam. Den ersten Versuch, dazu eine Anzeige zu erstatten, ging laut mehrerer Zeugen fehl.
    Man kann das als reine Geschlmacklosigkeit abtun. Oder man sieht es im Zusammenhang, den ein Auszug aus einem gestrigen FP-Artikel beschreibt:
    "Pirna spielte im Vernichtungsapparat der Nationalsozialisten eine wichtige Rolle. In der Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein wurden in den Jahren 1940 und 1941 rund 13 700 vorwiegend psychisch kranke und geistig behinderte Menschen in einer Gaskammer der Anstalt ermordet, heißt es auf der Internetseite der heutigen Gedenkstätten. Zudem seien hier im Sommer 1941 mehr als tausend Häftlinge aus Konzentrationslagern im Rahmen einer «Sonderbehandlung» ums Leben gekommen."
    Ihre Wahl.

  • 6
    5
    Hinterfragt
    28.01.2020

    Nun @Distelblüte; mit ""Soweit, so alltäglich für die Region"" meinen Sie die Vorkommnisse in Leipzig ?!? ...

  • 7
    6
    Malleo
    27.01.2020

    distel
    Schon wieder sind die Polizisten schuld.
    Erinnert mich an Augustusburg.
    Sie setzen mit "soweit, so alltäglich für die Region(!)" noch eins drauf.

  • 7
    7
    Malleo
    27.01.2020

    "Soweit, so alltäglich für die Region"
    Eine unterirdische Diffamierung.

  • 6
    9
    Lesemuffel
    27.01.2020

    Die Polizei hat sich eben nicht von dieser Frau provozieren lassen. Offenbar war bekannt, welche Gruppierung "das Zeichen setzen sollte". Distelblüte, sie wissen wohl nicht, welche Kräfte auch hinter solchen Aktionen stehen?

  • 5
    2
    Echo1
    27.01.2020

    Zu DDR-Zeiten gab es die OdF-Mahnmale
    Damals gepflegt. Heute regional nicht mehr
    so gepflegt. Diese wurden und werden benutzt vorwiegend für Veranataltungen der Linken, die erinnern. Ich schloss als Opfer des Faschismus immer die Juden mit ein. Meiner Meinung war das damals offiziell so. Aber nach der Wende wurde dann natürlich mehr das Wort Nationalsozialmus verwendet und im gleichen Atemzug mit Sozialismus genannt
    und gleichgesetzt. Denke die fortschrittlichen Menschen haben hier etwas schleifen lassen und jetzt wundert man sich über rechte Entwicklungen. Welcher Bürgermeister hat in 30 Jahre BRD
    an Opfer des Faschismus erinnern lassen. Hier im Osten. Bürger aufgefordert, deren zu Gedenken. Es ging erstmal um Stalinismus. Dann gab es ja schon die Tendenz Opfer von Gewaltherrschaften zu sagen. War ja richtig, dass zu sagen. Aber der Antifaschmus, das Gedenken wurde vernachlässigt. Man polierte liebe Kriegsdenkmäler auf ohne den Hintergrund
    der sinnlosen Kriegsopfer zu benennen.
    Und jetzt bekommen wahrscheinlich manche Politiker ein schlechtes Gewissen.

  • 8
    6
    Distelblüte
    27.01.2020

    Derweil heute in Pirna: bei einer Gedenkfeier zum Holocaust hob eine junge Frau mehrmals den Arm zum Hitlergruß. So weit, so alltäglich für die Region. Besonderer Tiefpunkt ist jedoch, dass der (die?) anwesenden Kollegen der Polizei Sachsen sich weigerten, dazu eine Anzeige aufzunehmen. https://mobile.twitter.com/saxokalypse/status/1221792641978916864