Sachsen gehen früher in Rente als Arbeitnehmer im Westen

Nur etwa jeder fünfte Sachse, der 2017 in Rente ging, hat bis zur Regelaltersgrenze - 65 Jahre und sieben Monate - gearbeitet. Im Westen waren es doppelt so viele.

Chemnitz.

Das Gros der Neupensionäre im Freistaat nutzt die Rente mit 63. Nur in Thüringen verabschieden sich im Bundesvergleich prozentual noch mehr Menschen abschlagsfrei in diesem Alter in den Ruhestand. Auch bei der vorzeitigen Rente mit Abzügen gehört Sachsen mit fast 28 Prozent zur Spitze. Das geht aus einer Studie des Ifo-Instituts hervor, die auf Daten der Rentenversicherung für 2017 beruht.

"In der DDR war es anfangs üblich, schon mit 14 in die Lehre zu gehen", erklärt Ursula Wächter, Pressesprecherin der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Mitteldeutschland. Dadurch hätten dort auch prozentual mehr Menschen in einem jüngeren Alter als im Westen die 45 Beitragsjahre voll, die nötig sind, um abschlagsfrei in Rente gehen zu können. So haben laut DRV ostdeutsche Männer, die bis 2016 in Rente gegangen sind, im Schnitt 44,5 Jahre und damit gut vier Jahre länger als westdeutsche gearbeitet. Bei den Frauen ist dieser Unterschied mit mehr als 13 Jahren noch größer. Während ostdeutsche Frauen durchschnittlich 41 Arbeitsjahre aufweisen, sind es bei den westdeutschen 27,6 Jahre.

Zudem sind die Frauen im Osten in der Regel einer Vollbeschäftigung nachgegangen. "Arbeitslosigkeit gab es de facto nicht, und die Frauen sind nach der Geburt eines Kindes sehr schnell wieder arbeiten gegangen, während die Frauen im Westen oft noch Jahre zu Hause geblieben sind", sagt Ursula Wächter. Das spiegelt sich in höheren Renten wider.

Das ist für Ifo-Wissenschaftler Joachim Ragnitz auch ursächlich dafür, dass in Ostdeutschland häufiger die Rente mit Abschlägen in Kauf genommen wird als im Westen. "Die kann man sich eher leisten, wenn zwei Rentenbezieher mit hohen Bezügen in einem Haushalt leben."

Eine Frau im Osten kam laut Ifo-Institut bei normalem Renteneintritt im Jahr 2017 im Schnitt auf 810 Euro im Monat und im Westen auf 452 Euro. Ein ostdeutscher Mann hatte 902 Euro, ein westdeutscher 738 Euro. Bei der Rente mit 63 Jahren lag die Auszahlung im Osten mit 1123 Euro im Schnitt unter der im Westen. Dort betrug sie 1290 Euro. In Ostdeutschland sind die Lebenshaltungskosten laut Experten aber auch rund zehn Prozent niedriger als im Westen.

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