Sachsen-SPD droht Streit um Wahlliste

Am Samstag legt Parteichef Dulig die Vorschläge für die Landesliste vor. Kampfkandidaturen sind nicht ausgeschlossen.

Dresden.

Der Chemnitzer Landtagsabgeordnete Jörg Vieweg ist einer der großen Verlierer in der SPD. Knapp fünf Jahre sitzt der 47-Jährige im Landtag. Aber seitdem SPD-Chef Martin Dulig am Mittwochabend seinen Vorschlag für die Landesliste vorgelegt hat, ist klar: Höchstwahrscheinlich gibt es für Vieweg erst einmal keine zweite Legislaturperiode. Er soll nur noch Listenplatz 21 erhalten. Angesichts der aktuellen Umfragen, die um die zehn Prozent für die SPD ausweisen, wird das bei weitem nicht für den Wiedereinzug reichen.

Neben Vieweg findet sich auch die Abgeordnete Iris Raether-Lordieck aus Limbach-Oberfrohna ziemlich weit hinten auf der Liste. Sie ist auf Platz 22 eingereiht worden. In der 18-köpfigen Fraktion war seit Wochen klar gewesen, dass es für mehrere Parlamentarier hart werden könnte. Denn Dulig hatte schon im November angekündigt, dass er einem Quersteiger einen aussichtsreichen Platz freihalten würde: Frank Richter.

Richter, der viele Jahre die Landeszentrale für politische Bildung führte und CDU-Mitglied war, hatte im Herbst die SPD begeistert, als er aus der Oberbürgermeisterwahl in Meißen fast als Sieger hervorgegangen wäre. Am Ende fehlten ihm nicht mal 100 Stimmen. Kurz nach der Niederlage entschied sich Dulig, auch bei der Landtagswahl auf Richter zu setzen. Als Parteiloser mit SPD-Ticket bewirbt sich Richter jetzt als Direktkandidat in Meißen. Parallel soll er Platz sieben auf der Landesliste erhalten.

In der SPD selbst ist dies alles andere als unumstritten. Viele Mitglieder sehen es nicht gern, dass die Parteiführung einen ehemaligen Unionsmann derart hofiert. Aber Dulig will nach eigener Aussage mit Richter diejenigen für die Sozialdemokraten begeistern, die die Partei eigentlich nicht wählen würden.

Auf dem Parteitag in Frankenberg wird sich am Samstag zeigen, ob Duligs Listenvorschlag Bestand hat. Kampfkandidaturen werden nicht ausgeschlossen. Richter könnte dann der Erste sein, den jemand herausfordert. Die obersten Plätze auf der Liste sind dagegen so gut wie sakrosankt: Nach Dulig als Spitzenkandidaten folgen Integrationsministerin Petra Köpping, Fraktionschef Dirk Panter, SPD-Vize Hanka Kliese, Generalsekretär Henning Homann und die parlamentarische Fraktionsgeschäftsführerin Dagmar Neukirch.

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